nicht nur das, auch für den abnehmer bieten sich nur vorteile. wie du schreibst keine zwischenparteien und die gesparten transitgelder kommen beim konsumenten an oder/und bleiben als marge hängen.
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Nicht ganz. Die bisher vorhandenen Transportkapazitäten nach und Speicherkapazitäten in Deutschland reichen grundsätzlich vollkommen aus, um Deutschland flächendeckend und unter Wahrung der Versorgungssicherheit mit Erdgas zu versorgen.
Mit Nordstream wird letztlich eine Überkapazität geschaffen, die am Ende zusätzlich finanziert werden muss. Die große Frage wird sein, zu wessen Lasten die Finanzierung geht. Relativ klar ist, wer die "Verlierer" von Nordstream sein werden: Das werden die bisherigen Transitländer sein, die weniger Durchleitungsentgelte bekommen.
Zudem steigt durch die mit Nordstream entstehende "Sternanordnung" des Leitungssystems die potentielle Möglichkeit, Russlands, einzelne Länder gezielt auszuknipsen. Dazu muss gesagt werden, dass Russland für Deutschland bislang immer ein verlässlicher Partner im Erdgasmarkt war. Für andere Länder sah das anders aus (ohne jetzt Ursachenforschung nach der jeweiligen Schuldfrage zu betreiben), hier wurde Erdgas bereits gezielt als politisches Instrument von Russland eingesetzt.
Ob Deutschland von Nordstream am Ende profitiert (und die Marge wirklich beim Konsumenten ankommt und nicht in Russland bleibt), wird maßgeblich davon geprägt sein, in wie weit Deutschland in Zukunft eine valide Wettbewerbssituation zum russischen Gas aufbauen kann. Hier haben wir gegenüber anderen Ländern gleich mehrere strategische Vorteile (a) wir beziehen unser Gas aus unterschiedlichen Quellen; der Bedarf wird aktuell sowohl aus dem Groningen-Feld (20%), aus Norwegen (25%), aus heimischer Produktion (10%) und eben aus Russland (45%) gedeckt. (b) Wir sitzen leitungstechnisch wie die Spinne im Netz. Gas fließt sowohl in Ost-West-Richtung als auch in Nord-Süd-Richtung über Kapazitäten nahezu ohne Engpässe. Wir nehmen damit eine Hub-Funktion ein, was strategisch sehr vorteilhaft ist (kennen wir von Flughäfen: Dort sind die Preise an den Drehscheiben auch regelmässig deutlich günstiger). (c) Wir verfügen relativ zum heimischen Bedarf über große Speicherkapazitäten - sowohl im Langfristbereich über Porenspeicher als auch für den Kurzfristbereich über diverse Kavernenspeicher.
Unser Problem wird sein, dass innerhalb der nächsten 5-10 Jahre sowohl das Groningen-Feld als auch die heimische Produktion ersetzt werden muss; der Anteil letzterer ist in den letzten 10 Jahren bereits um 10%-Punkte runtergegangen. Das Groningen-Feld wird bis Ende des Jahrzehnts ausgelutscht sein. Damit wird der Bedarf nach russischem Gas unter heutigen Bedingungen steigen. Die Klimapolitik tut ihr übriges, um auch die Nachfrageseite weiter anzukurbeln. Wir steuern damit auf eine signifikant stärker werdende Knappheitssituation und physischer Abhängigkeit von Russland zu.
Damit sind wir beim Thema: Wo bleibt die Marge hängen? Die Marge bleibt - volkswirtschaftlich gesehen - immer da hängen, wo die Knappheit ist. Das wird nach heutigem Stand klar bei Russland sein. Und sie wird sich immer weiter Richtung Monopolmarge verschieben, je größer die relative Knappheit wird. Unsere energiepolitische Strategie muss es also zwingend sein, zusätzlich zu Nordstream weitere Bezugsopportunitäten zu erschießen; das kann z.B. über eine LNG-Strategie und den Ausbau weiterer Terminals funktionieren. Dabei ist es uninteressant, ob diese Kapazitäten am Ende auch bespielt werden, Hauptsache sie sind da und lösen potentiellen Wettbewerb und damit Nachfragemomentum auf Russland aus.
Fazit: Zusätzlich zu Nordstream brauchen wir zwingend weitere Bezugsmöglichkeiten, die Amerikaner und die Russen über LNG vs. Leitung zukünftig gegeneinander auszuspielen und dabei die infrastrukturellen Vorteile Deutschlands zu nutzen, ist das Mittel der Wahl. Divide et Impera, wie der Grieche sagt. Nordstream allein bringt keinen Vorteil für Deutschland, unter heutigen Bedingungen wird eine evtl. Zusatzmarge in Russland bleiben.