Der Schwanz wackelt mit dem Hund, so lautet unter Börsianern die gängige Floskel, wenn wieder einmal der Terminmarkt vorübergehend für die Tendenz am Kassamarkt sorgt. Wie am vergangenen Donnerstag, als die Zocker an der Terminbörse Comex in New York mithilfe von Futures, also Terminkontrakten, auf elektronischem Weg mal eben weit über tausend Tonnen Gold drehten, ohne auch nur eine einzige Tonne wirklich zu bewegen. Wer das Edelmetall aus guten Gründen als Geldanlage und nicht als Spielzeug betrachtet, ist gut beraten, sich davon nicht allzu sehr beeinflussen zu lassen. Denn die Terminzocker mögen zwar die kurzfristige Tendenz beeinflussen, aber den langfristigen Trend bestimmen andere, wie etwa die Minen beim Angebot oder die Schmuckindustrie bei der Nachfrage.
Die Bewegungen am Terminmarkt sind Ausdruck der Volatilität und damit auch Nervosität. Sie werden uns von nun an noch einige Monate begleiten. Als Auslöser wird vielfach Ben Bernanke genannt, Chef der US-Notenbank Fed, weil er am vergangen Mittwoch eine denkwürdige Rede hielt, deren Inhalt die Kommentatoren nach Gusto interpretierten: Die einen sahen bereits das Ende der sehr lockeren Fed-Geldpolitik kommen, andere das Gegenteil, wieder andere entdeckten in Bernankes Thesen sogar Widersprüche. Fest steht indes: Die Börsianer waren schon vor der Rede des Fed-Chefs so nervös, dass ein lauter Knall in der Luft lag.
Aber warum erwischte das alles ausgerechnet den Goldpreis und in seinem Gefolge den Silberpreis am meisten? Lassen wir alle fundamentalen und kurstechnischen Erklärungsversuche außen vor, dann konzentriert sich die Begründung auf die Manipulation. Dazu sagte mir ein Kenner der amerikanischen Szene, dessen fundierte Analysen ich seit vielen Jahren schätze, sinngemäß Folgendes: Die Kurse von Aktien und Anleihen werden nach oben manipuliert (bis das Pulver verschossen ist, wie in der abgelaufenen Woche), die Devisenkurse je nach Interesse mal nach oben, mal nach unten, und der Goldpreis wird nach unten manipuliert, wann immer sich eine Möglichkeit dazu bietet. Diese war vorhanden, nachdem er viele Anleger schon im April geschockt hatte, und wurde am vergangenen Donnerstag konsequent genutzt.
Auszug: 23.06.2013 Manfred Gburek
Grüße von der Ersatzkasse