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Rohstoffe
Die Privatanleger sind in Rohstoff-Laune
26. April 2004
Die fortgesetzte Hausse vieler Rohstoffe lockt immer mehr Privatanleger auch in dieses Anlageuniversum. Der direkte Kauf von Rohstoffen indes gilt als schwierig, teuer und - abgesehen vom möglicherweise reizvollen Besitz physischen Goldes - meist als wenig sinnvoll. Diese Marktlücke nutzen Banken: Das Angebot an entsprechenden Zertifikaten und spekulativen Hebelprodukten, Optionsscheinen sowie Knock-Outs, wächst ständig.
Doch beim Blick auf die Kursentwicklung wartet auf manchen Käufer von Derivaten eine ungeahnte Überraschung. Denn die Rohstoff-Hausse ist vor allem dollargetrieben. In Euro gerechnet fallen die Aufschläge durch die Schwäche des Dollar geringer aus. So ist zum Beispiel der Preis für eine Feinunze Gold in Dollar trotz der jüngsten Kursrückgänge derzeit noch etwa 20 Prozent höher als noch vor einem Jahr. In Euro gerechnet, denn die Zertifikate sind hierzulande in dieser Währung notiert, fällt das Plus mit knapp 10 Prozent kleiner aus. Abhilfe können währungsgesicherte Produkte schaffen, die in der Regel mit dem Zusatz "Quanto" versehen sind. Glaubt man allerdings an ein Ende der Euro-Stärke, sind ungesicherte Produkte die bessere Wahl. Liegt der Anleger mit seiner Einschätzung richtig, profitiert das Produkt allein schon von dem fallenden Euro-Kurs.
Preisdifferenzen zwischen den Kontrakten
Alle Derivate bilden die Preisentwicklung der zugrundeliegenden Rohstoffe oder Indizes nach. "Dies geschieht grundsätzlich im Verhältnis eins zu eins", erläutert Stefan Gresse von ABN Amro. Um bei den Papieren jedoch eine endlose Laufzeit darstellen zu können, müsse der dahinterstehende Futurekontrakt vierteljährlich gerollt werden. Dabei könne es zu Preisdifferenzen zwischen den Kontrakten und infolgedessen zu Abweichungen im Vergleich zum Rohstoffpreis kommen.
Die Derivate können, anders als der Rohstoff selbst, jederzeit problemlos gekauft und auch wieder verkauft werden. Kosten für die Lagerung entfallen. Zu entrichten sind lediglich die Abwicklungsgebühren der Order und die Depotgebühren der kontoführenden Bank. Zudem gilt es, die Geld-Brief-Spanne, den Unterschied zwischen dem An- und Verkaufskurs der Zertifikate, und mögliche jährliche Managementgebühren zu beachten. Manche Rohstoffmärkte sind nur wenig liquide, die Produkte daher schwieriger darzustellen. Die Geld-Brief-Spannen werden dadurch größer. Quanto-Zertifikate wiederum finanzieren sich aus den Zinsdifferenzen zwischen den verschiedenen Ländern. Reichen diese nicht aus, so stellt ABN Amro eine optionale Gebühr von einem bis 2 Prozent jährlich in Rechnung.
Eine eigene Anlageklasse
Zertifikate und Hebelprodukte auf Edelmetalle Gold oder auch Silber, Palladium und Platin finden sich derweil bei einigen Emittenten. In anderen Bereichen wird das Angebot dünner. Besonders breit ist ABN Amro aufgestellt. Hier gibt es überdies Zertifikate auf Rohöl der Nordseesorte Brent sowie die Industriemetalle Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel und Zink. Aber auch auf Kaffee, Kakao, Weizen oder Zucker und neuerdings auch auf Orangensaft können Anleger hier setzen. Wer lieber in einen Rohstoffindex wie den Goldman Sachs Commodity Index GSCI investiert, kann dies bei Goldman Sachs, der DZ-Bank und bei ABN Amro tun.
Gleichwohl sollten Anleger bei einem Rohstoff-Investment vor allem eines sein: optimistisch. Denn viele Produkte, vor allem die konservativen Anlagezertifikate, sind für weiter haussierende Rohstoffe gedacht. Doch die Kurse sind bei vielen Produkten schon stark gestiegen und befinden sich auf langjährigen Hochs. Für Wetten auf fallende Notierungen gibt es nur Hebelprodukte, Optionsscheine oder auch hochspekulative Knock-Outs, die, sobald der Basiswert bestimmte Schwellen erreicht, nahezu wertlos verfallen.
Die Umsätze im breiten Rohstoff-Bereich sind bislang gering. Lediglich bei Papieren auf Edelmetalle, allen voran Gold, und daneben auf Rohöl seien höhere Anlagevolumina zu beobachten, sagt Thorsten Aberle von der Euwax AG, dem skontroführenden Makler am Derivatesegment der Stuttgarter Börse. Rohstoff-Zertifikate hätten sich jedoch mittlerweile als eine eigene Anlageklasse durchgesetzt und würden vielfach, ob schon Rohstoffe zum Teil spekulativer seien als andere Basiswerte, von den Anlegern zumindest als Beimischung in den Portfolios genutzt.
Text: kpa., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.04.2004, Nr. 98 / Seite 21
Quelle:http://www.faz.net