Vorgeschichte: massive Verdauungsprobleme, die von mir völlig falsch zugeordnet wurden. Ca. 15 kg abgenommen, irgendwann zähneknirschend zur Hausärztin, die nur trocken meinte: na dann mal ab in die Notaufnahme.
Renommierte Klinik einer größeren Stadt in D: überall riesige Schilder "Besuchsverbot", fehlten eigentlich nur noch Totenköpfe und "Minen!". In der Ambulanz richtig was los, aber auch gutes Personal soweit ich es beurteilen kann, wenn auch alle mit Maske. Bluttest, CT, nach ner Weile kommt der Oberarzt und meint. "Sind Sie Herr soundso? Laufen Sie hier mal nicht so viel rum, Sie haben ein Loch im Magen". Ergebnis nach eingehender Betastung: nächtliche Not-OP vermeidbar, weil sich das inzwischen abgedeckt hatte, aber am nächsten Morgen Spiegelung.
Magenstation, Visite: jungsche Stationsärztin herrscht mich an, ich solle die Maske aufsetzen, mit weit aufgerissenen Augen hinter ihrer eigenen Maske. Dann Aufklärung: sofortige OP nötig ohne vorherige Spiegelung. Zu den Risiken wurde eine Litanei verlesen, die bis zur vollständigen Entfernung von Magen, Zwölffingerdarm und sonstigem reichte. Ich habe nur gebrummt: brauche 4h Bedenkzeit. Entsetzte Blicke, man müsse aber sofort, usw.
Es kann ja sein, daß man sich in so einem Delirium, in dem ich war, allen möglichen Blödsinn zusammendenkt. Aber für mich war klar: wenn ich hier wieder lebend raus will muß ich auf sämtliche Bremspedale trete, die ich nur finden kann. Tut mir leid, aber wenn schon die Stationsärztin aus öffensichtlicher Überzugung das Maskenregime mitträgt, was ist dann sonst in deren Ausbildung schief gelaufen und wie geht es dann erst im OP-Saal zu? Ich sah mich jedenfalls außerstande, irgendein Vertrauen zu entwickeln. Habe das allerdings nicht so kommuniziert, da ich Schiß hatte, die würden dann meine Zurechnungsfähigkeit anzweifeln.
Habe die OP dann in der geplanten Form abgelehnt. Völlige Fassungslosigkeit auf der anderen Seite, keinerlei Versuch, sich argumentativ aufeinander zuzubewegen. An folgenden Tagen Zermürbungsversuche von wechselnden Ärztinnen nach dem Motto, man müsse schnellstens handeln, sonst könne ich sterben. Als vorläufige Behandlung gabs ne Antibiose aufgrund abenteuerlicher Entzündungswerte, womit ich ohne weiteres einverstanden war. Aber keiner kam von selbst auf die Idee, daß man evtl. auch mal paar Kalorien beigeben kann, wenn man schon jemanden literweise Antibiotika einträufelt. Mußte das selbst einfordern und dem wurde dann auch stattgegeben. War sone milchige Pampe, jeweils 1,5 l/nacht per Dosierpumpe.
Humor auf der ganzen Station = Null. Hatte z.B. mal versucht die Stimmung aufzulockern mit der Frage, ob sie die Nährpampe auch in ner anderen Farbe haben, wegen der Abwechslung. Re war nur ein entsetzter Blick. Ansonsten kann ich über die Schwestern nix schlechtes sagen, die haben halt versucht ihren Job zu machen. Die Folgen des Besuchsverbots waren unübersehbar. Außer mir habe ich kaum jemand gesehen, der eigene Klamotten an hatte, alle nur in Papierhemdchen, die meisten völlig verängstigt wg. Corona. Dadurch ging auch keiner raus, obwohl die Außenanlagen durchaus ganz hübsch sind und es zwischendurch auch sonnig war. Furchtbar. Auf die Idee, daß man Besuch auch am Rand des Klinikgeländes empfangen kann, scheint außer mir auch keiner gekommen zu sein.
Ende vom Lied: mit der Nährpampe gings mir dann zunehmen besser. Nach einer guten Woche kam das, was eigentlich am Tag eins geplant war: Magenspiegelung mit dem Ergebnis, daß das inzwischen offenbar gar nicht mehr so tragisch aussah. Denn tags darauf gabs testweise was zu essen (drei Süppchen) was keinerlei Probleme machte und dann eben folgerichtig die Entlassung. Positiver Nebeneffekt: bin jetzt seit fast zwei Wochen Nichtraucher und habe auch felsenfest vor, daß es dabei bleibt. Hoffentlich werde ich mich nicht zur militanten Sorte dieser Spezies entwickeln.
Wie die Geschichte ausgeht muß sich in den nächsten Wochen zeigen, aber ich hab ein gutes Gefühl und mächtig Hunger...