Erich Kästner:
"Ihr Appetit ist bodenlos.
Sie fressen Gott und die Welt.
Sie säen nicht. Sie ernten bloß.
Sie schwängern ihr eignes Geld. "
Der österreichische "Standard" bringt nach Börsenschluss (ATX: -3.56%) einen gross aufgemachten Artikel über die scheinbar wie über Nacht aufgetauchten Probleme der Hedgefonds und Private Equity-Heuschrecken, die ihre zuletzt angekündigten Riesendeals von Chrysler über Ford bis Alliance Boots nicht mehr refinanziert bekommen. Da hätte man aber auch hier in den letzten Wochen ein wenig mitlesen können...
Kreditplage erfasst Heuschrecken
Banken bremsen wegen Immobilien kreditblase bei Finan zierung von Unternehmenskäufen, die geplante Chrysler-Übernahme durch Cerberus ist bisher prominentester Problemfall
London/New York – Die von der Kreditblase am US-Immobilienmarkt ausgehende Zurückhaltung der Banken bei neuen Finanzierungen bringt die Heuschrecken in Bedrängnis. Die großen Private-Equity-Fonds wie Cerberus, KKR oder Blackstone haben immer mehr Probleme, ihre milliardenschweren Übernahmen zu finanzieren.
Der Bawag-Eigentümer Cerberus hat derzeit größte Schwierigkeiten, die Finanzierung des Chrysler-Kaufs in trockene Tücher zu bringen, berichten die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters. Eine Kreditlinie im Volumen von zehn Mrd. Dollar (7,28 Mrd. Euro) musste am Donnerstag verschoben werden. In der Vorwoche hatte ein Konsortium um die US-Bank JP Morgan versucht, die Ausleihung mit einer höheren Verzinsung zu versehen und dann an Hedgefonds weiterzuleiten.
Alliance Boots-Übernahme könnte platzen
Überdies wurde gestern bekannt, dass die Finanzierung der Übernahme der größten britischen Drogeriekette Alliance Boots durch Kohlberg Kravis Roberts (KKR) platzen könnte. Mit neun Mrd. Pfund geht es dabei um die größte fremdfinanzierte Transaktion, die jemals in Europa eingeleitet wurde. In Finanzkreisen ist derzeit von mindestens 20 großen Deals die Rede, deren Abschluss wegen der Überhitzung des Kreditmarktes gefährdet seien, berichtet die International Herald Tribune.
Keine Nachfrage
Laut Marktteilnehmern sollen in den kommenden Wochen alleine in den USA Hochzinsanleihen und -kredite über bis zu 300 Mrd. Dollar platziert werden. Damit sollen die milliardenschweren Private-Equity-Buyouts der vergangenen Monate refinanziert werden. Einige Banken sind zuletzt auf hierfür bestimmten Bonds und Krediten sitzengeblieben, darunter Goldman Sachs, Citigroup und Lehman Brothers bei der Emission einer Anleihe über 725 Mio. Dollar des Detailhändlers Dollar General sowie JP Morgan beim Verkauf von Bonds im Wert von 1,15 Mrd. Dollar für den übernommenen Haushalts-Dienstleister Service-Master. Neben Chrysler sind auch die beiden US-Auto-Giganten Ford und General Motors von der Krise betroffen. GM will die Getriebe-Tochter Allison Transmission an Carlyle und andere Fonds verkaufen. Ford plant die Veräußerung seiner Premium-Gruppe mit den Marken Landrover, Jaguar und Volvo.
Eindämmung der Übernahmewelle
Generell wird nun mit einer massiven Eindämmung der Übernahmewelle gerechnet, die von den Beteiligungsgesellschaften ausgelöst wurde. In den ersten fünf Monaten 2007 wurden laut Thomson Financial 1,8 Billionen Dollar für Unternehmenskäufe ausgegeben, ein Plus von 45 Prozent im Vorjahresvergleich. In Europa legte das Volumen sogar um zwei Drittel zu. Experten warnen davor, dass bereits abgeschlossene Übernahmen von den steigenden Finanzierungskosten betroffen sein könnten. Die gekauften Betriebe erhalten in der Regel die aufgenommenen Schulden umgehängt und müssen den sich verteuernden Zinsendienst leisten. Auslöser der Spannungen sind die spekulativen, riskanten Hypothekarkredite, die gebündelt an Hedgefonds weiterverkauft werden (so genannte Subprimes). Bisheriger Höhepunkt war der Kollaps zweier solcher Fonds der Investmentbank Bear Stearns. Am Donnerstag wurde zudem die Schließung zweier Fonds der australischen Gesellschaft Absolute Capital – eine Beteiligung der niederländischen Bank ABN Amro – bekannt gegeben, in die 177 Mio. Dollar investiert waren.
In den USA ist im Juni der Verkauf von neuen Eigenheimen überraschend stark um 6,6 Prozent auf annualisiert 834.000 gesunken. Experten hatten mit 895.000 verkauften Häusern gerechnet. Der durchschnittliche Preis sank um 1,3 Prozent auf 237.900 Dollar. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.7.2007)
mfG
Goldcore