Das Basisobjekt/Underlying
Das Finanzinstrument, auf das sich ein Schein bezieht und zu dessen Kauf oder Verkauf er berechtigt, nennt man Basisobjekt oder Underlying. Der Kauf eines Optionsscheins ist für den An leger nur dann sinnvoll, wenn er eine erhebliche Kursveränderung des Basisobjekts erwartet. Rechnet er zum Beispiel mit einem Kurssprung der BASF-Aktie, dann kann er unter der Vielzahl der börsennotierten Call Warrants auf diese Aktie ein Papier aus suchen, das seinen Vorstellungen am besten entspricht. Rechnet er bei BASF mit erheblichen Kursverlusten, dann wird er einen Put Warrant ins Depot nehmen. Zur Zeit werden an deutschen Börsen und im Telefonverkehr Optionsscheine auf folgende Basis objekte gehandelt:
Deutsche und internationale Einzelaktien
Deutsche und internationale Aktienkörbe oder Baskets
Währungen wie der US-Dollar, der Yen, das Brit. Pfund
Deutsche und internationale Anleihen
Anleihen- und Aktienindizes
Waren wie Gold und Silber.
Scheine auf Einzelaktien sind immer noch das größte und umsatz stärkste Segment des Optionsscheinhandels. Gab es noch vor weni gen Jahren nur eine geringe Auswahl zwischen deutschen Stan dardwerten und einigen ausländischen Aktien, so hat die Konkur renz unter den Optionsschein-Emissionshäusern inzwischen für große Vielfalt gesorgt. Vor allem Scheine auf amerikanische und europäische Aktien gibt es in großer Auswahl. Die früher zahlrei chen Scheine auf japanische Aktien sind dagegen rar geworden. Kein Wunder: Während die Wall Street und die europäischen Bör sen boomten, war mit japanischen Aktien in den vergangenen Jahren so gut wie nichts zu holen, wenn man von gelegentlichen Erholungsphasen absieht. Das wirkte sich natürlich auf die Nach frage nach Warrants auf japanische Aktien aus, und das kann sich in Zukunft wieder ändern, wenn sich der Börsentrend in Tokio dreht.
Bei den Scheinen auf deutsche Aktien überwogen früher die sogenannten "Klassiker": Optionsscheine, die im Rahmen einer be dingten Kapitalerhöhung in Verbindung mit einer Optionsanleihe begeben werden und zum Bezug von Aktien des emittierenden Unternehmens berechtigen. Etwa 1990 begann das Zeitalter der Covered Warrants, die sich heute in der Überzahl befinden. Diese Papiere (für die sich die deutsche Bezeichnung "Gedeckte Options scheine" nie so recht durchgesetzt hat) berechtigen meist nicht zum Bezug von Aktien des Emittenten, sondern eines anderen Unternehmens.
Eine interessante Alternative zu Scheinen auf Einzelaktien sind die sogenannten Basket Warrants. Basisobjekt ist hier ein Korb von Einzelaktien mit einer vom Emittenten festgelegten Gewichtung. Natürlich werden solche Aktienkörbe nicht völlig willkürlich zu sammengestellt. Es gibt stets einen gemeinsamen Nenner zwischen den Einzelaktien, etwa das Herkunftsland, die Branche oder auch beides. So gibt es zum Beispiel Basket Warrants auf internationale Goldminenaktien, auf amerikanische Pharma-Unternehmen oder auf südostasiatische Finanzwerte. Mit Basket Warrants spekuliert der Anleger also nicht auf die Entwicklung eines bestimmten Unternehmens und seiner Aktie, sondern auf eine geographische oder eine Branchentendenz. Wer damit rechnet, daß die deutschen Automobilhersteller goldenen Zeiten entgegengehen, kann sich natürlich Warrants auf die Aktien von Daimler-Benz, BMW oder VW ins Depot legen. Er geht damit allerdings das Risiko ein, daß er zwar recht behält, sich aber womöglich unglücklicherweise auf die relativ schwächste Aktie aus dem Trio konzentriert. Dieses Risiko umgeht er, wenn er einen Basket-Warrant kauft, in dem alle drei Aktien enthalten sind. Oft sind Basket Warrants auch die einzige Möglichkeit, sich zu engagieren, weil es auf die entsprechenden Einzelaktien keine Optionsscheine gibt. In Zeiten steigender Gold- preise sind Goldminen-Baskets sehr beliebt. Da die Aktien von Goldminen ohnehin zu starken Kursausschlägen neigen, sind mit solchen Scheinen hohe Gewinne möglich, wenn der Anleger den Kaufzeitpunkt richtig wählt.
Eines der wichtigsten Marktsegmente sind Währungsoptions scheine (Currency Wa rrants). Vor allem Scheine auf den US-Dollar und auf andere Dollar-Währungen (australischer, kanadischer und Neuseeland-Dollar) werden rege gehandelt. Der Anleger hat dabei die Wahl zwischen Scheinen mit den verschiedensten Laufzeiten und Basispreisen. Kauf- und Verkaufsoptionsscheine halten sich zahlenmäßig die Waage. Die weitaus meisten in Deutschland gehan delten Currency Warrants beziehen sich auf Kursveränderungen des Euro gegenüber dem US-Dollar. Es gibt jedoch auch Warrants, mit denen man auf Wechselkursveränderungen einer Fremdwährung gegenüber einer anderen spekulieren kann, etwa auf die Relation US-Dollar/Yen.
Zinsoptionsscheine beziehen sich auf Anleihen (Bonds), weshalb sie international Bond Warrants genannt werden. Die deutsche Be zeichnung ist ein wenig mißverständlich: Während ein Anleger mit Aktien-Calls auf steigende Aktienkurse setzt, spekuliert er mit Zins- Calls nicht etwa auf steigende Zinsen, sondern auf ein Anziehen der Anleihenkurse und damit auf sinkende Zinsen. Je länger die Rest laufzeit einer Anleihe, desto sensibler reagiert sie auf Zinsverände rungen. Daher gilt die Faustregel, daß ein Bond Warrant desto stär keren Kursschwankungen unterliegt, je länger die Restlaufzeit der zugrundeliegenden Anleihe ist. Als Maßstab für die Schwankungs breite eines Wertpapiers gilt die Volatilität. Von ihr wird in diesem Buch noch ausführlich die Rede sein. Wer mit Optionsscheinen auf Zinsveränderungen spekulieren will, kann sich außer den her kömmlichen Bond Warrants auch Optionsscheine auf den Bund-Future ins Depot legen. Daneben gibt es einige wenige Scheine auf den deutschen Rentenindex REX. Während Bund-Future-Scheine hochvolatile Papiere sind, gelten Scheine auf den REX als die kon servativste Variante im Marktsegment der Bond-Warrants. Index-Optionsscheine beziehen sich auf die Entwicklung deut scher und internationaler Indizes. Wichtigstes Basisobjekt in die sem Marktsegment ist der Deutsche Aktienindex (DAX). Mit Index-Optionsscheinen setzt der Anleger auf die Entwicklung eines nationalen Aktienmarkts. Wer zum Beispiel einen Kursein bruch an der Wall Street erwartet, kann sich Put Warrants auf den umfassenden amerikanischen Aktienindex S&P 500 ins Depot legen. Wer eine Aktienhausse in Großbritannien erwartet, wird Call Warrants auf den wichtigsten britischen Index FTSE 100 kau fen. Es gibt auch Scheine auf Branchenindizes, wie zum Beispiel die Subindizes des C-DAX (Banken, Chemie, Automobile usw.). Bran chenindex-Scheine weisen Parallelen zu Basket-Warrants auf: Mit ihnen kann man auf die allgemeine Entwicklung eines Industrie zweigs setzen, ohne sich auf eine bestimmte Einzelaktie festlegen zu müssen. Ähnlich wie bei Basket-Warrants sollte sich der Anleger vor dem Kauf aber vergewissern, wie die Gewichtung der einzelnen Aktien innerhalb des Index aussieht.
Quelle: Mehr Geld verdienen mit Optionsscheinen
von Horst Fugger/Jürgen Koch