Ungeschützter Bankverkehr
von Wolfgang Münchau
Wie man die aktuelle Krise als Investor unbeschadet übersteht - Teil vier der Reihe zu den Kreditmärkten. In dieser Kolumne werden keine Anlagetipps vergeben, aber die Frage, wie sich Investoren in der aktuellen Kreditmarkt-Krise verhalten sollen, ist legitim.
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Für Clevere bietet selbst diese Krise einige interessante Perspektiven. Was wir gerade erleben, ist pure Panik. Banken stellen fest, dass es für viele der Kreditmarkt-Papiere, die ihnen Renditen von 20 Prozent versprachen, keinen liquiden Markt gibt. Im Fall eines Engpasses sind sie nicht in der Lage, diese Papiere zu verkaufen. Sie müssen sich über den Geldmarkt refinanzieren, was zum kurzfristigen Anstieg der Geldmarktzinsen geführt hat, bis die Notenbanken einsprangen.
Wer als Investor jetzt noch Geld hat, wird diese Gemengelage ausnutzen können. Sie wird noch einige Zeit anhalten. Es werden in den nächsten Monaten, vielleicht auch Jahren, eine Menge Kreditmarktpapiere billig auf den Markt kommen. Was man im Englischen "Distressed Investment" nennt - den Kauf von Papieren von Käufern in Not -, wird mit großer Sicherheit eine der lukrativsten Strategien der nächsten Jahre sein. Es gibt auch jetzt schon sogenannte "Vulture Funds", die sich darauf spezialisieren. Wenn selbst die Deutsche Bank sich bei der Fed Geld leihen muss, heißt das, dass eine Menge Banken in Existenznöten sind und dass sie bald ihre zweifelhaften Anlagen verramschen.
Als Privatinvestor kann man effektiv nur über solche Fonds an diesem finanziellen Leichenschmaus teilnehmen. Der Kreditmarkt ist ein reiner Profi-Markt. Die gehandelten Pakete sind für die meisten Investoren zu groß. Selbst die spezialisierten Fonds sind keine Publikumsfonds, sondern meistens Hedge-Fonds, die in der Regel eine relativ hohe Mindesteinlage fordern.
Anfänger, Finger weg!
Auch hier gilt die Regel: Finger weg, wenn man nicht vollends versteht, was da abgeht. Distressed Investments sind nichts für Anfänger. Investoren sollten sich daran erinnern, dass einer der Gründe für die jetzige Krise ist, dass selbst viele Profis die Komplexität der Produkte nicht verstanden haben. Das erste und wichtigste Gebot für jeden Investor ist daher, sich mit den Produkten in allen ihren Details vertraut zu machen. Ich selbst würde aus diesem Grunde nie direkt in Einzelaktien investieren, weil dazu derart viel Analyse nötig wäre, dass sich für mich der Aufwand nicht lohnt.
Wie kann man sich als Nichtfachmann, der nicht unbedingt in einen Hedge-Fonds investieren möchte, vor dieser Situation schützen?
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Da wir es mit einer nichttrivialen Wahrscheinlichkeit einer systemischen Bankenkrise zu tun haben, sollte man auf keinen Fall sein gesamtes Vermögen auf der Bank halten, etwa in der Form eines Sparbuchs.
Wenn man sieht, wie sich gerade die öffentlichen Banken in Deutschland im Kreditmarkt verzockt haben, dann kommt man zu dem Schluss, dass das Sparbuch bei der Sparkasse eines der riskantesten Anlageobjekte überhaupt ist. Natürlich sind in Deutschland kleine Spareinlagen effektiv versichert. Natürlich springt der Staat in Fällen wie IKB oder Sachsen LB ein. Die Spielräume von Regierungen und Zentralbanken sind zwar nicht gering, aber im Falle einer systemischen Bankenkrise wäre es wahrscheinlich, dass viele Investoren sicher geglaubtes Geld verlieren.
Eine der besten Versicherungen gegen Kernschmelze in den Geld- und Kreditmärkten sind Anlagen außerhalb des Bankensektors, etwa in Immobilien oder Gold. Das Motto "Cash is King" stimmt zwar, aber Cash in einer illiquiden Bank ist nicht Liquidität. Ich glaube nicht, dass wir vor einem neuen Immobilienboom stehen, aber gerade in Deutschland sind die Preise moderat, sodass Investoren hier kaum ein Risiko eingehen. In Bezug auf den Goldpreis bin ich angesichts der Inflationsrisiken relativ optimistisch.