Damit wäre mit einem Schlag einiges Gold auf dem Markt gewesen – allerdings nicht genug, um einen derart brutalen Kurssturz zu erklären.
Die Erklärung könnte in einem anderen Ereignis zu finden sein: Bill Holter glaubt, dass bei einem geheimen Treffen von US-Präsident Barack Obama mit 15 führenden Bankern am vergangenen Donnerstag Klartext geredet wurde. Weil die Produktion von Gold zurückgeht – nicht zuletzt durch den Ausfall von zwei großen Minen – tauchte plötzlich eine fundamentale Bedrohung für die Banken durch die Gold-Derivaten-Blase auf.
Holter interpretiert den massiven Abverkauf von Papiergold dahingehend, dass den Banken gesagt wurde, sie müssten ihre Gold-Derivate jetzt abstoßen, um nicht im Fall eines realen Gold-Crashs schwere Verluste einfahren zu müssen. Für diese These spricht auch, dass zahlreiche Banken seit einigen Monaten den Goldpreis kleinreden. Chris Martenson zitiert auf seinem Blog die Edelmetall-Experten der UBS und der Credit Suisse, die Gold als „schlechte Sicherheiten“ gegen Risiken bezeichneten. Auch Gurus wie Warren Buffet und George Soros haben sich dem angeschlossen.
All diese Leute sprechen solche Warnungen nicht aus, weil sie die Anleger warnen wollen. Sie sagen das, weil sie wollen, dass verkauft wird. Denn all diese Ratgeber haben milliardenschwere Wetten auf einen sinkenden Goldpreis laufen. Mit diesen Wetten kompensieren sie ihre Verluste, die durch den Absturz des Goldpreises auflaufen.
Holter geht in seiner Beurteilung sehr weit und sagt voraus, dass die Edelmetall-Börse COMEX die Pleite anmelden werde müssen, weil das ganze Papiergold nicht mehr annähernd vom realen Gold gedeckt sei. Eine solche Pleite halten nicht viele für wahrscheinlich.
Doch hinter den gespenstischen Vorgängen dürfte noch etwas ganz anderes stecken: Die Finanzwirtschaft hat sich durch ihre maßlosen Wetten so verrannt, dass sie keine realen Assets mehr hat, mit denen die Wetten gedeckt sind.
Die Staaten wiederum haben in Europa – und zu einem geringeren Teil in anderen Gegenden – beschlossen, dass die Banken sich selbst zu retten haben. Das heißt: Aktionäre, Gläubiger und Sparer müssen bluten.
Die Konfiszierung des zypriotischen Goldes hat den Absturz des Goldpreises nicht deswegen beschleunigt, weil plötzlich viel mehr Gold auf dem Markt ist – dazu sind die paar Tonnen zu unerheblich. Der Zugriff von Draghi auf Zypern hat den Investoren schlagartig vor Augen geführt, dass Politik und Zentralbanken entschlossen sind, das physische Gold dem Markt zu entziehen, um ihr eigenes Schulden-System vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Sie brauchen es als Assets, weil sie den total verfaulten Schrottpapieren nicht mehr trauen, die sie bisher als Sicherheiten akzeptiert haben.
Die Zentralbanken setzen darauf, dass mit dem Abverkauf des Papiergoldes zunächst die Banken gerettet werden sollen. Schon bei der Zypern-Zwangsabgabe haben wir gesehen, dass die europäischen Banken schon lange vorher gewarnt worden sind (hier). Als die Falle zuschnappte, hatten die Banken schon längst mit dem Großteil ihrer Milliarden aus Zypern abgezogen.
Dasselbe könnte sich nun beim Gold wiederholen: Die Banken sollen verkaufen, solange es noch geht. Es ist gewissermaßen ein vorweggenommener Haircut. Für die Banken ist das nicht besonders tragisch, weil sie sich durch Wetten auf einen sinkenden Goldpreis abgesichert haben. Sie machen unter Umständen sogar noch ein finales Geschäft.
Für die Privatanleger gilt das Wort von Michail Gorbatschow: Wer zu spät kommt, den bestraft die Zentralbank. Die Besitzer von Papiergold müssen sich auf Totalverluste einstellen.
Die Besitzer von realem Gold könnten, wie der Goldexperte Walter Eichelburg meint, in diesem Szenario auf enorme Wertsteigerungen hoffen – wenn wir es denn mit einem echten Markt zu tun hätten.
Es ist jedoch durchaus denkbar, dass die Zentralbanken am Ende auch den Zugriff auf das physische Gold nicht scheuen. Goldverbote wurden in der Geschichte stets nur dann verhängt, wenn es eine Währungs- oder eine Schuldenkrise gab. In Europa haben wir aktuell beides.
Die EZB würde damit zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen: Das Gold steht den Banken zur Selbst-Rettung in einem dann exklusiven Markt zur Verfügung. Und den Anlegern wäre einer der letzten Fluchtwege abgeschnitten, um der Zwangsabgabe zu entgehen.
Ob die Aktion den Crash tatsächlich bremsen oder gar verhindern kann, ist indes nicht ausgemacht. Denn wie immer haben besonders raffinierte Manipulationen auch unerwünschte Nebenwirkungen. So hat Zerohedge ausgerechnet: Wenn Gold unter 1.175 Dollar fällt, kann Zypern seine 400 Millionen Euro nicht mehr an die EZB bezahlen. Vor zwei Wochen noch hätte Zyern die Forderung Draghis mit 10 Tonnen Gold erfüllen können, heute müsste Nikosia schon 12 Tonnen seines Goldes verkaufen. IWF-Daten zeigen an, dass Zypern nur 13,9 Tonnen Goldes hat, die es verkaufen kann, ohne am Ende auch offiziell und unwiderruflich pleitezugehen.
Wenn Zypern aber pleitegeht, dann zerbricht die Euro-Zone. Zumindest wenn weiter gilt, was Draghi & Co. gesagt haben – dass nämlich Zypern systemrelevant ist (hier, als Draghi Schäuble erklärt, dass nicht die Juristen, sondern die Zentralbanker das letzte Wort in der Krise haben werden).
Weil aber jeder einzelne Krügerrand offenkundig direkt mit der Schuldenlast einer bisher völlig unbekannten zypriotischen Laiki-Bank in direkter Verbindung steht, könnte die Aktion nicht die Rettung, sondern der Anfang vom Ende des schuldenfinanzierten Weltfinanzsystems sein.
Danach kommt ein neuer Anfang.
Für diesen Fall empfiehlt es sich jetzt dringend, keinen einzigen Krügerrand zu verkaufen.
Denn die Waagen werden nach dem Crash ebenso wenig neu geeicht wie die Uhren, die nach der Stunde Null wieder gleichförmig die Sekunden und Stunden abarbeiten, als wäre nichts gewesen.
http://deutsche-wirtschafts-na…h-des-finanz-systems-ein/
![]()
Es dürfte schon bezeichnend sein, für das Globale Finanzsystem, wenn es nötig ist die "Märkte" so stark zu manipulieren.
Das bringt nicht gerade Vertrauen in dem Dollar oder Euro!
![]()