Nachdem in Sachen Mehl und Mahlen offensichtlich einige Unklarheiten und Missverständnisse vorherrschen, will ich mal das Thema "Selbstmahlen" etwas erläutern:
Eines sollte von vorneherein klar sein:
Das was aus der Mühle kommt ist keine gebrauchsfertiges Mehl!
Je nachdem, wo man seine Körner bezieht, müssen diese vor dem Mahlvorgang gereinigt werden. In der Ernte befinden sich viele Fremdstoffe: Schmutz/Steinchen, andere Pflanzenteile, Insekten, beschädigte Körner, usw.
Die Reinigung erfolgt über mehrere Stufen von Sieben, Rütteln und Durchblasen. Dabei muss der Reinigungsvorgang zu lange, bzw. so oft durchlaufen werden, bis ausschließlich nur noch gute Körner zur Verfügung stehen.-> Foto: Weizenkörner
Um es ganz klar zu sagen:
Wer selbst Getreide anbaut verfügt meist auch über die dazu notwendigen Gerätschaften. Wer keine Geräte hat und nur selbst backen möchte, kann die Reinigung gerne selbst mal versuchen. Für größere Mengen ist dies jedoch ohne Geräte ein äußerst mühsames und wahrscheinlich auch entnervendes Unterfangen. In diesem Fall ist es besser, bereits gereinigtes Mehl über einen Verarbeiter oder eine Mühle zu beziehen.
Egal ob man eigenes oder gekauftes Getreide zu Mehl vermahlen möchte, muss vor der Vermahlung eine kleine Prüfung des Getreides erfolgen!
1. Wie sehen die Körner aus?
Diese müssen unbeschädigt und von Größe und Farbe gleichmäßig sein.
Abweichungen deuten auf eine mindere Qualität und/oder Mischung von Getreideernten hin.
2. Etwa eine Handvoll in eine Schale mit lauwarmem Wasser legen.
Die Körner müssen innerhalb schnell auf den Boden sinken und nach kurzer Zeit, Blasen auf der
Oberfläche bilden. Nach rund einer Stunde kann der Geschmacks- und Konsistenztest durchgeführt werden.
Ich will hierzu nicht zu tief in die Detail gehen. Aber anhand von Mehligkeit, Geschmack, etc. kann man gut
auf die Inhaltsstoffe und das spätere Mehl schließen.
Dies ist natürlich keine Laboranalyse, aber nach einigen Malen hat man den Dreh recht gut raus.
Körner die an der Oberfläche bleiben oder aufschwimmen sind nicht in Ordnung!
3. Etwa eine Handvoll in eine flache Schüssel geben, wobei die Körner nicht übereinander liegen dürfen. Danach
die Schale unter eine Wärmequelle, wir verwenden eine IR-Lampe für die Hühner, stellen und die Körner
langsam erwärmen. Wenn die Körner "zum Leben erwachen" und sich bewegen, oder es laufen "Proteine" durch
die Schüssel, ist das Getreide kontaminiert. So kann eine Käfer/Larvenbefall in den Körnern erkannt werden.
Ist bis hierher alles in Ordnung können die Körner in die Mühle, welche anfangs auf einer relativ groben Einstellung steht.
Danach wird der Mahlgrad auf die gewünschte Feinheit eingestellt. Der entstehende Vorlauf, bis zum Erreichen des gewünschten Mahlgrads, kann als Tierfutter verwendet werden. Da hierbei auch der Abrieb der letzten Mahlung und anderes enthalten ist, würde ich von einem Verzehr absehen.
Bein Mahlgrad gilt immer:
"So fein wie unbedingt notwenig, aber so grob wie möglich!"
Je feiner die Mahlung, desto unbekömmlicher und schlechter verdaulich wird das Mehl - speziell Weizen. Außerdem verliert das Korn während der Mahlung schnell seine Nährstoffe/Vitamine. Je länger der Mahlvorgang dauert und je höher die Temperatur in der Mahlkammer wird, desto "wertloser" ist das Mehl.
Nach dem Vorlauf, je nach Mühle 100-300g, kommt das weiterverwendbare Urmehl, welches jedoch noch die Kleie enthält. Die Kleie wird von den Schalen und Spelzen des Korns gebildet muss aus dem Mehl entfernt werden. Würde man die Klein im Mehl belassen, würde das Brot hart, und strohig werden, sowie schnell austrocknen. Andererseits biete die Kleie auch viele interesante Anwendungsgebiete - nicht nur in der Küche!
Die Trennung geschieht wieder durch Siebung durch ein feines Rüttelsieb. Nach dieser ersten Siebung steht dann das Rohmehl (obere Schüssel) und die Kleie (untere Schüssel) zur Verfügung.
Danach wird das Rohmehl so oft/lange durch verschieden Rüttelsiebe gesiebt, bis das fertige Feinmehl übrig bleibt. Die Reste aus jeder Siebung kommen zur Kleie, soweit man die Vorstufen des Feinmehls nicht möchte.
Generell ist auch mit dem Rohmehl das Backen eines rustikalen Brotes möglich!
Auch wenn ich den generellen Vorgang jetzt nur recht grob beschrieben und einiges weggelassen habe, wird sicher klar, dass "mal schnell Mehl mahlen" nicht geht.
Wenn man sich die fachlichen Kenntnisse aneignet und sich in die spezifischen Eigenschaften seiner Mühle einarbeitet (jede Mühle ist anders!), ist das Müllern ein schönes und schmackhaftes Hobby. Wennman richtig vorgeht erhält man ein hochwertiges und gesundes Mehl, sowie andere gesunde Produkte entstehen. Bei Fehlern kann aber auch schnell ein wertloses (Nährstoffreies), oder sogar gesundheitsschädliches Mehl entstehen.
Wie bei vielen Hobby's braucht der Erfolg: Zeit, Erfahrung und einige Fehlschläge.
Aber wenn man das Müllern dann beherrscht wird man nie mehr ein anderen Mehl haben wollen 
Die Entscheidung Körner oder lieber Mehl einzulagern, sollte auch im Hinblick auf das Mahlen und nicht nur die Lagerfähigkeit erfolgen!