Irgendwo las ich mal, dass eBay der Traum der Wirtschaftswissenschaftler ist, da dort deren vereinfachte Theorien wie voellige Markttransparenz, perfektes Polypol, Preis = Grenzkosten etc. noch am besten anwendbar sind.
Du sagst, eBay biete keine Leistung, gleichzeitig kaemen bei Hood aber keine Kaeufer. Ergo sind die Kaeufer eBays Leistung. Du kannst deine Waren weltweit 150 Mio potentiellen Kaeufern anbieten, das ist die Leistung. Bloederweise must du aber auch mit Millionen Wettbewerbern konkurrieren, das ist dein Problem als gewerblicher Anbieter. Denn es wird sich immer irgendein Idiot finden, der mit 0,1% Rendite anbietet und beim ersten Gewaehrleistungsfall Insolvenz anmelden muss. Und da gewerbliche Anbieter bei eBay seltsamerweise nur austauschbare Standardware anbieten, sich also bewusst der Konkurrenz stellen, wird der guenstigste Anbieter die Kaeufer anziehen.
Fuer private Nutzer ist eBay aber ein Traum. Als Anbieter erziele ich oft Preise, von denen ich nicht zu traeumen wagte. Z.B. weil einem Chinesen die Steuerelektronik seiner Festplatte kaputt ging und er jetzt die Platine meiner alten Festplatte benoetigt und daher jeden Preis bereit ist zu zahlen - die Fragen oftmals nichtmal nach den horrenden Transportkosten. Oder weil ein Franzose an seiner Grafikkarte den Luefter austauschte, den alten wegwarf und jetzt zur Inanspruchnahme der Herstellergarantie wieder einen Originalluefter benoetigt und auch jeden Preis bereit ist zu zahlen.
Das sind keine austauschbaren Standardwaren fuer austauschbare Mainstreamkonsumwuensche, sondern Produkte, die ausgefallene Wuensche kaufkraeftiger Kunden befriedigen. Und die Beschreibung muss natuerlich so beschaffen sein, dass der Kaeufer die Produkte auch findet.
Als privater Kaeufer erziele ich auch Preise, von denen ich nicht zu traeumen wagte. Z.B. weil der Anbieter den Artikel ungluecklich beschrieb oder um 2:00 nachts startete. Oder weil er 20 EUR Versandkosten verlangt, die jeden anderen abschrecken - denn hohe Versandkosten erscheinen ja soooo unserioes.
Eine Auktion mit 20 EUR Versandkosten war mein vielleicht bester Kauf. Vor dem Kauf dachte auch ich, dass der Anbieter da seinen Erloes etwas aufbessern moechte, zumal er Versand als Paeckchen (damals 4,30 EUR) angab. Aber was solls, die Kosten kann ich ja einkalkulieren.
Aber als die Ware ankam (Briefmarken), stellte ich fest, dass er 20 EUR wollte, weil das Zeug aufgrund der grossen Menge in zwei Paketen versendet werden (damals 14 EUR) und er dafuer zwei Packsets bei der Post kaufen musste (nochmal 5 EUR). In der Auktion stand weder etwas zur Quantitaet noch Qualitaet der Ware. Pech fuer den Anbieter, Glueck fuer mich.
Nichtsdestotrotz finde ich eBays Service unter aller Sau, einfach Musterbeispiel fuer die Schaedlichkeit von Monopolen. Die Arroganz dieses Unternehmens macht mich jedesmal aufs Neue wuetend. Aber ich habe noch Hoffnung. Netscape oder AltaVista kennt heute auch keiner mehr.