Ich vermute, dass das Thema Deflation nicht richtig verstanden wird. Bin mir selber auch nicht sicher.
Kann es trotz stark steigender Geldmenge zu einer Deflation der realen Kaufkraft kommen?
Deflation entsteht (!) durch anhaltend verminderte Nachfrage, mit der Folge (!) dass die Preise sinken, weil die Verkäufer sich darum balgen, dass du bei ihnen käufst.
Bezogen auf dein Beispiel:
Du kaufst einen 100% vollen Warenkorb für 100 €.
Dein Boss sagt dir, dass es dieses Jahr keine Lohnerhöhung geben wird. Die Arbeitsstelle deiner Frau wird durch einen Roboter wegrationalisiert. Jetzt machst du dir Zukunftssorgen. Du überlegst was auf die Seite zu bringen für schlechte Tage. Damit kannst du deinen Korb aber nicht mehr füllen. Heisst:
Du kaufst einen 90% vollen Korb für 90 €.
Das merken Edeka, Aldi und Lidl, und senken die Preise. Dich freut's, denn:
Du kaufst einen 90% vollen Korb für 80 €.
Nun kann dein Lieblingsdiscounter aber nicht mehr so viel investieren und muss zudem Kosten sparen: der Holden deines Nachbarn, die ebendort arbeitet, wird gekündigt. Das stimmt deinen Nachbarn, aber auch dich nicht sehr zuversichtlich, und du sparst mehr für schlechte Zeiten.
Du kaufst einen 80% vollen Korb für 70 €.
Jetzt wirst du selber zu einem Teil des Problems, denn weil du gemerkt hast, dass die Preise immer günstiger werden, verschiebst du die nicht dringend benötigten Käufe, wie zum Beispiel das neue Auto. Es wird ja eh billiger in Zukunft! Die Preise sinken weiter.
Du kaufst einen 70% vollen Korb für 60 €.
Siehst du worauf es raus läuft?
Waren werden stetig billiger, Unternehmen erwarten keine Gewinne, investieren weniger, senken Kosten, entlassen, schliessen Standorte, senken Löhne, Arbeitslosenzahlen steigen, Nachfrage sinkt weiter, Steuereinnahmen fallen (aber deine Kredite werden nicht weniger!). Das ganze nennt sich dann Wirtschaftskrise. Sie ist oft selbsterhaltend.
Einige Theoretiker (Keynes) und Theorien (monetaristische Theorie) gehen davon aus, dass Deflation verhindert werden kann, seit neuerem und unter anderem eben durch Quantitative Easing Massnahmen (sobald die Niedrigzinspolitik nicht mehr greift, und das ist ja offensichtlich der Fall). Und das ist ja genau was auch der Draghi (noch) macht (bald übernimmt dann ja die Französin).
Wie sich das QE für den normalen Bürger auswirkt, überlass ich anderen zu erläutern. Auf alle Fälle wirkt sie sich auf den Bürger (dich) nur sehr bedingt aus. Die Geldmenge per se wird ja nicht erhöht, und das ZB-Geld gelangt nicht in den Geldkreislauf der realen Wirtschaft: um in dessen Genuss zu kommen bräuchtest du ein Konto bei der ZB. Solche haben aber nur Banken.