Hallo Dierk,
deine erklärenden Worte hören sich vernünftig an. Sicherlich sind wir alle Individuen verschieden voneinander. Deshalb definieren wir auch Normen mit einer Toleranz an Abweichung. Auf jeden Fall müssen unsere Mechanismen des biochemischen Haushalt in Grenzen ordnungsgemäß zusammenarbeiten. Veränderungen sind in der Natur auch erlaubt, die werden aus Sicht der Evolution in mehr oder kleineren Abständen erforderlich.
Ausgewogen ist sicherlich kein exakter Begriff, aber wir Menschen haben uns an die Verhältnisse angepaßt. Beispiel Laktoseintoleranz, da haben wir Europäer die besseren Werte. Das heißt, unser Stoffwechsel verträgt Kuhmilch wesentlich besser als die Asiaten. Das liegt daran, das die Ernährung unsere Vorfahren auf Fremdeiweiß umgestellt worden ist. Alles was sich nicht so ernähren konnte, ist ausgestorben -> Evolution. Unser Darm ist so kurz geworden, das Gras und Zellulose kaum verwertbar sind, im Gegensatz zum Darm eines Schafes. Um im rauhen nordischen Klima zu überleben sind die nordischen Menschen von Sammler und Jägern zum Bauern mit Viehwirtschaft geworden. Ob Du es jetzt gut findest oder schlecht, die Entwicklung und Umgebung hat uns zu dem gemacht was wir sind. Muß ja nicht so bleiben, wenn der Vegetarier Vorteile aus seiner Ernährung gegenüber dem Allesverwerter zieht.
Deine Argumente sind völlig richtig, das für einen Menschen nicht alles verträglich ist, was für eine große Mehrheit o.k ist. Der Metabolismus bzw. Stoffwechsel des Menschen ist nahezu auf "Allesfresser" entwickelt. Insofern sind unsere Möglichkeiten auch sehr weit gefächert. Mit Ausgewogen meine ich eine möglichst umfassende Ernährung. Wer genügend Gemüse und Salate zu seinen Sättigungsbeilagen zu sich nimmt, benötigt keine "Nahrungsergänzungmittel" wie sie uns die Lebensmittelindustrie verkaufen möchte. Das Argument mit qualitativ hochwertiger Nahrung lasse ich nur zu gern gelten.
Äpfel ist ein gutes Beispiel. Letzes Jahr hatten wir meine Kousine aus den USA zu Besuch. Sie ist wirklich sehr nett, hat jedoch mein Vorurteil über US Amerikaner genährt. Unser Apfelbaum trägt eine alte deutsche Sorte, steht im eingenen Garten ungespritzt. Das bedeutet, die Äpfel haben teilweise Flecken und sind nicht immer rund, was mein Kousinchen vom Essen abgehalten hat. Jedoch unser Apfelmus zu den Reibekuchen hat sie mit Genuß verspeist. Ich hab es aufgegeben zu missionieren und ihr nicht gesagt, daß der Apfelmus aus unseren eigenen Äpfeln gekocht wurde.
Diese Erwartung an makellos ausschauenden Lebensmitteln ist jedoch auch bei deutschen Konsumenten deutlich zu spüren. Die Hälfte der Gemüse- und Obstproduktion wandert auf den Müll, weil die Supermärkte den Bauern die Ware nicht abnehmen.
Fleisch erwerben wir persönlich direkt vom Bauern oder an der Ladenthecke. Nachdem bei abgepackter Ware mehrmals ein Beigeschmack zu schmecken war, meide ich trotz des günstigeren Preises diese Ware. Nach Diskussionen mit einer Bäuerin weiß ich, auch die Bauern wissen häufg nicht, was die Futterlieferanten an Qualität zu bieten haben. Ein Maß an Ungewissheit bleibt. Und frag mal einen einen Bauern, ob die eigen angebaute Silage für die Fütterung ausreicht.
Ich muß auch nicht jeden Tag Fleisch auf dem Tisch haben. Zur Abwechslung schmeckt auch Milchreis, Kartoffelpuffer oder eine Gemüsesuppe mit Brot. Sonntags habe ich halt gerne meinen Schweinsbraten mit lecker Soße, Gemüse und meinen selbst angemachten Salat. Einmal im Monat gibt's auch mal den ungesunden Kasselerbraten, aber in Maßen.
Bei ausreichend Gemüse und Salat sollte der Stoffwechsel ausreichend mit Mineralien und Vitaminen versorgt sein. Bin ich jedoch arbeiten, dann "genieße" ich Kantinenkost. Der Qualitätsunterschied zur eigenen Küche ist schon frappant.
Da viele Frauen heute nicht mehr am Herd stehen, hat sich notgedrungen das Kochen und Gemeinschaftserlebnis Essen reduziert. Das ist jetzt keine Wertung, sondern eine Feststellung.
Mein Geschmack ist recht sonderbar, denn ich esse zum Beispiel gerne Rosenkohl und Kohlrabi (gekocht). Das ist bei vielen meiner Mitmenschen nicht so beliebt. Dann bleibt mir immer so ein Geschmack von Essensdeutschtümmelei -> gutbürgerliche Küche.