...die Ferien hat's mir schon etwas verhagelt (selber schuld - was schau ich denn Börse, am WE geht's nach Hause) - was meint Ihr zu Steffens' Überlegung.....da per e-mail das Ganze 
...irgendwie liegt man immer etwas richtig und etwas falsch 
Der Bernanke-Crash ist ein Rohstoff-Crash!
von Jochen Steffens
Haben Sie das gestern mitgekriegt? Gold bricht um knapp 50 Dollar ein und hat nun fast 200 Dollar vom Hoch zum bisherigen Tief abgegeben, 23 % mittlerweile. In zwei Tagen verliert Gold somit über 10 %. Silber hat vom Hoch bereits schlappe 40 % eingebüßt, gestern allein über 16 %. Kupfer verzeichnete den größten Einbruch seit 20 Jahren.
Wie immer passiert das, woran ÜBERHAUPT NIEMAND gedacht hat. Nein, ich rede nicht von dem Einbruch der Rohstoffe an sich, der war nicht sonderlich überraschend (s.u.). Aber wie oft habe ich geschrieben, es wird einen Crash in einer Anlageklasse geben, der berühmte Notenbankwechselchef- Crash. Ich weiß wirklich nicht, wie oft ich den zitiert habe...
Ich habe dabei an den Dollar gedacht, an die Aktienmärkte, sogar die Bonds. Nicht jedoch daran, dass dieser Crash ja schließlich auch bei Rohstoffen eintreten kann.
Keiner redet von Crash!?
Und genau hier passierte es: Wir erleben aktuell einen Crash im Rohstoffmarkt und all den Emerging Markets deren Wirtschaft eng mit Rohstoffen verknüpft ist. So einfach kann es sein. Mich wundert nur, dass kaum jemand bei den oben genannten Zahlen so recht von Crash redet. Wahrscheinlich, weil alle noch vollkommen davon überzeugt sind, dass es sich hierbei lediglich um eine normale Korrektur in einem Aufwärtstrend handelt. Das erkennt man auch heute daran, wie massiv zurückgekauft wird. Wenn ich mir die Fahnenstangen, die sich zuvor in Gold und Silber gebildet hatten, anschaue, wäre ich mir nicht so sicher, dass der Crash schon zuende ist. Aber gut – warten wir ab, die Argumente der Rohstofftrader sind zumindest schlüssig: Hohe Nachfrage bei niedriger Produktion.
Obwohl es so nahe lag
Ich habe schließlich selbst nicht daran gedacht, dass die Anlageklasse für einen Notenbankchefwechsel-Crash auch Rohstoffe sein können. Das Beste ist, ich habe sogar noch vor diesem starken Einbruch gewarnt: Sie erinnern sich vielleicht - Zitat vom 26.04.2006:
„Was mir auffällt und skeptisch stimmt, ist diese unglaubliche Bullenstimmung auf dem Rohstoffmarkt. Natürlich, Rohstoff-Rallys neigen dazu, länger anzudauern, als man denkt. Das zeigt die historische Zyklik. Trotzdem, sollte sich an dem besagten Horizont eine Abschwächung der Weltwirtschaft zeigen, werden die meisten Rohstoffe einbrechen, wie Kartenhäuser bei Keuchhusten. Denn weniger Wirtschaftswachstum bedeutet auch, weniger Rohstoffnachfrage.
Da Gold mittlerweile durchaus auch ein industrieller Rohstoff ist, könnte das sogar auch für den Goldpreis dramatische Folgen haben. Machen Sie also nicht den Fehler, zu sehr in Rohstoffe investiert zu sein. Das kann im Falle einer Abschwächung der Weltwirtschaft fatal sein!“
Knapp zwei Wochen später bildete sich das letzte Hoch im Gold und die Rohstoffe brechen aus genau den genannten Gründen ein.
Doch was einfach fehlte, war die entsprechende Transferleistung. Welche Anlageklasse war es, die den stärksten Bullenmarkt erlebte? Was war in aller Munde? Was schmückte, wie ich geschrieben hatte, „in großen güldenen Lettern“ die Börsenzeitschriften? Gold und Rohstoffe.
Im Prinzip hätte man darauf kommen können/müssen: Wo also wird der Notenbankwechselcrash stattfinden? Bei den Rohstoffen, eigentlich logisch.
Für uns ist das eine eher beruhigende Entwicklung
Nun hat man dadurch nichts verloren oder gewonnen, dass man diese Transferleistung nicht erbracht hat. Aber es ist doch ein sehr wichtiger Hinweis: Denn, wir können nun etwas beruhigter sein. Das bedeutet nämlich auch, dass die Gefahr eines Crashs in Aktien oder dem Dollar, den Bonds deutlich gesunken ist (Sofern man die aktuelle Abwärtsbewegung nicht schon als Crash bezeichnet – dafür ist sie aber eigentlich noch (!) zu moderat und zäh).
Immer wieder faszinierend!
Ich liebe diese Börse, wie Sie es doch immer wieder schafft, gerade zu göttliche Offensichtlichkeiten hinter den Schleiern ihres Charmes zu verstecken. Ist Miss Börse nicht ein faszinierendes Wesen? Tagaus, tagein nähert sich ihr der geneigte Börsenenthusiast mehr und mehr, zutiefst erfüllt von monetären Begehrlichkeiten - lernt in ihren Augen zu lesen, studiert ihre Gestik, analysiert ihr Wesen – und immer, wenn er meint, er habe endlich Zugang zu ihr gefunden, schafft es Miss Börse ihn mit schmerzhafter Deutlichkeit zu überraschen.
Das Ende der Inflation!
Ja, und wo soll nun bitte schön die Inflation herkommen? Die Produzenten können nun erheblich billiger Rohstoffe einkaufen, als noch in den letzten Wochen. Das wird sich auf die Rohwarenpreise auswirken, anschließend auf die Zwischenpreise, zum Schluss auf die Erzeugerpreise. Diese Preisabschläge werden dann zeitversetzt und deutlich abgeschwächt auch die Kernraten erreichen, so wie jetzt die hohen Ölpreise die Kernraten erreicht haben. Wenn nun noch der Ölpreis weiter fallen sollte, werden wir bald schon negative Inflationszahlen oder zumindest sehr niedrige sehen (Wie gesagt, ich kann immer noch nicht beurteilen, wie viel der aktuellen Inflation durch das starke Wirtschaftswachstum in den USA und die Ausweitung der Geldmenge verursacht ist)
So gesehen müsste die Fed die Zinsen gar nicht mehr so weit anheben. Wann wird der Markt das begreifen? (alles unter der Voraussetzung, dass der Ölpreis weiter fällt und die Rohstoffe sobald kein neues Hoch ausbilden.) ?(?(
Ein wenig müssen wir uns wahrscheinlich noch gedulden, denn am Freitag ist dreifacher Hexensabbat – Oft entstehen deutliche Trendwechsel im Anschluss oder Umfeld dieser besonderen Verfallstage.
linar 