Rohstoffe
In Australien finden sich noch immer spannende Rohstoff-Aktien
09. März 2005 Die Anleger trauen der Hausse bei den Rohstoffen offenbar nicht über den Weg. Nur so ist es zu erklären, warum viele Rohstoff-Aktien nur eine relativ niedrige Bewertung zugestanden bekommen. Speziell australische Branchenvertreter kommen momentan oft nur auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis, wie es typisch ist, wenn sich eine Phase steigender Rohstoffpreise ihrem Ende zuneigt. Denn dann verdienen die Unternehmen gut und die Investoren nutzen die Gunst der Stunde, um Positionen glatt zu stellen, was letztlich im Gegensatz zum Beginn eines Preisaufschwungs in tiefen Bewertungen resultiert.
Die Richtigkeit dieser Taktik ist in den Köpfen der Anleger sehr stark verankert. Das hat damit zu tun, daß diese Strategie in den vergangenen Jahrzehnten oft sehr gut aufgegangen ist. Und das wiederum läßt sich damit erklären, daß die Rohstoffpreise typischerweise starken Zyklen unterliegen, in denen sich steigende und fallende Preise immer wieder ablösen.
In welchem Stadium des Zyklus befinden wir uns?
Die große Preisfrage, die sich momentan stellt, lautet nun, ob es sich um einen weiteren normalen Zyklus handelt, oder ob sich bei den Rohstoffen derzeit eine generelle Neubewertung vollzieht. Die meisten Marktteilnehmer scheinen an die letztgenannte Variante nicht zu glauben. Darauf deuten auch die Preisprognosen der Analysten hin, die spätestens 2006 wieder mit deutlich rückläufigen Rohstoffpreisen rechnen.
Mit dem Verkünden eine neuen Ära sollte man nach den negativen Erfahrungen mit den Internet-Aktien, die lange Zeit an der Börse ebenfalls primär von der Hoffnung lebten, daß der Sektor auf ewig wachsen werde, zwar vorsichtig sein. Mit Blick auf die Rohstoff-Haussse finden sich aber auch bei neutraler Begutachtung einige Gründe, die für ein neues Zeitalter sprechen.
Die wichtigste Argumentationshilfe kommt für die Rohstoff-Optimisten dabei aus China. Der riesige Bedarf dort führt nach Berechnungen des australischen Brokers Macquaries dazu, daß die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen in den nächsten Jahren mit einer Rate von jährlich vier bis fünf Prozent zunehmen wird. Und angesichts tiefer Lagerbestände bei vielen Rohstoffen wäre diese rege Nachfrage ein idealer Nährboden für über Jahre hinaus feste Rohstoffpreise.
Die deutlichen Preissteigerungen bei vielen Rohstoffen in den vergangenen Wochen geben einen Vorgeschmack darauf, wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen kann. Einiges davon basiert zwar auch auf spekulativen Käufen kurzfristiger orientierter Marktteilnehmer. Aber auch ohne deren Zutun würden die Preise angesichts der günstigen Rahmenbedingungen steigen.
Auch den Analysten scheint dies langsam zu dämmern. Sie hecheln den entgegen ihrer Erwartungen weiterhin sehr festen Rohstoffpreisen hinterher und erhöhen ihre Preisprognosen. Das führt aber auch zu Anpassungen bei den Gewinnschätzungen auf Unternehmensebene und resultiert letztlich darin, daß sich die Bewertungen noch etwas positiver gestalten.
Viele australische Rohstoff-Aktien sind günstig bewertet
Dieser Umstand führt dann dazu, daß sich in Australien auf dem Kurszettel ein Nickelproduzent wie Sally Malay findet, der den neuesten Ergebnissen zufolge nur zu einem KGV von drei gehandelt werden. Diese tiefe Bewertung hat zwar auch mit hausinternen Problemen zu tun, mit denen die Gesellschaft zuletzt zu kämpfen hatte. Aber inzwischen scheinen diese überwunden und es zeichnet sich eine Zeit mit einer besseren Nachrichtenlage ab.
Ähnliches gilt im übrigen auch für Perilya, einen in den Bereichen Zink, Blei, Silber, Nickel und Gold tätigen Produzenten. Vereinzelt aufgetauchte Rückschläge haben hier dazu geführt, daß bei einem aktuellen KGV von sechs die vielen interessanten, aber momentan noch ungenutzten Produktionsstätten, überhaupt nicht mehr in die Bewertung miteinbezogen werden.
Aber tiefe Bewertungen finden sich nicht nur bei den kleineren Firmen, sondern auch bei Größen wie Rio Tinto. Denen wird ähnlich wie Inco momentan ebenfalls eine nur unter dem historischen Durchschnitt liegende KGV-Bewertung zugestanden. Bereits engagierte Anleger mögen dies bedauerlich finden, Neueinsteiger wird es dagegen freuen. Denn sie haben somit noch immer die Chancen, zu vernünftigen Preisen die Rohstoff-Hausse zu spielen.
Sinn macht diese Strategie aber nur für jene Anleger, die an einen noch etliche Jahre währenden Aufschwung bei den Rohstoffpreisen glauben. Denn nur wenn das der Fall ist, werden die Rohstoff-Aktien früher oder später einem Neubewertungsprozeß unterzogen werden. Und statt Unterbewertungen wird man dann in dem Sektor Überbewertungen vorfinden. Momentan ist der Markt davon aber noch sehr weit entfernt, was wie erwähnt Chancen bietet. Eine Wette auf ausgewählte Rohstoff-Aktien scheint im übrigen auch deshalb nicht allzu gewagt, weil viele Unternehmen satte Cash Flows generieren und einen gehörigen Teil ihrer Gewinne in Form stattlicher Dividenden an die Aktionäre zurückgeben.