Aus der FTD vom 21.6.2004
Edelmetalle: Übernahmegerüchte stützen Gold
Von Alexander Zumpfe
Die Entwicklung an den Devisenmärkten wird den Goldpreis mittelfristig auch weiter maßgeblich beeinflussen. Es zeichnet sich jedoch ab, dass es vorübergehend zu einer Abkoppelung des Edelmetalls vom Dollar-Kurs kommen könnte.
Die Ursachen hierfür liegen neben einer positiven charttechnischen Situation nicht zuletzt in gestiegenen Inflationsbefürchtungen auf der Welt. Analysten erwarten für die nächsten Tage eine Handelsspanne zwischen 381 und 398,75 $ je Feinunze.
Die Volatilität an den Märkten wird im Vorfeld der US-Zinsentscheidung in der nächsten Woche wahrscheinlich weiter zunehmen. Zum Wochenschluss konnte Gold kräftige Gewinne verzeichnen, nachdem das US-Leistungsbilanzdefizit auf ein neues Rekordniveau geklettert war und sich Hedge-Fonds wieder verstärkt für den Rohstoffsektor interessierten. Das Edelmetall zog bis auf 396 $ an, beendete den Handel dann aber bei 394,80 $.
Dazu trugen auch neue Gerüchte um eine mögliche Übernahme des australischen Goldproduzenten Newcrest durch die weltweite Nummer eins Newmont Mining bei. Newcrest hat Terminsicherungsgeschäfte über knapp drei Millionen Unzen in den Büchern. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass diese Positionen dann geschlossen würden, was die Goldnachfrage steigern würde.
Nach den Verlusten der Vorwochen hat sich auch die Situation für Silber wieder deutlich verbessert. Das Metall legte am Freitag bis auf 6,02 $ je Unze zu. Sollte sich der übrige Rohstoffsektor weiter in fester Verfassung präsentieren, schließen Experten einen Anstieg bis auf das Vormonatshoch bei 6,22 $ nicht aus. Industrielle und spekulative Nachfrage stützt derzeit den Platinpreis. Zum Wochenschluss legte das Metall bis auf 811 $/Unze zu, nachdem es zuvor noch auf 765 $ gefallen war. Kurzfristig ist ein weiterer Anstieg bis auf 820 $ möglich, was die Industrienachfrage jedoch dämpfen dürfte.
Alexander Zumpfe ist Händler im Edelmetall- und Rohstoffhandel bei Dresdner Kleinwort Wasserstein.