@ woerni, passt scho, - weitermachen! 
Deine Fragen rühren an ein paar Punkte, die man sich alle paar Jahre wieder neu stellen kann, an Wegmarken.
Ich denke auch, dass es Phasen gibt, zu denen die Aktienmärkte der breiter betrachteten Realwirtschaft voraus sind, 2008 war das teils so, weil der Einbruch ja meiner Erinnerung nach zumindest mit dem Abreißen des Yen-Carry-Trades Ende Februar 2007 begann. Parallel eben die einbrechenden US Immobilienpreise.
Allerdings liefen auch damals nach kurzen Zuckern nach unten die Aktien erst einmal munter weiter aufwärts, bis dann die Auswirkungen im System erkennbarer wurden! (Ich war damals ebenfalls nicht an den konventionellen Börsen engagiert, dafür massiv im Edelmetallmarkt, habe aber aus Witz Ende Februar 2007 einen DAX-Call intraday gehandelt, der nach mehrprozentigem DAX-Absturz 80% verloren hatte und dann ab Mittag wieder schön zulegte. Sowas kann man immer mal machen, am Ende wars glaube ich eine Verdreifachung.)
Die Börsen mit den seit 20 Jahren eine immer größere Rolle spielenden Banken, aber auch dem "Dunkle-Materie-Anteil" der Hedgefonds scheinen mir dadurch mit vielen Unbekannten gespickt zu sein. Es gab nie zuvor solche Märkte, man könnte auch sagen, bei so vielen Unbekannten würde niemand ein Haus oder Auto kaufen - an der Börse anlegen soll man dagegen schon!?
Dabei ist es so, dass die Hedge Fonds seit 2000 nicht mehr offen bilanzieren müssen, während ihr Anteil am Finanzierungsgeschehen immer größer wird, also wachsen die unbekannten Variablen in dieser Sicht mit!
Das ist eine echte Gefahr auf die keiner wirklich näher eingeht, denke ich und man hat andererseits 2008 klar gesehen, wie sie aussehen kann.
Charttechnik mag immer wieder helfen, aber um solche Zusammenhänge zu deuten, hilft sie eingeschränkt weiter, als Reißleine vielleicht, - aber ich setze ja sowieso wo es geht, Stoplosses.
Zudem habe ich schon den Anspruch, auch zu verstehen, in was für einer Welt ich lebe, deshalb kremple ich die Ärmel hoch und versuche das, verlasse mich nicht blind auf das was der Markt bereits antizipiert hat, oder gerade antizipiert. Sondern versuche, der Sache einen Schritt voraus zu sein.
Und dabei halt immer wieder diese Gedanken: Wer weiss schon derzeit, wieviel Geld die Staats- und Hedgefonds in dem 2008er Kuddelmuddel und im nachfolgenden Rohstoff-auf und -ab wirklich gewonnen oder verloren haben. Ohne Pflicht, die Daten offenzulegen, glaube ich da jedenfalls niemand. Man würde alles an groben Richtungswechseln also allenfalls wieder zuerst an indirekten Auswirkungen erkennen, ähnlich 2007/2008.
China scheint es jedenfalls derzeit nicht so gut zu gehen, wie sie es immer wieder behaupten und wie es 2007 noch war.
Ablesen kann man das am darniederliegenden Baltic Dry Index, der nun schon seit Jahren nicht mehr in die erholungszone kommt. Der untenstehende Artikel ist dazu hilfreich.
http://uk.businessinsider.com/…ow-2008-crash-2015-1?r=US
Aber auch an den mittlerweile erkennbaren Anzeichen von Misswirtschaft im Land (Kredite, Immobilien, siehe u.a. Marc Faber Interviews, der lebt vor Ort).
Tja und das hier stimmt doch:
Zitat
Finanz- und Realwirtschaft driften immer weiter auseinander. Deflation ist nur das Propaganda-Schlagwort um die Öffentlichkeit gegenüber den Gelddruck-Orgien zu besänftigen. Am Kapitalmarkt herrscht planwirtschaftliche Inflation . Und es gibt renommierte Marktbeobachter, die am Aktienmarkt 'die Mutter aller Blasen' erwarten.
Daran sehe ich nix Falsches!
Ich mag allerdings zu klares Lagerdenken nicht. Dennoch sehe ich in diesem Fall tatsächlich nicht, wie sich dauerhaft die Inflation wieder zurückdrehen lassen soll, sie ist ja im System freigelassen.
Salopp: Der Furz ist fort, wer will ihn wieder holen?
Das heisst aber doch nicht, dass deshalb ein Lager der Ökonomen "recht" hätte.
(Erinnert mich an die spaltende Frage in der Biologie, ob etwas "angeboren" sei, oder "erworben".)
Zitat
Ich würde es jedenfalls nicht von der Hand weisen und lasse meine (Gewinne) Aktien laufen.
Auch daran ist alles super, ich wär nur echt vorsichtig.
Aber das sind wir ja alle eh. ...
Mir geht es halt bei der Auswahl der zu besuchenden Veranstaltung nicht nur um die Frage, ob die Musik aus ist (George Soros 2000), oder ob die Leute dennoch weiter tanzen sollten, auch wenn sie aus ist (Chuck Prince 2007), sondern auch um die Frage, ob das so überhaupt noch die richtige Veranstaltung und Umgebung für mich ist (gutso 2015), kurz:
Die Musik ist aus, ich höre nebenan eine andere.
@ Michael,
das Beispiel mit Südzucker trifft den Nerv der Zeit am ehesten, finde ich. Habs mir angesehen, faszinierend.
Aber ich kann solche 20%-Gewinne derzeit auch ohne Weiteres im Minenmarkt haben.
Natürlich ist dort die Vola generell höher, aber wenn schon, denn schon.
Und: Weshalb sollte ich so etwas in einem DAX-etc.-Umfeld machen, wo alle sich schon auf die Füße trampeln?
Ich jedenfalls gehe generell lieber in fundamental unterbewertete Segmente, zwischen 2011 und Ende 2014 habe ich praktisch nicht an den Edelmetallmärkten gehandelt, das heisst es war mir (fast) egal, ob Gold und Silber weiter stürzen, das was mir anlagemäßig wichtig war, konnte sich dadurch jedenfalls nicht irreversibel in Luft auflösen.
Egal wie es weiter geht und ob die Kurse insgesamt nochmal wieder runter kommen werden (so wie 2008 alle Anlageklassen wie beim Synchronschwimmen im trauten Einklang fielen), - beim DAX ist der Boden weiter entfernt, als bei den Edelmetallminengesellschaften.
Ja oder, besser formuliert, weil man das schon prozentual hinterfragen kann, - bei den Edelmetallminengesellschaften ist jedenfalls der Luftraum freier. 
Gruß,
gutso
PPS:
http://www.handelsblatt.com/po…riechenland/11330032.html
Zitat
Die EZB erschwert griechischen Banken den Zugang zu frischem Geld. Staatsanleihen des Krisenlandes gelten nicht mehr als Sicherheit für EZB-Kredite. Die Entscheidung könnte verheerende Folgen nach sich ziehen.
Athens Regierungssprecher Gavriil Sakellaridis dazu am Donnerstag im griechischen Fernsehen zu diesem EZB-Beschluss:
Zitat
„Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung“.