Sein Buch sei "nicht hilfreich", hat die Bundeskanzlerin gesagt. Gleiches lässt sich über ihre Ausländerpolitik auch sagen. Beide großen Parteien haben das Problem nicht gewollt, aber sie haben zugelassen, dass es entstehen konnte. Schuld am Wachstum der Unterschicht sind nämlich nicht die Gene oder die Religion der betroffenen Menschen. Verantwortlich ist der Staat, der jeden an seinen Busen drückt, den es danach dürstet. Das Problem liegt also nicht auf der Seite der Nachfrager, sondern aufseiten der Anbieter. Wer gibt, ohne etwas zu verlangen, der fördert die Gruppe von Menschen, die nimmt, ohne zu geben. So ist der Mensch nun mal, unabhängig davon, ob er aus Anatolien oder aus Oberammergau stammt. Das ist keine Frage der Biologie, sondern der Ökonomie.
"Intelligenz ist erblich", hat Sarrazin behauptet. Wäre er doch nur auf seinem, unserem gemeinsamen Feld, dem der Wirtschaft, geblieben. Der große Theoretiker Adam Smith hat alles gesagt, was zum Entstehen und Verschwinden von Wohlstand zu sagen ist. Der Mensch würde, so schrieb er, von einer "unsichtbaren Hand geleitet, um einen Zweck zu fördern, den zu erfüllen er in keiner Weise beabsichtigt hat". Wenn die Anreizsysteme also richtig gesetzt sind, wird der Einzelne dem Allgemeinwohl mit seinem Fleiß und seiner Hingabe dienen. Wenn die Anreizsysteme falsch gesetzt sind, kann er das Gemeinwesen auch zerstören.
Die unsichtbare Hand geleitet in Deutschland viele Menschen ohne Umwege an die Ausgabestellen des Sozialstaates. Hier werden hohe Milliardenbeträge ausgereicht, ohne dass ernsthaft eine Gegenleistung erwartet wird. Das hat Sarrazin zu Recht thematisiert.