hab´s mal kopiert. ach das dritte Kapitel, damit der Text nicht so hoffnungslos endet.
Zweites Kapitel
Nebukadnezar: Sage mir - so sprach der König zur Sajaha in Esagila -, was siehst du, bis der Dritte
Sargon kommt? Was wird sein mit dem Volk? Was wird sein mit dem Reich?
Sajaha: Schlimmes wird sein. Doch nichts vermag es abzuwenden, schon nimmt es seinen Lauf.
Der Giftdorn wuchert und verstreut seine ätzenden Samen nahe und fern. Lüge bahnt ihm den
Weg; Lüge überschüttet den Weltkreis mit giftigen Pfeilen, mehr und mehr.
Die Sonne verdunkelt ihr Licht von Chaldäa bis zum Sockel des Mitternachtsberges. Aber die
Menschen bemerken es nicht, vom Schein der Falschheit werden sie geblendet, vom Widerschein
erschlichenen Goldes.
Viele Gutsinnige fallen, viele Arglistige erheben sich an ihrer statt. Schaddeins grausiger Atem
verkehrt die Gedanken der meisten.
Was rein ist, wird niedergehen, was unrein ist, das steigt auf. Was unten war, das wird oben sein;
die Plätze tauschen Böse und Gut.
Trunken sein werden die Menschen. Wahn wird regieren die Welt.
Eltern verlieren ihre Kinder, Kinder verleugnen ihre Eltern. Die Stimmen der Götter hört keiner
mehr - ausgenommen die einsamen Gerechten, die nichts gelten werden in jener Zeit.
Die Völker werden ihren Sinn nicht mehr kennen. Armeen werden streiten gegen ihre Feldherren.
Die Könige stürzen, und die Tempel werden zu Staub. Unrat kommt empor, Unrat wird herrschen.
Alle Macht wird in den Klauen der Unwerten liegen. Diese werden umkehren die Welt.
Sitte wird nicht mehr sein, sondern Laster wird als vornehm gelten. Männer werden ungestraft
mit Knaben verkehren; Weiber werden nicht mehr Weiber sein wollen, sondern ungestraft wie
Männer sich geben; Menschen werden sich ungestraft mit Tieren vermischen und Bastarde
zeugen. Und die Bastarde der Bastarde werden zahllos in den Straßen der Städte sein, ohne daß
man sie vertilgt.
Und die Niedrigsten werden zu Höchsten erhoben werden durch die Knechte des bösen Geistes.
Und dieser betrachtet frohlockend dies alles von seiner Finsternis aus.
Erschaudernd unterbrach da der König die Seherin. Nebukadnezar: O Sajaha! Treue Ratgeberin
deines alten Königs! Gib mitleidvoll mir ein besseres Bild, das ich in die andere Welt mitnehmen
mag.
Sajaha: Zuerst muß das Schlimme kommen - und das noch Schrecklichere.
Denn der böse Geist selbst wird in Menschengestalt die Erde betreten - vergöttert von allen
Sendlingen des Bösen.
Er wird in den Seelen der Menschen auslöschen, was der Geist der Gottheit ihnen zuvor gebracht
hatte, wird ein wohlbereitetes Lager vorfinden, um sich behaglich zu fühlen; denn der ganze
Weltkreis wird seines Geistes sein - allein die einsamen Gerechten werden in der Stille auf ihre
Stunde warten, die auch kommen wird.
Zuvor jedoch muß sich das Übel furchtbar austoben auf der Erdenwelt.
Alles was schlecht ist, wird als gut gelten; alles was gut ist, wird als schlecht gelten.
Die Menschen werden keinen Gott mehr erkennen. Völlerei und Hurerei, Verrat und Betrug
werden ihre Götter heißen. Blut werden sie trinken und sich in Schleim suhlen.
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Freche Lügen werden sie Wahrheit nennen, und Wahrheit wird in ihnen nicht sein. Ausgenommen
in den einsamen Gerechten, die sehnsuchtsvoll warten auf den Dritten Sargon, dem sie heimlich
ihren Mut geweiht haben.
Aus dem zertretenen Boden Chaldäas wird dann der erste Funke des Neuen hervorschlagen. Er
wird zum Himmel aufsteigen und fliegen, von eilenden Wolken getragen, zum Lande des Nordens
hin. Aus dessen geschundener Erde steigt der Befreier empor, der Rächer: Der Dritte Sargon!
Und von Nord wie von Süd werden dann die einsamen Gerechten aufstehen und werden gewaltig
sein und sturmgleich das Feuer entfachen und es vorantragen, das alles Übel ausbrennt überall,
ja, überall.
Da hob der König beide Hände zum Himmel. Nebukadnezar: Schrecklich sollen sie sein, die
Gerechten, und gnadenlos!
Sajaha: So werden sie sein!
Drittes Kapitel
Der König ging zur Sajaha in den Tempel der holden Ischtar; und er war alt und müde und voller
Sorgen um Volk und Reich. Denn obgleich Babylon mächtig und in aller Welt hoch geachtet war,
spürte der König doch, daß Unheil in kommenden Zeiten drohte. Auch hatte ihm die Sajaha solches
schon geweissagt. So ging er nun in den Tempel zu ihr.
Nebukadnezar: Sajaha, meine liebe Getreue, erzähl mir, wie es sein wird, wenn die Stunde des
Lichtes über die Erdenwelt heimkehrt, wenn die Zeiten des Übels vorüber sein werden und die
glücklichen [Zeiten] sich über mein Reich und den Erdkreis ausbreiten werden.
Sajaha: Da wird zuerst der Sieg der Gerechten sein, der Tapferen, die ausharrten durch alle
Schatten des Bösen.
Wenn der Dritte Sargon gekommen sein wird und wird die Schlacht geschlagen haben, so werden
diese seine Schwerter gewesen sein - siegreich gegen vielfache Überzahl.
Dann wird er, der Rächer, über den Erdkreis gedonnert sein mit feurigen Streitwagen, Blitze
schleudernd gegen die Mächte der Finsternis, bis diese restlos vernichtet sind.
Nach alldem wird die Erdenwelt von aller Bosheit und von allem Elend gereinigt sein.
Nurmehr kleine Scharen von Menschen werden die Erdenwelt bevölkern; aber es werden die
besten sein, die nun leben und herrschen.
Ein Turm wird [dann] erbaut werden - siebenmal höher als E-Temen-An-Ki.
Schön und wunderbar wird die Erdenwelt erstrahlen. Streit wird nicht mehr vorkommen.
Habsucht wird niemand mehr kennen. Verirrung und Unzucht wird niemand mehr kennen. Waffen
wird keiner mehr brauchen.
Und du, mein König, wirst das [aus] der jenseitigen Welt über den Gipfel des Berges der
Versammlung schauen. Dann wird dich Freude umfangen.
Nebukadnezar: Fern ist die Zeit. Einsam sind die Tapferen und die Gerechten. Doch mit ihnen ist
die Gottheit