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Von langfristigen Inflationsgefahren - und..
09.06. 08:37
Seit drei Wochen tendieren die Märkte wieder nach oben. Auf Sicht der nächsten Monate ist auch weiterhin mit Aufwärtspotential zu rechnen, dennoch dürfen die langfristigen Gefahren für die Märkte nicht unterschätzt werden.
Arten der Inflation...
Der wohl wichtigste Grund für den US-Konjunkturaufschwung der letzten Monate ist der massive Staats-Eingriff in die Wirtschaft, besonders seitens der Regierung. Neben hohen Staatsausgaben (fiskale Stimulierung) wurden die Zinsen auf ein historisch niedriges Niveau gesenkt und die Geldmenge extrem ausgedehnt (monetäre Stimulierung). Kritiker dieser Politik erwähnen gerne die dadurch verbundene Gefahr einer Inflation durch eine Ausdehnung der Geldmenge, und dann wird noch der hohe Ölpreis in den Medien thematisiert. Doch hier muß der Wirtschaftstheorie nach unterschieden werden, denn es gibt zwei Arten von Inflation. Einerseits gibt es nach Keynes die "cost-push" Inflation. Damit ist gemeint, daß durch externe Einflüsse wie z.B. Ölpreis-Schocks das allgemeine Preisniveau steigt. Doch glaubt man an die Kräfte des freien Marktes, dann ist nach Milton Friedman Inflation ein rein monetäres Phänomen ("demand-pull" Inflation) und Preise steigen oder fallen daher mit der Veränderung der Geldmenge. Dieser Theorie nach haben externe Schocks keine langfristige Wirkung, denn während für die betroffenen Güter (z.B. Öl und Benzin wie momentan) die Preise steigen, fallen sie auf Grund sinkender Nachfrage für andere Güter, und damit bleibt das allgemeine Preisniveau im Durchschnitt gesehen stabil.
... und deren Gefahren
Anders als viele Volkswirte glauben, birgt Inflation auf lange Sicht viele Gefahren für eine Volkswirtschaft, denn neben einem Anstieg des Preisniveaus wird auch ein Umverteilungsprozeß von Sparern und Leuten mit festem Einkommen (z.B. Renten) hin zu Schuldnern ausgelöst. Natürlich wird das nicht von einem Tag auf den anderen bemerkbar, denn die steigenden Preise brauchen eine gewisse Zeit, um sich "durch die Wirtschaft zu arbeiten". Langfristig allerdings führt das zu einer Verringerung der Sparquote, dementsprechend zu weniger Investitionen (volkswirtschaftlich gilt: Sparen = Investieren) und daher zu einem geringeren oder weniger stabilen Wirtschaftswachstum. Daß wir uns momentan in einer frühen Phase steigender Inflation befinden (anders als es in der Regel von den Medien dargestellt wird) zeigen neben den Wachstumsraten der Geldmengen auch die jüngst veröffentlichten Landwirtschaftspreise in den USA, die im Mai auf Jahresbasis um 26 % (!) und im Monatsvergleich (gegenüber dem April) um 5,6 % (!) gestiegen sind. Würde man diese 5,6 % annualisieren (also mal 12 nehmen), wie es die amerikanischen Statistiker sonst so gerne tun, dann käme man auf eine Jahres-Inflationsrate von 67,2 % (!). Natürlich ist uns klar, daß diese Zahl unsinnig ist, aber sie entspräche doch dem bisherigen Vorgehen der Statistiker. Doch was bedeutet das nun für die Börse, wenn die Preise weiter dermaßen anziehen (bisher ja nur im Landwirtschaftsbereich)? Prinzipiell sind Aktien in einer Phase der deutlich anziehenden Inflation nicht unbedingt ein schlechtes Investment, zumindest ein besseres als Anleihen. Solange Greenspan und Konsorten weiterhin für die nötige Liquidität sorgen, dürfte es zu keinem Super-Gau an den Börsen kommen, allerdings muß man davon ausgehen, daß ähnlich wie in den 70er Jahren, real, also nach Abzug der Inflationsrate, Aktien ein Minusgeschäft sein dürften. Zur Erinnerung: Damals liefen die Aktienbörsen mehr als zehn Jahre seitwärts (nominelle Betrachtung), real verlor ein Aktieninvestor in dieser Zeit jedoch mehr als 65 % seines eingesetzten Kapitals (berechnet auf den Dow Jones und die US-Inflation). Etwas ähnliches dürfte uns auch während der nächsten Jahre wieder bevorstehen. Wer mehr über das Thema Inflation erfahren will, der sei auf den kommenden Smart Investor 7/2004 verwiesen, in dem diesem Thema ein langer Beitrag gewidmet sein wird (Kennenlern-Abos unter http://www.smartinvestor.de).
Chancen nutzen
Traditionell profitieren Edelmetalle von einem inflationären Umfeld am meisten. Während sich der Wert des Geldes in Inflationszeiten verringert, bleibt der Wert von Gold und Silber in der Regel real konstant, steigt durch die Entwertung des Geldes jedoch nominal an. So können Anleger mit der Beimischung von Gold das Entwertungsrisiko ihres Portfolios senken und von einem Kursanstieg profitieren.
Ausgehend von der These, daß Inflation ein rein monetäres Phänomen ist, liegt es allein an den Zentralbanken, sie zu stoppen. Aus den Aussagen der US-Notenbanker Greenspan und Bernanke läßt sich jedoch unmißverständlich entnehmen, daß sie nicht im Traum daran denken, via restriktiver Geldpolitik die Inflationsgefahr einzudämmen. Inflation ist nun einmal populärer als Deflation, und auf Popularität kommt es gerade jetzt vor der Wahl des US-Präsidenten umso mehr an. Somit kann davon ausgegangen werden, daß die nächsten Jahre ganz im Zeichen der Inflation stehen werden. Betrachtet man den Wochenchart des Goldes, so erkennt man einem intakten primären Aufwärtstrend seit 2001. Die momentane Korrektur, die seit Anfang des Jahres läuft, bietet Investoren, die bisher noch nicht in diesem Sektor engagiert sind, gute Einstiegsmöglichkeiten. So haben sich viele Gold- und Silberminen in den letzten Wochen im Kurs deutlich ermäßigt, teilweise mehr als 50 %. Gerade der starke Kurseinbruch bei Silber hat viele unserer Leser doch sehr irritiert. Verständlicherweise, immerhin fiel das "Gold des kleinen Mannes" von 8,30 US-$ Anfang April innerhalb weniger Wochen auf 5,50 US-$. Woher kam es also?
Die Antwort ist so einfach wie auch niederschmetternd. Die Comex hat genau am höchsten Punkt die Margins (Einschußverpflichtungen für Futures-Postionen) dramatisch angehoben. Damit wurden einige Long-Spekulanten gezwungen, Positionen zu schließen, was fallende Kurse zur Folge hatte, was Stops auslöste, was weiter fallende Kurse zur Folge hatte, ... und so weiter und so fort. Wie Sie sehen, hat man es als Silber-Spekulant wahrlich nicht leicht. Dies zeigt aber auch, welche Interessenlagen hier vorherrschen. Über die massiven Manipulationen seitens staatlicher Stellen und der Börsen wie der Comex wird im Smart Investor Magazin 8/2004 berichtet werden. Nur soviel hier schon: Die momentanen Kurse, beim Metall selbst wie auch bei den Minen-Aktien, sind unserer Ansicht nach ganz klare Kaufkurse.
Zu unseren Empfehlungen
Unsere Cash-Quote im Musterdepot beläuft sich derzeit auf ca. 15 %. Einen Teil davon werden wir zurückhalten, um in Schwächephasen am Edelmetall-Sektor nochmals die eine oder andere Gold- oder Silbermine zu erstehen. Wir denken hier, wie im letzten Smart Investor (6/2004) in der Rubrik "Musterdepot" auf S. 36/37 erwähnt, an die australische Goldminengesellschaft Croesus Mining (WKN: 871679; die wir schon einmal im Depot hatten) sowie die reinrassige Silbermine Hecla (WKN: 854693; wird vermutlich im kommenden Heft besprochen). Ganz aktuell ordern wir zum morgigen (9.6.) Eröffnungskurs 100 Münchener Rück (WKN: 843002). Wie der Kursverlauf zeigt, könnte sich hier ein doppelter Boden bei 80 Euro abzeichnen. Die Aktie hat zwar ihren Abwärtstrend seit Oktober letzten Jahres noch nicht gebrochen, allerdings gehen wir im Zuge eines sehr festen zweiten Halbjahres an den Aktienmärkten davon aus, daß die bisher etwas zurückgebliebene Münchener Rück in den kommenden Monaten überproportional zulegen wird. Zudem ordern wir mit einem Limit bei 6,95 Euro 700 Dr. Hönle (WKN: 515710), welche im letzten Smart Investor samt Chart auf Seite 31 beschrieben wurde. Die Aktie hat eine fünfmonatige Korrektur hinter sich, und es besteht unserer Ansicht nach der Verdacht, daß hier in Kürze ein Ausbruch nach oben erfolgen könnte.
Fazit
Wie in den letzten Wochen angesprochen, gehen wir für die kommenden Monate von steigenden bis stark steigenden Aktienmärkten aus, nicht zuletzt aufgrund der "Wahlvorbereitungen" und den damit verbundenen "Wahlgeschenken" in den USA. Gegen diesen Bullenmarkt sollte man sich unserer Ansicht nach nicht stemmen. Wie im letzten Smart Investor ausführlich dargelegt (in der Rubrik "Das große Bild"), ist der Pessimismus unter den Anlegern momentan viel zu groß, als daß hier mit dramatischen Bewegungen nach unten zu rechnen ist. Märkte steigen bekanntlich an der Mauer der Angst entlang; und wenn es danach geht, können die Märkte jetzt eigentlich nur steigen (sh. Sentiment-Indikatoren im Heft). Daß langfristig dramatische Gefahren für die Weltbörsen und die Weltwirtschaft lauern, versteht sich von selbst, aber das ist ein anderes Kapitel, welches wir zu gegebener Zeit behandeln werden.
Ralf Flierl
Smart Investor Magazin
Quelle:http://217.172.161.120/research/suchenews.php?show=181367