Den Katadyn-Pocket-Filter habe ich mir auch zugelegt. War eine meiner ersten Anschaffungen, denn Wasser ist nun mal das Wichtigste. Kam vor der ersten Silber-Unze. Bei unbekannten Gewässern empfiehlt sich ggf. auch das Kochen. Dazu gibt es Mini-Koch-Geräte, die man sowohl mit Spiritus oder zur Not auch als Hobo-Ersatz benutzen kann. Ich habe mir den Winzling von Esbit zugelegt und ihn auch ausprobiert. Ob ich das Zeugs jemals brauchen werde, weiß ich nicht. Es hat jedoch geholfen, meine Hilflosigkeitsgefühle einzudämmen. Es gibt einem das (möglicherweise irreale) Gefühl, Handelnder zu bleiben und nicht nur Reagierender ohne jegliche Möglichkeit der Siutationskontrolle zu sein.
Leider ist die derzeitige Situation so, dass ein Crash wirklich im Bereich des Möglichen liegt. Hoffentlich ist er vermeidbar, doch wissen kann man es nicht. Die relativ "sicheren" Zeiten gehören leider der Vergangenheit an. Alleine die vielen Natur- und Umweltkatastrophen der letzten Jahre sprechen eine Sprache für sich und haben Menschen Situationen ausgesetzt, die diese kurze Zeit vorher nicht für möglich gehalten haben. Insofern denke ich, dass es vermessen ist, davon auszugehen, dass ausgerechnet in dieser Weltgegend immer alles Paletti sein wird.
Mich mit solchen Szenarien zu beschäftigen, war für mich völlig neu. Ich bin weder Camper, noch Trekker, noch sonstwie ein engagierter Outdoor-Mensch, abgesehen von Feld- und Wald-Spaziergängen mit den Hunden. Ein Zelt hatte für mich keinerlei Attraktivität und ein Wohnwagen erst recht nicht. Im Zuge der Krise habe ich aber begonnen, mich mit genau diesen Dingen zu beschäftigen.
Wichtige Informationen habe ich vor allen Dingen in Bootsforen gefunden. Erstaunlich, aber die Bootsleute sind oft tage oder wochenlang ohne Kontakt mit der "Zivilisation" unterwegs und müssen in dieser Zeit "autark" leben. Die Industrie und die Handwerkskünste, die sich in diesem Bereich entwickelt haben, sind faszinierend. Auch der Bereich der "fahrenden" Völker mit Wohnmobilien oder Wohnwagen hat ganz spezielle Techniken entwickelt aber nicht so extrem, denn die meisten bleiben sehr nah am "Futternapf". Extremsportler und Outdoorspezialisten haben weitere wesentliche Erkenntnisse und Erfahrungen beizusteuern. Und wenn man sich mit wetterfester Kleidung beschäftigt, dann wird man an den Jägern nicht vorbei kommen, denn die haben viel Erfahrung damit, sich in Wind und Wetter ohne größeren Schutz "herumzutreiben" und nicht zu erfrieren. Und zu meinem größten Erstaunen habe ich in "Military-Shops" sehr interessante Dinge gefunden, denn auch Soldaten haben nicht immer ein "Dach" über dem Kopf und müssen mit dem klarkommen, was sie antreffen.
Kurzum: Know How ist sehr viel verfügbar. Und ich als Laie habe die Chance gehabt, sehr viel Neues zu lernen. Dafür bin ich dankbar.
Erkenntnisse und Schlußfolgerungen aus der Beschäftigung mit diesen Dingen sind nicht einheitlich, denn auch die Krisenszenarien, die uns konfrontieren können, werden unterschiedlich sein. Das fängt an damit, dass simple Logistikketten nicht mehr funktionieren (war minimal bereits im vergangenen Winter so), oder dass die Stromversorgung Lücken aufweist. Das sind keine schlimmen Dinge, aber sie können unangenehm werden. In einem der Foren, in denen ich mitgelesen habe, unterhielten sich Teilnehmer über den Zusammenbruch der Stromversorgung in Norddeutschland bei dem Schneechaos vor ein paar Jahren. Alles kein GAU, aber sehr problematisch, wenn ganze Dörfer plötzlich kaum noch Licht oder Heizmöglichkeiten haben, weil man alte Methoden abgeschafft hat und die neuen Methoden Störungen aufwiesen.
So wäre es sicherlich interessant, zu wissen, wie lange ein Haus, eine Wohnung die Wärme hält, wenn die Heizung ausfällt, weil es Störungen in der Stromversorgung gibt. Mir ist das in einer einzigen Nacht passiert. Im ungedämmten Haus, in extremer Kälte. Ich bin froh über die Erfahrung, denn ich hätte mir vorher nicht vorstellen können, wie schnell ein ganzes Haus auskühlt OBWOHL ein zusätzlicher Kaminofen brannte. Glücklicherweise konnte ich vom Schlafzimmer an den Ofen im Wohnzimmer kriechen, denn sonst hätte ich es nicht ausgehalten. Natürlich wird das besser sein in einer gedämmten Wohnung. Doch: wieviele Wohnungen und Häuser sind bereits gedämmt und wie lange hält sich die Wärme tatsächlich in gedämmten Gebäuden? - Alleine solche Überlegungen können bereits die Anschaffung eines warmen Schlafsackes und die Anschaffung einer Notheizung rechtfertigen, wenn kein Küchen- oder Kaminofen vorhanden/möglich ist. Meiner Einschätzung nach eignet sich dafür am besten ein Petroleumofen.
In Japan gab es aufgrund der Erdbebengefährdung für jede Familie die Anweisung, Notrucksäcke zu haben. So etwas gibt es bei uns natürlich nicht. Trotzdem habe ich mir in den letzten Jahren Gedanken darüber gemacht, was ich tatsächlich in einen solchen Rücksack tun würde. An dieser Stelle muß ich mich ausdrücklich bei Iring bedanken, denn er hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass das GEWICHT von zentraler Bedeutung ist, wenn es wirklich schnell gehen muß und dass man eine umfangreiche Ausstattung nur dann mitnehmen kann, wenn man wirklich Zeit und ggf. auch ein ZIEL hat.
Das ZIEL ist aber ein Thema für sich. Wenn man in der näheren Umgebung einer größeren Stadt oder in einer größeren Stadt lebt und man rechnet mit Unruhen aufgrund von brüchigen Logistikketten, dann stellt sich schon die Frage, wie lange bleibe ich und wo gehe ich evtl. hin, wenn die Situation zu brisant wird. Die Unruhen in Großbritannien sind sicherlich auch ein Ereignis, das man sich in dieser Art nicht vorstellen konnte. Es hat auch Menschenleben gekostet.
Für mich stellen sich hier die eigentlichen Probleme. WAS könnte ein Ziel sein. Was will ich da, was stelle ich mir vor. - Und da, so muß ich sagen, ist mein Gehirn relativ blank. Was könnte ein Ziel sein und WARUM?