Bin ein ausgesprochener EM-bug. Wenn ich meine Bafög-Schulden mitrechne bin ich aktuell deutlich über 100% physisch investiert.
Aber dennoch kann ich edelweiss` Ansichten und Argumentation einiges abgewinnen. Vielleicht ists einfach nur mein sehr laienhaftes Wissen und Verständnis der Geldmärkte, aber ich sehe nicht das Problem in Fiat- oder nicht-Fiat-Geld, sondern in viel grundsätzlicheren Problemen:
- Saat und Staatsausgaben wuchern wild: es wird seit Jahrzehnten mehr ausgegeben als eingenommen. Alle sprechen zwar von der Notwendigkeit von Investitionen. Für mich sind aber Investitionen Ausgaben, die sich auf absehbare Zeit bezahlt machen und Gewinn abwerfen.
- Spekulation und Zockerei und "Finanzwirtschaft" haben ein Ausmaß erreicht, wos eigentlich nur noch schief gehen kann. Wie kann es sein, dass wenn ich 1€ habe, 10€ verleihen kann. Und den Schuldschein über die 10 verliehenen Euro dann auch noch bei der Zentralbank als Sicherheit hinterlegen kann, um mir selber nochmal Geld zum Zocken zu leihen?
Wie kann es sein, dass ich auf dem Papier Rohstoffe/Waren/Anteile leerverkaufen kann, die ich überhaupt nicht habe, garnicht haben kann, weil sie in der Menge garnicht existieren. Ich hab grundsätzlich nix gegen Optinen oder Terminhandel. Aber in meinem naiven Verständnis habe ich da den Bauern vor meinem geistigen Auge, der seinen Weizen auf dem Feld gedeihen sieht, sich einen Preis sichern will und ihn am Halm verkauft, anstatt auf die Ernte zu warten. Aber das Zettelhandelsystem wird doch mit daytrading und Hochfrequenzhandel in einem Maße pervertiert, wie es dem Normalsterblichen garnicht vorstellbar ist. Es vagabundiert einfach viel zu viel Geld rum, im Äther der Finanzwelt. Auf seinen ziellosen Reisen um den Globus erzeugt diese Geld noch immer mehr neues Geld, ohne dass tatsächlich echte, beständige Werte geschaffen wurden.
Ich halte ein Fiat-System nicht grundsätzlich für zum Scheitern verurteilt, nur fehlt es an "verantwortungsvollem" Umgang. Ob nun ein verantwortungsvoller Umgang machbar ist, oder ob der "Geldhüter" wie der Wachund doch irgendwann seinen Trieben nachgiebt und sich den Bauch vollschlägt am ihm zur Bewachung übergebenen Wursthaufen, steht auf einen andern Blatt Papier...
Aber vielleicht denk ich da einfach nur zu naiv...
Was mich sehr freut ist, dass in diesem Faden Polemik, Sticheleien und persönliche Angriffe seit gestern weitgehend einer Argumentations- und Diskussionskultur gewichen ist.
Um aber wieder etwas in die Chart-Meinungs-Spur zu kommen (sorry, so schöne Bildchen wie wörnie und die anderen kann ich nicht malen):
Ich sehe im POG-Verlauf der letzten 1,5 Jahre deutliche Ähnlichkeiten mit der Entwicklung 2007 und der zähen 2008er-Korrektur, die bis 2009 hinein verlief. Deshalb war mein ursprüngliches, bis vor wenigen Wochen favorisiertes Szenario ein seitwärts laufender POG bis ins Frühhar hinein mit anschliesenden neuen Höchstständen.
In den letzen Tagen scheint sich aber was zu tun: Silber zeigt relative Stärke gegenüber Gold. Wenn ich mir die Charts so ansehe, siehts für mich aus, als wäre bei Gold bischen die Luft raus, aber als hätte Silber deutlich Dampf im Kessel und einiges an Aufwärtsdruck. Dauerts also wirklich noch bis ins Frühjahr rein bis es wieder abgeht?