ich mache mal eine Gegenposition zu der These Hunderte Mieter kloppen sich um eine Wohnung‘ auf.
Eigene Erfahrung, aus letztem Jahr. Wie der ein oder andere mitbekommen hat, hat’s mich in den Süden verschlagen, Region Augsburg. Bin kein Freund von (Wohn-)Immobilien als Investment, aus verschiedenen Gründen, ist aber nicht Thema. Also Haus zu Miete gesucht. Anforderung: 170qm. kein Schrott, Luxus kann, muss aber nicht, größer kann, muss aber nicht. Augsburg +20km. Und der Vermieter muss zumindest den Eindruck machen, nicht bekloppt zu sein. Jeder, dem ich das erzählt hatte, hat sinngemäß geantwortet:Wird schwierig, stell Dich auf eine lange Suche ein.
Erste Adresse Immoscout, aber parallel eine Anzeige in der Augsburger Allgemeinen geschaltet. Bei Immoscout dann so 15 Inserenten freundlich angeschrieben. Genau einer hat sich überhaupt nur zurückgemeldet. Auf die normale Old school zeitungsanzeige haben sich dann um die 15 Anbieter bei mir gemeldet, mit 10 hatte ich dann Besichtigungstermine, alle innerhalb von zwei Tagen. Gehaltsnachweis, Schufa, etc. vorbereitet.
Von den 10 Objekten kamen dann drei grundsätzlich in Frage. Eins wollte meine Partnerin dann doch nicht, übrig geblieben sind eine Villa mit 300qm Wohnfläche (aber neurotischer Vermieterin) und das ‚normale’ Haus, was wir jetzt haben. Mit beiden Vertragsverhandlungen aufgenommen. Wollte in jedem Fall ein Ausschluss von Eigenbedarfskündigung und ein paar andere Sachen im Vertrag drin haben. Die Villendame wollte nicht und hatte auch sonst ein paar komische Vorstellungen zur Vertragsgestaltung… ok, dann tschüss. Mit meinem Vermieter habe ich mich dann partnerschaftlich einigen können, bei Kaffee und Kuchen in deren Wohnung, zwei Tage nach Besichtigung.
Weil ich ein anständiger Mensch bin, habe ich mich bei den anderen acht für die Besichtigung bedankt und abgesagt. Drei von denen wollten uns wohl als Mieter haben und signalisiert, dass man ja auch über den Mietzins noch mal sprechen könnte… Wollte ich aber nicht, weil ich da schon meinen Handschlag gegeben hatte und die Dinge ja auch nicht erste Wahl waren
Was habe ich draus gelernt?
- Gute Mieter sind offensichtlich genauso knapp wie gute Häuser. Das kann man nutzen. Von zehn Objekten hätte ich mindestens fünf mieten können
- Immoscout ist Schrott, man muss an die Vermieter kommen, bevor sie das Objekt in den Markt gedreht haben
- Gut vorbereiten, freundlich sein und vor allem Bonität signalisieren lohnt sich
Und das Problem ‚gute Mieter‘ wird sich verschärfen.