Betrachtet man sich die aktuelle Lage genauer, so hat sich das Szenario in einigen wichtigen Punkten verändert. Die drohenden Problemherde (insb. Immobiliencrash) schwelt derzeit im Hintergrund weiter.
Derzeit sind aber die inflatorischen Gefahren und der Zinsanstieg eher gesunken.
In den letzten Tagen haben sich jedoch verschiedene andere Brandherde aufgetan, die für einen Kursabschwung sorgen:
a) wirtschaftlicher Abschwung, der vor allem bei den Technologieaktien erkennbar ist. Bei vielen Technologieaktien gab es in den letzten Tagen deutliche Gewinneinbrüche im 1. Quartal, u.a. Sony-Ericsson (v. 82 Mio. auf 32 Mio. EUR), Samsung (-52 %) und allen voran IBM, wo die Aktie von 84,63 $ auf 78,96 $ innerhalb eines Tages abstürzte. Als Ursache wurden schlechtere wirtschaftliche Bedingungen in Deutschland, Italien, Frankreich und Japan genannt, wobei IBM nach einem guten Quartalsstart in den letzten Wochen der Quartals Schwierigkeiten hatte Geschäfte abzuschließen !
Vor allem bei der letzten Anmerkung bin ich stutzig geworden. Hier muß man evtl. auch bei anderen Begründungen für Gewinneinbrüchen genauer hinhören, ob es eine ähnliche Zurückhaltung auch in anderen Branchen gegeben hat. Evtl. deutet sich hier eine verschärfte wirtschaftliche Lage an ! Der US-Geschäftsklimaindex Empire State Manufactoring war im April überraschend eingebrochen.
In Deutschland konnten auch die Technologieaktien sich dem Trend nicht entziehen, so dass Werte wie Infineon, SAP und Siemens am Freitag deutlich an Wert verloren.
b) General Motors – Große Misere:
Artikel in der Welt vom 16.4.:
http://www.welt.de/data/2005/0…neral+motors&searchHILI=1
- 300 Mrd. $ Schulden
- geringer Erfolg bei den Produkten, zuletzt reagierten die US-Medien mit Ironie, da der „umweltfreundliche“ Hummer mit dem neuen Wasserstoffantrieb bei 6 Litern Hubraum derart viel Treibstoff benötigt, dass ihn der Wasserstoff nur 60 Meilen weit bringt
- von Rentnern bedroht aufgrund der hohen Pensionsverpflichtungen. Auf 2 aktive GM-Beschäftigte kommen 5 GM-Rentner für die die Automobilarbeitergewerkschaft UAW einst großzügige Verträge für Pensionen und Krankenversicherung auf Lebenszeit ausgehandelt hat. GM muß heute 5,2 Mrd. $ jährlich für Arztkosten von 1,1 Mio. Amerikanern ausgeben, d.h. bei jedem verkauften Auto bedeutet dies 1400 $ Kosten sowie 800 $ für die Pensionen. Und dies vor dem Hintergrund von sinkenden Marktanteilen von 33 % auf derzeit 25 % !
Am Donnerstag gab es das Gerücht, dass GM vor dem Konkurs steht. Sollte dies kommen, würde dies eine Schockwelle bei GM und der abhängigen Zulieferindustrie auslösen. Im letzten Jahr hat GM bei 193 Mrd. $ Umsatz noch 3,7 Mrd. $ Gewinn dank der Finanztochter eingefahren.
Von einer kurzfristigen Insolvenz ist wahrscheinlich nicht auszugehen, da sie noch einige zig Mrd. $ Liquidität haben. Man vermutet, dass die Drohung der Insolvenz die aktuellen Verhandlungen der Geschäftsführung mit den Gewerkschaften beflügeln soll.
Die Märkte reagierten jedoch z.T. schon zemlich heftig, z.B. ist die GM Anleihe (!) innerhalb weniger Tage um über 20 % gesunken.
Betrachtet man andere Automobilwerte, so hat auch Ford eine Gewinnwarnung herausgegeben und bei VW wurde bekannt, dass das China-Geschäft bei weitem nicht die Erwartungen erfüllt hat und die Verluste auch nicht durch Europa/USA kompensiert werden können, so dass auch hier von einem Gewinnrückgang auszugehen ist.
c) Der sinkende Erdölpreis sorgte dafür, dass das Dow Jones Schwergewicht Exxon Mobil in den letzten Tagen deutlicher unter Druck geriet und zu den größeren Verlierern zählt.