Im Fall einer Pandemie würden viele Lkw-Fahrer entweder selbst erkranken, oder sie müssten kranke Angehörige pflegen. Vielleicht erscheinen sie aus Angst vor einer Ansteckung einfach nicht zur Arbeit. [Das vorhergehende kann auch durch "Im Fall eines Wirtschaftszusammenbruches....." ersetzt werden.] Dies würde die städtischen Bevölkerungszentren rasch lahmlegen. Einer der Gründe dafür ist, dass es auf kaum einem Sektor noch Lagerhaltung gibt. Güter werden nach Bedarf angeliefert. Die Vorräte in einer Stadt, dies ermittelten Forscher der Universität Edinburgh, würden gerade für drei Tage reichen. „Das alte Sprichwort „die Anarchie ist immer nur drei oder vier Mahlzeiten weit entfernt“ würde bittere Realität“, konstatieren die Autoren.
In den USA reagierten die Behörden auf diese Erkenntnis mit der Aufforderung, die Leute mögen sich Vorräte zulegen, die etwa drei Wochen reichen.
....
Zwar könnten kranke Lkw-Fahrer durch gesunde Personen ersetzt werden, die in Schnellkursen ausgebildet werden. Doch die Brummis brauchen Sprit. Für dessen Produktion ist die Zahl der in den Raffinerien und der Lieferkette arbeitenden Menschen entscheidend. Eine Studie des Mineralölkonzerns Exxon ergab, dass die Versorgung noch aufrechterhalten werden kann, wenn ein Viertel der Mitarbeiter fehlt. Diese Rate wurde bei der Spanischen Grippe von 1918 erreicht. Käme es bei einer neuerlichen Pandemie aber schlimmer als damals und die Hälfte der Mitarbeiter fiele aus, würde die Kraftstoffversorgung kollabieren.
...
In der Tat ist die Stromversorgung ein weiterer neuralgischer Punkt. Fiele sie aus, kämen so ziemlich alle Prozesse in den komplexen und vielfach vernetzten Strukturen der Industriegesellschaften zum Erliegen. Raffinerien würden recht schnell stillstehen, die Diesel für Lkw, Züge und Schiffe liefern. Dadurch bleiben die Kohlelieferungen für die Kraftwerke aus. Auch die Bergwerke brauchen Strom, ebenso die Mineralölgesellschaften, um Rohöl durch Pipelines zu pumpen. Fehlen in diesen Branchen, vor allem aber in den Kraftwerken, die Fachleute in den Schlüsselpositionen (dazu zählen natürlich auch die Reaktorfahrer in den Kernkraftwerken), brechen bald alle Transportketten zusammen. Dann lassen sich auch die für unsere Lebensmittelversorgung essenziellen Kühlketten nicht mehr aufrechterhalten. Schlussendlich hätten die Menschen nichts mehr zum Essen. Weil sie auch kein Wasser mehr abkochen könnten, drohten weitere Seuchen. Überdies kollabiert die Kommunikation: Fernseh- und Rundfunkanstalten können nicht mehr senden, das Internet funktioniert nicht mehr.
...
Selbst wenn es den Industriestaaten gelänge, die ersten Wochen einer Pandemie einigermaßen unbeschadet zu überstehen, drohen Langzeitschäden. Fallen der Krankheitswelle viele Bauern zum Opfer, könnte die Ernte ganz oder teilweise ausfallen.