ZitatAlles anzeigenOriginal von Wilsknacker
Zur Japan Krise:
Auslöser war wohl die größte Immobilienkrise die es je gab. Es wurde immer wieder die Behauptung aufgestellt, dass der kaiserliche Park im Herzen Tokios einen höheren Immobilienwert hatte, als alle Grundstücke Kaliforniens zusammen!
Als die Immobilienpreise sich normalisierten, entstand eine ähnliche Situationen wie jetzt in den USA: enorme Kreditzusammenbrüche, Zusammenbrüche von Banken, mehrere staatliche Rettungsaktionen.
Aber anders als die Amerikaner (eher wie die Deutschen) erschraken die Japaner halb zu Tode, und verweigerten jeden vermeidbaren Konsum, in Erwartung von noch Schrecklicherem.
Damit schlug die Währungs- Deflation auf die Preis-Deflation durch. Es wollte niemand mehr investieren, der Staat musste selbst Investitionsprogramm auflegen. Die Währungs- Deflation hatte die unangenehme Eigenschaft den Yen in die Höhe zutreiben.
Trotz einer Null Prozent Zinspolitik gelang ein Inflationsnieren der Währung nicht. Da kam die Bank von Japan auf die Idee: wenn die Inländer keine Kredite zum 0% Zins wollen, dann bekommen sie eben die Ausländer. Der Yen Carry Trade war geboren. Die Amerikaner waren begeistert, einige Europäer auch. Der Yen sank wieder im Wert, die Exportpreise wurden konkurrenzfähig, und Japan begann sich allmählich wieder wirtschaftlich zu erholen.
Japan brauchte die Carry Trades nun nicht mehr und begann vorsichtig gegenzusteuern. Das hatte jetzt allerdings einen schlechten Einfluss auf den ohnehin ständig fallenden Dollar. Die Auflösung der Carry Trades bekam jetzt eine sich selbst verstärkende Wirkung.
Das war wohl genau der richtige Zeitpunkt für die amerikanischen Notenbank, um die Immobilien- Kredit- Blase etwas weiter platzen zu lassen. Damit konnte sie schlagartig den Dollar in die Höhe treiben, und sogar noch die Zinsen senken, zur Bereinigung des Flurschadens und der Druck in der Blase konnte etwas verringert werden.
Die USA, die uns immer wieder zeigt, dass sie als größte Wirtschaftsmacht eine gewisse Leichtlebigkeit ungestraft an den Tag legen kann, wird erfolgreich weitermachen wie bisher. Zu dem Spruch: „unserer Dollar, euer Problem“ kommt dazu „unsere faulen Kredite, euer Problem“!
Das Ausland wird sich die Augen reiben, und sich fragen: da war doch was in den USA, oder?
Wir haben den schwindsüchtigen Dollar, die faulen Kredite, die Amerikaner die größte und erfolgreichste Wirtschaft der Welt!
(Noch!!!)
so ganz stimmt das nun nicht...
zunächst mal gab es keine wirkliche depression wie in den usa 1929-1932. während in den usa das reale BIP in dieser zeit um ca. 27% einbrach (nominal sogar ncoh mehr), was ca. 6,5% p.a. entspricht, legte es in japan ab 1990 sogar noch zu. ok nicht mehr so stark wie vorher.. (1985 bis 1990 hatte es ncoh um 5,4% p.a. angezogen) aber immerhin noch 1,5% p.a. zwischen 1990 und 1993, 2,0% p.a. zwischen 1993 und 1996 und 0,8% p.a, zwischen 1996 und 2000.
auch die preise fielen nicht wirklich dramatisch...während der preisrückgang in den usa zwischen 1929 und 1933 ca. 26% betrug, was wiederum ca. 6,5% p.a. ist, gingen die preise in japan zwischen 1990 und 2000 gerade mal um ca. 1% p.a. zurück.
last but not least zum privaten konsum. dieser ist ebenfalls nciht eingebrochen, sondern nur weniger gestiegen. zwischen 1990 und 1993 waren es 2,4% p.a., bis 1996 warens 2,0% und bis 2000 0,8% p.a. PLUS.
der $ ist zugegeben gegenüber yen gefallen, von 145 auf ca. 108 zwischen 1990 und 2000. allerdings ist er seit dem ende von bretton woods eigentlich nur gefallen, da er viel zu hoch bewertet war. von 1985 bis 1990 beispielsweise von 238 auf 145 yen je dollar. der anstieg des yen hat also weniger was mit der 'deflation' zu tun, welche ich in japan zu der zeit gar nciht sehe. es gab mehrmals kleine rezessionen aber das wars auch schon.
sätze wie 'niemand wollte mehr investieren' oder 'niemand hatte mehr arbeit' sind auch nicht wirklich sinnvoll. denn sogar in den usa in den 1930ern bei 30% arbeitslosigkeit hatte immer noch 70% der bevölkerung nach wie vor einen arbeitsplatz. und obwohl das reale bip bis 1932 um 25% gefallen war, lag es immer noch höher als zu beginn des booms anfang der 1920er jahre und bereits 1936 ereichte es stände die höher waren als 1929.
die welt ist also sogar in den 1930er jahren in den usa nicht untergegangen.