Milly: Wirklich bemerkenswert und treffend argumentiert:
Wir haben Lieferprobleme bei Edelmetallen, zumindest in einigen Gattungen, und gleichzeitig Preise, die wie ein Stein fallen. Das passt nicht! Hier herrscht schlicht ein exorbitantes Ungleichgewicht im Dreieck Angebot / Nachfrage / Preis. Dieses exorbitante (marktwirtschaftlich gesehen) ineffiziente Ungleichgewicht ist nur möglich, weil der Papiermarkt und der physische Markt nicht unmittelbar verbunden sind, sondern nur mittelbar bei der allmonatlichen Fälligkeit der Kontrakte und der damit verbundenen Möglichkeit ein physischen Auslieferung. Zwischen den Fälligkeitsterminen kann der Papierpreis nach Belieben "eingestellt" werden, solange, ja solange die Händler mitspielen und dem vom Papiermarkt vorgegeben Preis vertrauen und solange auch der Händler sicher ist, dass sein Vorlieferant zu diesen Preisen (ggf. verspätet) liefert. Das Vertrauen aber schwindet:
In Deutschland gibt es keine Krügerränder mehr auf dem Markt, wie dei FAZ am Samstag in großen Lettern meldet. Natürlich gibt es Krügerränder auf dem Markt, die vielen umlaufenden Exemplare haben sich ja nicht in Luft aufgelöst
, nur eben nicht zu dem derzeitigen Papierpreis! Wie immer ist eben alles eine Frage des Preises. Ich zahle 1000 EURO pro Krügerrand und schon sind die Regale wieder voll! Es gibt eben einen eigenen physischen Preis, ziemlich banal, wenn man sich nur von dem bisherigen Vorstellung löst, dass die COMEX die Preise für Gold festlegt. Sie legt nur die Preise für Papiergold fest! Dieser Preis stimmt nur mit dem physischer Ware überein, wenn Vertrauen im Markt ist. Das aber schwindet zusehends.
Wir wissen jetzt, wie das Spiel weitergehen wird. Wenn der physische Markt die Preiskapriolen nicht mehr mitspielt und die Marktteilnehmer sich dessen bewusst werden, dann fällt der Hammer. Wenn Händler physischer Ware Knappheit spüren und einfach die Preise hochsetzen, egal was die COMEX macht, dann wird es nicht lange dauern, bis plötzlich an der COMEX auf Lieferung bestanden wird um die physische Ware teurer zu verticken. Das begreifen auch die "dummen" Papierhändler schnell.
Es ist fast schon ein Witz: Die Short-Spekulanten sind nur short in Papier, nicht in physischer Ware und es scheint Ihnen zu gelingen, sich durch geschickte Manipulation mit dem Papier wieder einzudecken, auch wenn dabei der physische Markt hier völlig verdreht wird. Der Fehler der Long-Spekulanten war schlicht, sich nicht auf dem Höhepunkt der short-Spekulation physische Ware liefern zu lassen. Jetzt fallen Sie dem Papierspiel zum Opfer und zum Fälligkeitstermin ist die Sache gelaufen.
Es wird die neue Aufgabe sein Händlerpreise und COMEX-Preise zu vergleichen und die Spreads zu beobachten!
Betrachten wir einen 250g-Barren Gold:
Freitag, 15.08.2008 abend, 20:00 Uhr: pro aurum: 4456 Euro Verkaufspreis, das sind 554 Euro pro Unze, egal wie man rechnet, in jedem Fall mehr als 3,5% über Spotpreis.
Ein deutlich erhöhter Spread, denn üblich waren hier bis vor kurzem etwa 2% über Spotpreis. Dies wird sicher mit der erhöhten Volatilität begründet. Dennoch, auch die erhöhte Volatilität ist auf den "verrückten" Papiermarkt zurückzuführen
Minos