Global Economic Collapse

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    Si tacuisses, philosophus manisses.
    (Übersetzt: Hättest du geschwiegen, wärest du {ein} Philosoph geblieben)


    Die stärkste Waffe gegen unsachliche Beiträge ist, diese zu ignorieren.



    Wenn schon mit altlateinischen Weisheiten der Thread-Plebs in die Schranken gewiesen werden soll, dann aber bitte korrekt im Plusquamperfekt Konjunktiv: mansisses


    Ansonsten gilt eben auch in der Internet-Blogosphäre: Quot capita sunt sensus.
    Nicht immer leicht zu ertragen, also:


    Saepe iam tibi dixi inter omnes viros doctos constare homines stupides vitare necesse est. Atque interest temporibus oeconomici dissipati.


    Und für die anderen muss dann eben gelten : Disce aut discede! (Lerne oder vertroll dich!)


    Zurück in medias res:


    Das Scheitern der jüngsten Doha-Runde hat deutlich angezeigt, dass die sogenannte Globalisierung ihren Höhepunkt nun überschritten hat. Warum auch sollte der Rest der Welt auf alle nationale Eingriffe verzichten, wenn in den USA gerade der gesamte Hypothekensektor verstaatlicht wird - natürlich nicht ohne zuvor diesen per Derivate mit fatalen Folgen für die internationalen Investoren globalisiert zu haben. Den Zusammenbruch eines derart einseitigen und auf Lügen beruhenden "Freihandelsystems" kann man derzeit im Finanzsektor mitverfolgen.


    In die andere Richtung, nach Russland hingegen blickt man weniger.Nachdem Russland sich bereits etliche der Energieunternehmen wieder aus Oligarchenhand zurückgeholt hat, wird nun auch die Landwirtschaft im grossen Stil ins Auge gefasst. Den Anfang machen Exportkontrollen für Weizen und der staatliche Ankauf von Weizenlagerstätten.
    Diese Schritte sind von erheblicher Bedeutung, denn in Russland liegen die fruchtbarsten Böden der eurasischen Landplatte brach, und der Niedergang der russischen Landwirtschaft nach der Rubelkrise war beispiellos. Wenn nun wie geplant Milliardeninvestitionen in die noch marode Landwirtschaft fliessen werden, wird Russland in den kommenden Jahrzehnten auch im Agrarsektor wieder eine globale Grossmacht. Für Putin ist es bestimmt eine unerträgliche Idee, dass Russland jemals wieder wie zu Sowietzeiten von der ameriknaischen Weizenwaffe abhängig sein könnte.
    Nun nimmt man sich nach Öl und Gas den Agrarsektor im grossen Stile vor:


    Moscow to seize grain export controls


    By Javier Blas in London


    Published: July 31 2008 23:31


    Russia plans to form a state grain trading company to control up to half of the country’s cereal exports, intensifying fears that Moscow wants to use food exports as a diplomatic weapon in the same way as Gazprom has manipulated natural gas sales.


    The move by Moscow, the world’s fifth-biggest exporter of cereals, has been sharply criticised by US agriculture diplomats as a “giant step back” to the Soviet era.


    The decision to control food exports is the latest sign of how soaring food prices are reshaping the agriculture industry. The recreation of Soviet-style state trading will aggravate anxieties of food-importing countries about their dependence on the international market, which has been severely disrupted this year after exporters, including Russia, imposed prohibitive foreign sales duties or export bans.


    Western diplomats and agriculture industry officials said Russia intended to transform its Agency for the Regulation of Food Markets into a state trader, controlling between 40 and 50 per cent of Russia’s cereal exports within the next three years.


    The company would take over government interests in 28 important storage depots and export terminals, including the country’s biggest at the Black Sea port of Novorossiysk.
    http://www.ft.com/cms/s/0/debd…07658.html?nclick_check=1


    Valete


    auratico

    Einmal editiert, zuletzt von auratico ()

  • auratico


    Interessant. Welche Schlüsse ziehen wir daraus ?
    Agrargüter werden teuerer, weil Russland über die Verringerung des Angebots á la OPEC den Weltmarkt erpresst oder den Weizen als geopolitisches Druckmittel einsetzt ?
    Weizen und Erdgas werden in Zukunft in Rubel gehandelt ?


    Fragen über Fragen :D

    "Wo und wann existierte Freiheit, wenn die Macht des Schwertes und des Geldbeutels von dem Volke aufgegeben wurden?”


  • Endlich mal eine realistische Einschätzung des Szenarios.
    Ein Beben wie (1906 -glaube ich) in der Bay-Area SF würde heute weniger dramatisch Enden, da sorgen auch die Versicherer dafür, dass nur ein wahrlicher Big-Bang verhehrende Schäden anrichtet. Wenn 100Mrd$ an Kosten entstehen sollten, ist das leicht zu verschmerzen, bei meherern 10k Toten sieht das anders aus.

    Die massiven Zerstoerungen in San Francisco 1906 wurden durch ein Grossfeuer und das Einztuerzen der Ziegelbauten (teilweise Lehmziegel = Adobe)verursacht. Damals hat sich keiner Gedanken um einen Big Bang gemacht, vor 200 Jahren gab es in Kalifornien lediglich ein paar spanische Missionen und Siedlungen, die mehr durch Feuer, Pluenderungen, Hochwasser etc. als durch Erdbeben zerstoert wurden. Seit dem Big Bang 1906, besonders nach dem Loma-Prieta-Erdbeben 1989 und dem Northridge Erdbeben 1994 hat man aber viel in Erdbebensicherheit investiert. Darauf wurde besonders auf die Vermeidung von Personenschaeden wert gelegt, denn im oeffentlichen Raum Highway, Schulen etc. koennten Staat, County, City haftbar gemacht werden. Ein Scenario mit Zehntausenden Toten halte ich fuer schwer moeglich. Sicher wuerde ein Big-Bang in der SF Bay Area oder in LA Schaeden in dreistelligem Milliardenbereich anrichten, aber ein Scenario eines Kollapses der gesamten US-Wirtschaft halte ich fuer Unsinn.
    Was die Versicherungen angeht, sind diese sehr teuer. Die Selbstbeteiligungen betragen $100k+ fuer ein Haus bei Erdbeben. Das Geld ist dann besser in die Erdbebensicherheit vorher investiert.

    Ausser den realwirtschaftlichen Indikatoren und Daten gibt es keinen Grund fuer einen Aktiencrash.

  • Kalifornien hat seinen Haushalt in den letzten 5 jahren um 44% aufgeblaeht. Finanziert wurden davon etliche soziale Programme, wie z.B. die medizinische Versorgung selbst fuer illegale Einwanderer. Deswegen wird Kalifornien auch manchmal polemisch als "California Socialist Republic" bezeichnet (offizielle Staatsbezeichnung ist "California Republic"). Das Haushaltsdefizit existiert schon seit Jahren. Es wird momentan verschaerft vor allem durch den Preisverfall von Wohnimmobilien und dadurch geringere Steuereinahmen (da die Property Tax sich nach dem Wert des Hauses bemisst). Die Kuendigungen betreffen Teilzeit- und Saisonarbeiter (ca. 10.000, ich weiss nicht wo FTD die 20.000 her hat). Bei $6.55 wuerde jeder Staatsangestellte sich einen anderen Job suchen. Selbst illegale Mexikaner, die man sich an jedem Baumarkt abholen kann, bekommen da mehr. McDonalds zahlt in meiner Stadt $10/h (Mindestlohn in Kalifornien betraegt $8.00). Ein Police-Officer verdient hier $7000-$8000/ Monat, bei $6.55/h wuerde man praktisch den ganzen Staat lahmlegen. Es ist auch unwahrscheinlich*, dass es zu dieser voeruebergehenden Gehaltskuerzung kommt. Nachgezahlt werden muss das volle Gehalt sowieso.


    * "The governor's move to cut the pay of 200,000 employees to the federal minimum wage of $6.55 an hour, effective today, would save the state as much as $1.2 billion a month. But whether that will happen is in doubt because, under the order, the employees would receive their full wages for the month if a budget is enacted by the end of August. State Controller John Chiang, who is responsible for disbursing paychecks, sent a letter to the governor on Thursday reiterating his position that he would disregard Schwarzenegger's order to cut workers' pay."


    http://www.sfgate.com/cgi-bin/…2008/07/31/BAEP122S2P.DTL
    http://www.latimes.com/news/lo…01,0,1783186.story?page=1

    Ausser den realwirtschaftlichen Indikatoren und Daten gibt es keinen Grund fuer einen Aktiencrash.

  • Ein aktuelles Beispiel für die völlig irrationale Stimmung am Aktienmarkt. Der hier im Thread schon oft erwähnte Pleitekandidat und US-Kreditversicherer Ambac gibt bekannt, dass man bei einer Transaktion mit Citigroup nicht wie ursprünglich gedacht eine ganze Milliarde verliert, sondern doch "nur" $ 850 Millionen. Daraufhin steigt die Aktie auf Tagesbasis um 43%. Daran kann man sehen, dass derzeit die Finanztitel einfach wie die ärgsten Zockerwerte verwendet werden. Das sind Volatilitäten, die mit Fundamentaldaten überhaupt nichts mehr zu tun haben, sondern eher einem Casino zustehen.


    Ambac Financial Group Inc. (ABK US) surged 43 percent, the most since July 8, to $3.61. The company said it will record a gain of $150 million as it pays Citigroup Inc. $850 million to extricate itself from a collateralized debt obligation. Ambac had previously written down the contract's value by $1 billion.


    http://www.bloomberg.com/apps/…aNBMZYMNAuAo&refer=stocks


    grüsse


    auratico


  • Der Todesblitz hat eingeschlagen bei General Motors !


    http://www.handelsblatt.com/un…ollar-verlust-ein;2018251


    Und nicht nur da...bei jeder GM_Aktie ist ein Verlust vor Sonderabschreibungen von 21 Dollar aufgetreten - wie das ? Die Aktie kostet derzeit doch


    nur 11,07 Dollar - negative Aktienkurse(!!!)-also unter 0,00 !...wow,mal was ganz,ganz Neues :D




    Ich vermute,dass so manipuliert wurde,dass ALLES beim Dow,S&P 500 und der Nasdaq buchstäblich wertlos ist!

  • Da wird noch viel an Abschreibungen kommen. Die Buecher der DB Toechter in den USA werden immer dicker mit REOs (zurueckgenommene Haueser). Wenn sie diese Haeuser zu einem Preis von 50% vom Schuldwert verkaufen (mehr ist bei der Marktlage in den naechsten Jahren kaum machbar), haben sie noch viel in der Pipe auf die naechsten Jahre.

    Ausser den realwirtschaftlichen Indikatoren und Daten gibt es keinen Grund fuer einen Aktiencrash.

  • Nachricht ist zwar von vor ein paar Tagen, aber da es hier niemand erwähnt:


    "Innenminister Roberto Maroni wolle in allen Landesteilen neue Aufnahmezentren errichten lassen,
    berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Samstag."


    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,568276,00.html


    Die Gründe dafür seien Flüchtlinge, also exakter: Ströme von Flüchtlingen.
    Ich sags mal so: Gründe sind Gründe sind Gründe. Thats all!


    Wir verabschieden uns nun vom guten alten Europa.

  • mahlzeit,


    da ich gestern über umwege an einen artikel von peter schiff von Ende 07 gekommen bin, indem er sich über den ipo von isa auslässt, wollte ich mal kurz in die runde fragen: würde es sich eurer meinung nach wohl lohnen, nun noch mit dem shorten von credit card companies anzufangen? sollte amerika in der tat eine neue variante der kreditkartenbenutzung bevorstehen, wären das womöglich die ersten wackelkandidaten (wobei zwischen visa und amex z.b. unterschiede im geschäftsmodell sind, schon klar). zwar ist z.b. amex schon einigermaßen unter die räder gekommen, jedoch beileibe nicht in der form und heftigkeit wie die financials.


    in frage käme dann wohl vor allem visa; erstens aufgrund der marktstellung in den usa (mit abstand führender anbieter) und zweitens aufgrund des (noch) sehr hohen kurses.


    was sagt ihr? bieten sich dahingehend chancen?

  • was sagt ihr? bieten sich dahingehend chancen?

    moin,


    Real Madrid - HSV : Bei bwin Quote 3.65 für X, 2.10 für Doppelchance HSV oder X.


    Oder Spielbank, Marlene-Nachschlüssel-Platz , Berlin , Täusi auf die 9, Täusi auf die 11, und der Tag wird schön!


    Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren; wer kein Geld hat, muss spekulieren.



    mfg, p.

  • in frage käme dann wohl vor allem visa; erstens aufgrund der marktstellung in den usa (mit abstand führender anbieter) und zweitens aufgrund des (noch) sehr hohen kurses.


    was sagt ihr? bieten sich dahingehend chancen?

    Kreditkartenfirmen sind im wesentlichen nur Dienstleister im Zahlungsverkehr und die Volumen sind durchlaufende Posten. Sie leihen sich das Geld von Banken, um es an die Kunden sehr teuer weiter zu verleihen. Sollte es zum grossen Credit-Card-Crunch sprich Zahlungsausfaellen kommen, faellt das wieder auf die Banken zurueck.

    Ausser den realwirtschaftlichen Indikatoren und Daten gibt es keinen Grund fuer einen Aktiencrash.

  • Diese Meldung war schon Freitag vor Handlesschluss bekannt und WB ging +9.9% aus dem Handel.


    Kalifornien produziert schon seit laengerem, nicht erst seit Schwarzenegger, ein hohes Haushaltsdefizit. Man muss sehen, mit wie wenig Steuereinahmen (Income Tax = 9%, Sales Tax = 8%, Property Tax = 1%) ein Grossteil der Infrastruktur und der Sozialsysteme gestemmt wird. Schulsystem, Polizei, Feuerwehren, State Parks, Umweltprogramme, oeffentliche Einrichtungen (beispw. kostenloser Sprachunterricht fuer Einwanderer) werden vom Staat vollstaendig finanziert. Die Schulden summieren sich bisher auf ca. $1.500 pro Kopf (im Vergleich Deutschland/Bundesschulden ca. 12.000 EUR/Kopf). Das Defizit soll durch neue Staatsanleihen finanziert werden. Als elementare Sicherheiten stuende dem Staatsgrund und -boden in besten Lagen sowie Rohstoffe (Oel, Gold) gegenueber.

    Ausser den realwirtschaftlichen Indikatoren und Daten gibt es keinen Grund fuer einen Aktiencrash.

  • ".... Die Schulden summieren sich bisher auf ca. $1.500 pro Kopf (im Vergleich Deutschland/Bundesschulden ca. 12.000 EUR/Kopf). ....


    Wie du schon sagst, in Deutschland sind es Bundesschulden, die 1500 sind aber nur die von Kalifornien, was kommen denn noch für "Bundes-Schulden" der Gesamt-USA drauf?


    Hab ich das noch richtig im Kopf 9 Billionen geteilt durch 300 Millionen Bürger? Macht 30000 Dollar pro Bürger.


    Oder sehe ich das verkehrt?

    Stell Dir vor es ist Bank Run und keiner geht hin.

  • Wie du schon sagst, in Deutschland sind es Bundesschulden, die 1500 sind aber nur die von Kalifornien, was kommen denn noch für "Bundes-Schulden" der Gesamt-USA drauf?


    Hab ich das noch richtig im Kopf 9 Billionen geteilt durch 300 Millionen Bürger? Macht 30000 Dollar pro Bürger.


    Oder sehe ich das verkehrt?

    Es ging um die Dimension der Verschuldung von Kalifornien. Dort werden die Ausgaben fuer Infrastruktur (wenn man von den paar Interstates und den Haefen mal absieht), Ordnungskraefte, Schulen etc. fast vom Bundesstaat allein (mittels der genannten klaeglichen Mittel) aufgebracht. Die US-Borderpatrol ist ein Witz, FBI, FDA oder andere Bundesbehoerden lassen sich nur selten blicken. Die eigentliche Arbeit macht hier der kalifornische Staat. Das wenige USA was hier sichtbar ist, ist die US-Coast-Guard. Ganz im Gegensatz zu Deutschland wo ein Grossteil der Infrastrukturkosten (Bundesautobahnen, Bundesstrassen, Bundeswasserstrassen, Schienen etc.) vom Bund getragen wird, der BGS und Zoll ueberall im Inland aktiv ist usw. Aber selbst wenn wir nur die durchschnittliche Verschuldung der Laender und Kommunen in Deutschland (ca. 6000 EUR/Kopf, wenn die Zahlen auf Wikipedia stimmen) vergleichen, wird die Dimension klar. Oder wir vergleichen die US-Bundesverschuldung ($30.000/Kopf) mit der Bundesstaatsverschuldung ($1.500), wird diese Dimension auch klar. Ich behaupte nicht, die USA stehen mit der Staatsverschuldung besser da, nur ist das Defizit-Problem der Kalifonier wirklich keine so grosse Katastrophe, wie es in reisserischen Beitraegen immer wieder iteriert wird.

    Ausser den realwirtschaftlichen Indikatoren und Daten gibt es keinen Grund fuer einen Aktiencrash.

  • 2. August 2008, 04:00 Uhr Von Erwin Grandinger
    Kolumne
    Geheime Hilfen für Herrn P.
    China und EZB stützen Dollar durch Intervention und Goldverkäufe. So soll der Zusammenbruch des US-Finanzsystems verhindert werden
    Wer hat es nicht schon erlebt? Der sich im Recht wähnende Autofahrer tauscht wütende Argumente mit dem Behördenvertreter des Ordnungsamtes über vermeintliches Falschparken aus. Oft geht es um fünf Euro. Da kocht die Volksseele. Wenn dieselben Bürger sich über die finanziellen Verluste der US-Finanzkrise in den eigenen Portemonnaies aufregen würden, wäre wohl Revolution auf deutschen Straßen. Interessanterweise werden die direkten Vermögensverluste für die Deutschen durch die Finanzkrise, laut Deutscher Bundesbank mindestens 84 Mrd. Euro bisher (etwa 1000 Euro pro Bürger oder 200 Mal Falschparken), mit stoischer Würde getragen. Und man kann sicher sein, dass noch Hunderte Milliarden Verluste hinzukommen werden. Nicht umsonst verlängerte die EZB diese Woche ihre Notfall-Liquiditätsprogramme.


    Faktisch laviert das amerikanische Finanzsystem recht Nahe am Abgrund. Uns ist es ab und zu mal eine Schlagzeile wert, wenn mal wieder ein paar mittelgroße US-Banken geschlossen werden müssen. Da solche Insolvenzen immer an einem Freitag vorgenommen werden, gehen diese Nachrichten, wenn überhaupt, kurz vor dem Wetterbericht über den Schirm. So wurden, welch Zufall, auch die Fälle IKB und Bear Stearns gehandhabt. Den Deutschen ist aber das SPD-Sommertheater wichtiger als die Einbrüche ihrer Aktien- und Rentensparpläne. Nicht umsonst ignorieren Staatsfernsehen und Politik dieses Finanzthema.


    Zugegeben, die Tragikomödie, die momentan in Wall Street uraufgeführt wird, ist mehr als verschachtelt und kompliziert. Hinter den Kulissen versuchen die Akteure verzweifelt, den Schein zu wahren. Und manchmal gelingt es. Vor kurzem musste der US-Finanzminister Henry "Hank" Paulson faktisch zugeben, dass die beiden größten US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac pleite sind. Es war wiederum ein Freitag, der 11. Juli, als die Aktienkurse der beiden Banken endgültig einbrachen - in der Spitze um 90 Prozent. Der Schuldenberg der Amerikaner beträgt momentan etwa neun Billionen Dollar. Eine Verstaatlichung von Fannie und Freddie hätte über Nacht die Schulden auf 14 Billionen aufgebläht, damit das AAA-Rating der USA und den Dollar als Weltreservewährung in Frage gestellt. Immerhin hat Paulson eine Lösung gefunden, die eine direkte Verstaatlichung bisher verhinderte, dauerhaft aber nicht zu vermeiden ist.


    Wer aber glaubte, dass vor dem Hintergrund der Implosion des US-Finanzsystems in Zeitlupentempo Gold als "harte" Währung steigen würde, sah sich enttäuscht. Der Goldpreis fiel seit der Ankündigung der Rettungsbemühungen durch Paulson um knapp 100 Dollar während der Dollar stieg. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Natürlich hat Paulson mit den chinesischen Finanzbehörden telefoniert, die sich gezwungen sahen, den Dollar zu stützen. Ihre Treasury-Bestände sind zu gewaltig, um ein schnelles Abschmieren des Dollars zu erlauben.


    Und wer diese Woche den Wochenausweis des Eurosystems gelesen hat, hat sich, gelinde gesagt, verwundert die Augen gerieben. Just in der Woche nach Paulsons Rettungsaktion verkaufte das Eurosystem (EZB plus alle Notenbanken der EU) Gold und Goldforderungen in Höhe von 578 Mio. Euro. - in einer Woche wohlgemerkt. Dies ist etwa das Vielfache der "normalen" Wochenverkäufe. Auch interessant zu sehen, dass deutsche Finanzpolitiker offensichtlich nicht die geringste Ahnung haben, was hier im Hintergrund gespielt wird, und wo diese Erträge hin fließen. Paulson hat wohl auch mit dem EZB-Präsident Jean-Claude Trichet telefoniert. Anders kann man solche Verkäufe zur Wahrung des Scheins nicht interpretieren. Darüber hinaus widersprechen sie inhaltlich dem sogenannten "Washington Gold Agreement" (WGA II), denn die EZB hatte nach eigener Aussage die Goldverkäufe in diesem Fiskaljahr (September bis August) bereits abgeschlossen. Aber, wo kein Kläger, da kein Richter. Die Politik schläft sowieso.


    Quelle: http://www.welt.de/welt_print/…Hilfen_fuer_Herrn_P..html


    Was mich besonders überrascht, aus der Springerpesse mal einen Systemkritischen Bericht zu lesen (von den Deppen-bescheichtigungen in der BILD einmal abgesehen)

    Denken - hat noch Keinem geschadet

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