Ich nehme das Stichwort "Vermögenssicherung" vielleicht ernster, als es im Anfangsbeitrag gemeint war. Sei es drum.
Das Kriterium Vermögenssicherung interpretiere ich für mich so:
(nebst Schlußfolgerungen anbei)
1) geringe Toleranz gegenüber stärkeren, wenn auch relativ kurzfristigen Wertverlusten
-> selbst der oben genannte Fonds verlor in 2008 innerhalb 6 Monaten von ca. 75 € je Anteil auf 20 € .
Der typische, auf Sicherung bedachte Investor (man stelle sich seine Eltern vor, sofern man unter 50 ist) hält das nicht durch!
Er runzelt bei -10% die Stirn, fragt bei -30% seinen Ratgeber um Rat und wird zu Durchhalten ermutigt, und verkauft schließlich irgendwo bei -50% und mehr Verlust.
-> EM-Explorer wurden typisch gar mit -90% bis -99% in 2008 gerupft.
Ergebnis: EM-Aktien als Schwerpunkt der Anlage erfüllen das Kriterium des Schutzes vor stärkerem kurz- bis mittelfristigem Verlust (1 Monat bis 1 Jahr) eindeutig nicht, auch nicht dann, wenn sie als Top-Fonds ihrer Kategorie daherkommen.
und
2) Bedürfnis nach Absicherung gegen vielerlei, längerfristig denkbare Risiken, auch solche extremer, gering-wahrscheinlicher Art
Neben längerfristigen Kursrisiken auch politische Risiken und wirtschaftliche Extremszenarien, die sich freilich nur bei nicht-linearer Denkweise unter Vermeidung des Fehlers der "Fortschreibung der Vergangenheit" und bei outside-the-box-Betrachtung erschließen. Z.B.
-> Im Zuge von Staatspleiten, Inflation, oder Remonetisierung von Edelmetallen vorgenommene Nationalisierung von Naturresourcen und Bergbaubetrieben, d.h. Aktionärsenteignung - alternativ massive staatliche Abgaben für diese Firmen;
-> extreme Kapitalmarktausschläge, die kaum vorhersagbar sind;
-> zeitweise Störung / Schliessung / Unzugänglichkeit der Kapitalmärkte allgemein oder der Zugangswege dazu;
-> Pleite, Betrug, Misswirtschaft bei Kapitalverwaltern, Fondsgesellschaften, Emittenten, Depotbanken - mindestens zeitweise keine Verfügbarkeit - wer es nicht glaubt fragt ehemalige Island-Sparer nach ihren Gefühlen während der langwierigen Verfahren;
-> massive Erhöhung der Besteuerung von Spekulationsgewinnen, auch wenn diese teilweise lediglich nominal sind;
-> Beteiligung größerer Vermögen an Lastenausgleich o.ä. zur fiskalischen Staatssanierung;
-> wer drüber nachdenken mag, auch Risiken von Geldanlagen in bestimmten Staaten (s. "Trading with the Enemy Act"), oder Verfügbarkeit und Transportabilität bei extremen politischen Umwälzungen bis hin zu notwendiger Emigration
-> usw.
Ergebnis: auch wenn man die Szenarien jeweils einzeln als weniger wahrscheinlich ansieht, ist doch mit jedem als "möglich" bewertetem Punkt der Aktienanteil am Depot zu verkleinern, um das Ziel der Vermögenssicherung nicht zu gefährden.
Hinzu kommt die steuerliche Frage in D, wo EM-Gewinne derzeit steuerfrei sind, Wertpapiergewinne aber besteuert werden.
Wieviel Outperformance von Aktienfonds ggü. EM kann man dann erwarten, um den Preis welcher zusätzlichen Risiken?
So würde ich mich der Frage des Anteils an EM-Aktien nähern. Am Ende muß natürlich eine praktisch umsetzbare Lösung stehen. Praktischer geht es nur, wenn der Themenstarter konkreter wird, was die restliche Vermögensverteilung angeht.
Den physischen EM ist gemein, dass sie die Richtung der Kursentwicklung im Groben und über lange Strecken mit den EM- und Rohstoffaktien teilen dürften. Daher entsteht ein generelles Klumpenrisiko, wenn man EM und EM-Aktien kombiniert (und konventionell-linear denkt).
Viele der kurz- oder langfristigen Risiken der Aktien / -Fonds sind aber bei psysischen EM ausgeschaltet oder gar negativ korreliert. Das kommt vorwiegend in den Momenten zum Tragen, in denen man ansonsten die Luft anhalten und sich ducken wird - eben in den Zeitabschnitten nichtlinearer Veränderungen.
Herzliche Grüsse,
GL
PS
Ich habe EM-Aktien, auch teils als Fonds, und würde nie mein Geld alleine in Silberunzen stecken - für den Fall dass sonst noch jemand mehr lesen sollte, als tatsächlich da geschrieben steht.
Zu irgendwelchen "überzeugenden Performance-Daten" allgemeine Hinweise:
- die Performance auf Euro-Basis ist nicht immer so gut, wie die Zahlen in Fremdwährungen dies suggerieren.
- Performance-Angaben gehen teilweise von einer Wiederanlage der Ausschüttungen aus - was nicht jeder auch macht - so werden aus 700% in USD schnell schon mal 400% in Euro über 10 Jahre ohne Wiederanlage oder rund 15% p.a. nominal. Das ist gut, aber klingt weniger sensationell als "700%!!!".
- eine Performance-Angabe der EM- und Rohstoffonds von just dem Bärenmarkt-Tief vor plusminus 10 Jahren an ist zwar zahlenmäßig möglich und auch korrekt machbar, aber einfach nicht serös wegen des suggestiven Charakters beim Betrachter. Wie sähe das Ergebnis aus, hätte man als Einmalanlage in 2003, 2005 oder 2008, oder aber laufend als Sparplan gekauft?
- den "hinterher-sind wir-alle-schlauer"-Effekt bedenken und sich nicht unter Druck setzen lassen ist immer gut. Nach dem Motto: he Romario, hast Du etwa im Juli 2003 keine Seabridge Gold für 1,38 € (einschl. Transaktionskosten) gekauft? Bringen heute schlappe 20 €. Macht 1350%. Hehe.
(Meine vollen und annähernden Totalverluste erwähne ich natürlich nicht, weil ich ja eine bestimmte Wirkung erzielen will
).