ich hab mal ein wenig in der geschichte rum gewühlt und zwei nette parallelen gefunden zur laxen kreditvergabe.
die erste findet sich in den 1830er jahren in england. objekt der begierde sind britische und deutsche eisenbahnaktien. der britische railway share price index stieg zwischen 1827 und 1836 von 100 auf 320 punkte, brach dann ein auf ca. 170 punkte um dann zu eine 'echobubble' anzusetzen, die ihn sogar auf ca. 420 punkte hoch trieb (um dann auf 150 abzustürzen) (bild im anhang). in so einer könnten wir uns aktuell befinden.
eigentlich hatten zu dieser zeit viele kleinanleger nicht das geld um aktien zu kaufen, trotzdem ging es. und zwar weil zu dieser zeit die neu gegründeten banken wie pilze aus dem boden spossen und mit einer laxen kreditvergabe schnell kunden gewinnen wollten.
"In England, for example, the development of joint-stock banking did not occure as a gradual process, but rather took place largely during two periods of aggressive bank creation. The first period occurred in the late 1820s and the first half of the 1830s, when the number of banks grew from three, in 1826, to 113, in 1837"
quelle: PETTIS, M. (2001). The Volatility Machine: Emerging Economies and the Threat of Financial Collapse. — Oxford University Press., S. 39.
zum teil mussten am anfang nur 5% des kaufpreises eingezahlt werden.
quelle: ALASDAIR G. M. NAIRN, S. N. (2002). Engines That Move Markets: Investigating from Railroads to the Internet and Beyond. — John Wiley and Sons., S. 9.
interessant ist auch die tatsache, dass zum ende er blase hin aktien von unternehmen ausgegeben wurden, die gar keine schienen verlegen sondern nur anlegergeld einsammeln wollten.
quelle: ANDREW MAUNDER, G. M. (2004). Victorian Crime, Madness and Sensation. — Ashgate Publishing, Ltd., S. 137.
last but not least schaute man zu dieser zeit auf die meilen an schienen die verlegt worden waren sie wie man es 2000 auf die kunden oder die kilometer an glasfaser schaute.
"Während bis zum Jahr 1840 in Enland ca. 1100 Meilen verlegt worden waren, kamen bis 1843 ca. 530 Meilen dazu. Alleine 1844 erhöhte sich diese Zahl auf 797 und im Jahr 1845 sogar auf 2841 Meilen".
quelle: DICKSON, W. E. (1854). Railways and locomotion. —., S. 117-118.
übrigens wollte man in deutschland ebenso wie vor kurzem in china oder auch 2000 in den usa oder 1980 bei der comex 'die spekulation eindämmen' , was die blase schnell zum platzen brachte.
weiteres beispiel ist japan ende der 1980er jahre. auch dort wurden ähnlich wie aktuell in den usa unternehmen gegründet, die kredite an leute vergaben, die sie sich eigentlich nicht leisten konnten.
"Zu einem erhöhten Kreditvolumen trug vor allem die Bank of Japan bei, die die Geschäftsbanken anwies, mehr Kredit zu vergeben. Zudem wurden in den 1970er Jahren sieben sog. ‚jûsen companies’ erschaffen, die Kredite für den Erwerb oder die Erschließung von Gründstücken insbesondere auch für Spekulanten vergaben, die bei den Banken keine oder nicht ausreichend Kredite bekamen. Die auf diese Weise vergebenen Kredite versechsfachten sich 1985-1992"
quelle: WOLFGANG DOROW, H. G. (2003). Personalwirtschaftlicher Wandel in Japan. — Gabler Verlag., S. 39.
dass ein land einem anderen übermäßige kredite gibt damit dieses einkaufen gehen kann, hatten wir übrigens auch schomal. und zwar in den 1820er jahren. zu dieser zeit liehen die briten den südamerikanern enorme mengen an geld damit diese wiederum die britische baumwolle u.ä. importieren konnte, also die briten an den exporten verdienen konnten. ähnlich wie heute mit china und den usa.
"Dank der steigenden Exporte nach Südamerika, bedingt durch sinkende Preise und steigende Qualität der britischen Produkte im Rahmen der fortschreitenden Industrialisierung, stieg der Wert der produzierten Baumwolle zwischen 1821 und 1825 von 129 auf 167 Millionen Pfund . Die Exporte nach Südamerika erhöhten sich in dieser Zeit von 2,9 auf 6,4 Millionen Pfund .
Um Waren in steigendem Wert und steigender Menge aus England importieren zu können, war es notwendig, dass das Geld vorher von England nach Südamerika floss. Dies geschah durch die Emission südamerikanischer Staatsanleihen und Aktien, die in England verkauft wurden. Insgesamt betrug der Nennwert dieser Staatsanleihen zwischen 1822 und 1825 über 21 Millionen Pfund, davon allein 6,4 Millionen Pfund mexikanische Staatsanleihen. 46 Unternehmen mit einem genehmigten Kapital von 35 Millionen Pfund wurden 1824-1825 gegründet, die ihr Betätigungsfeld größtenteils oder ausschließlich in Lateinamerika hatten . Diese Betätigungsfelder waren u.a. Bergbau, Transport, Fischerei sowie Argrar."
quelle: RIPPY, J. F. (2000). Evolution of International Business 1800-1945. — Routledge (UK).S. 17.
man sieht also: alles schonmal da gewesen und es hat regelmäßig im desaster geendet. der ftse allshare z.b. fiel nach dem platzen der südamerikablase von knapp 80 auf 20 punkte zurück.
als 2. bild im anhang: eine übersicht der begebenen anleihen.
quelle: British Investments in Latin America, 1822-1949: Evolution of International Business 1800-1945 “ von J. Fred Rippy, S. 20.