Chinas Bauern droht große Dürre
Von Jamil Anderlini, Xian
27.02.2008
Provinzen müssen sauberes Wasser für die Olympischen Spiele nach Peking umleiten
Wenige Monate vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Peking ist die Existenz von Millionen chinesischer Bauern durch einen akuten Wassermangel bedroht. Ursache für den Engpass in den nordwestlichen Provinzen sind Wasserumleitungen sowie der Bau großer Kraftwerke, mit denen die Trinkwasserversorgung in der Hauptstadt während des sportlichen Großereignisses gesichert werden soll.
Damit steigt das Potenzial für soziale Spannungen in China. Dies kommt der Regierung ungelegen, die die Spiele für eine positive Darstellung in der Weltöffentlichkeit nutzen will.
An Qiyuan, der Vorsitzende des Beratungsausschusses für die Provinz Shaanxi, warnte gegenüber der FT vor einer sozialen und Umweltkatastrophe durch die übermäßige Ausbeutung knapper Wasserressourcen. An forderte die Regierung auf, die benachbarten Provinzen dafür zu entschädigen, dass sie ihr sauberstes Wasser in die Hauptstadt pumpen müssen. „Um die Wasserqualität in Peking zu erhalten, müssen wir alle unsere Fabriken schließen. Aber wir müssen auch von irgendetwas leben. Deshalb finde ich, dass die Regierung Shaanxi eine Entschädigung zahlen muss“, sagte er.
Schätzungen zufolge benötigt Peking 300 Millionen Kubikmeter zusätzliches Wasser, nur um verschmutzte und stehende Gewässer sowie Kanäle und Seen durchzuspülen. Ziel sei es, Peking den Anschein einer sauberen, umweltbewussten Stadt zu geben, sagten Kommunalvertreter.
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Die durchschnittliche jährliche Wasserversorgung pro Kopf beträgt in China 348 Kubikmeter. Dieser Wert liegt unter der 1000-Kubikmeter-Marke, ab der die Uno von Wasserknappheit spricht. Peking ist mit 235 Kubikmetern sogar noch schlechter dran. Viele Experten sagen, die Regierung verschlimmere die Knappheit, indem sie die Preise künstlich niedrig halte. „Peking steckt in einer Wasserkrise und kämpft mit benachbarten Städten wie Tianjin und Zhangjiakou um Wasser“, sagte Wang Jian, ein Aktivist aus Peking. „Der Wasserpreis spiegelt nicht den wahren Wert wider, aber die Regierung hat beschlossen, den Preis zu kontrollieren, um im Vorfeld der Olympischen Spiele eine harmonische Gesellschaft zu sichern.“
Anstatt sich auf die Wasserkonservierung zu konzentrieren, hat die Regierung pompöse Projekte ins Leben gerufen. So soll das 60 Mrd. $ teure Süd-Nord-Wasserumleitungsprojekt den trockenen Norden mit jährlich 1,2 Milliarden Kubikmetern Wasser aus den feuchteren südlichen Provinzen versorgen. Experten fürchten, dies könnte die ohnehin schon sinkenden Grundwasserspiegel weiter belasten.