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Der Mensch ist offenbar ein Spieler. Bekommt er Gelegenheit hierzu, gibt es kein Halten mehr. Dann spielen Staaten, Banken und Versicherungen, Pensionsfonds, Kleinaktionäre und Sparer, dann spielen Amerikaner und Europäer, Russen und Chinesen, die Völker entwickelter und weniger entwickelter Länder, dann spielen einfach alle. Die Globalisierung hat das Feld dafür bereitet. Das ist eine ihrer großen Stärken und Schwächen zugleich. Um im Riesentanker des Weltwirtschafts- und -finanzmarktes Platz zu schaffen und die Bewegungsfreiheit möglichst wenig einzuschränken, wurden Schotts und sonstige Sicherungseinrichtungen weitgehend beseitigt. Nun können Geld und Güter recht ungehindert zirkulieren, aber eben auch Wassermassen überall hereinstürzen, wenn der Tanker leckschlägt, sprich: der menschliche Spieltrieb Amok läuft. Wenn das geschieht, kann sich niemand gegen die Folgen abschotten. Wird irgendwo ein größerer Fehler begangen, sind alle davon betroffen, Verantwortliche und Nicht-Verantwortliche.
Geht es uns nach der Krise schlechter als zuvor? Einerseits stellte die asiatische Entwicklungsbank schon im Frühjahr 2009 fest, dass in dieser Krise Vermögen im Werte von 50 Billionen US-Dollar, das ist fast so viel wie die globale Wertschöpfung eines ganzen Jahres, vernichtet worden seien. Andererseits ist der Gegenwert dieser Vermögen höchst zweifelhaft. Was ist da vernichtet worden? In erster Linie wohl helle Pünktchen auf dunklen Bildschirmen, Zahlenkolonnen, und dann vor allem Träume, Illusionen und Fantastereien - Schaum, der sich setzte, als die Kräfte der vielen Schaumschläger erlahmten. Echte Werte wie gesunde, gebildete Menschen, gesellschaftliche Solidarität und Infrastrukturen dürften kaum darunter gewesen sein.
Wie aber soll es weitergehen? Soll der Schaum, der sich soeben gesetzt hat, erneut aufgeschlagen werden? Betrachtet man die Vielzahl von Rettungsmaßnahmen, die überall auf der Welt ergriffen worden sind, drängt sich dieser Eindruck auf. Im Kern geht es bei den meisten dieser Maßnahmen darum, von Staats wegen riesige Geldmengen aus Völkern und Ländern zu saugen und wieder nach Gutdünken über sie auszugießen: ein bisschen für die Automobilindustrie, ein bisschen für den Straßenbau, ein bisschen für die Bildung... Ein schlüssiges Konzept, eine Ordnung der Gedanken, geschweige denn ein Neuanfang ist nirgendwo zu erkennen. Vielmehr sind alle Energien darauf gerichtet, unter Vermeidung einiger - zumeist bewusst aufgebauschter - Fehler Zustände wiederherzustellen, wie sie vor der Krise bestanden.
Das lässt einen neuen, kostspieligen Schaumberg und eine nächste Krise erwarten. Diese kommende Krise dürfte größer werden als die vorausgegangenen. Die erste Krise zu Beginn des Jahrzehnts erschütterte Unternehmen, streifte Banken, ließ jedoch die Staaten unberührt. Die Krise dieser Jahre erschütterte Unternehmen und Banken und streifte die Staaten. Die kommende Krise wird voraussichtlich alle treffen: Unternehmen, Banken und Staaten. Das hätte eine neue Qualität. Rettungsschirme für große, wirtschaftsstarke Staaten müssen nämlich erst noch erfunden werden. Bisher weiß niemand, wie sie aussehen könnten. Pessimistische Unkenrufe? Eher nüchterner Realismus.
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schönes wochenende wünscht
hawn