...das den Themenkomplex der hier gerade erörtert wurde ziemlich genau abbildet. Zufällig ist das was Polleit sagt GENAU meine Meinung !

„Die Kredit-vergabe wäre nicht so zügellos wie heute"
Nachfolgend ein Interview, das Hans Bentzien (The Wall Street Journal Deutschland) mit Thorsten Polleit (De-gussa Goldhandel GmbH) geführt hat. Es wurde am 10. November 2012 im
The Wall Street Journal Deutschland [i]veröffentlicht.2 [/i]
Herr Polleit, Sie sind der Präsident des gerade gegründeten Ludwig von Mises Institut Deutschland, sie befürworten einen Wettbewerb der Währungen und sagen: Gold ist die ultimative Währung. Und sie sind gegen das vom Staat aufgezwun-gene Geld. Was haben sie gegen dieses so genannte Fiat-Geld?
Dieses Geld hat schwere ökonomische und ethische Defizite. Fiat-Geld wird durch Kreditvergabe geschaffen und in Umlauf gebracht. Und es ist nicht durch echte Ersparnis gedeckt. Das provoziert notwendigerweise zunächst einen Scheinaufschwung, der dann aber in sich zusammenbricht. Fiat-Geld sorgt systematisch für Wirtschaftskrisen. Es führt außerdem zu einer immer größer werdenden Verschuldung von Staaten und insbesondere von Banken. Und wenn die Verschuldung erst einmal so groß geworden ist, dann erscheint na-türlich der Rückgriff auf die elektroni-sche Notenpresse, also die Inflationie-rung, als die Politik des kleinsten Übels. Und die Geschichte zeigt vielfach, wel-chen großen Schaden die Inflation ei-nem Gemeinwesen zufügt.
Was hat die aktuelle Krise mit dem Fiat-Geld zu tun?
Sie ist unmittelbare Folge eines über Jahrzehnte aufgebauten Papiergeld-Booms. Dieses ungedeckte Papiergeld ist Anfang der 1970er Jahre auf den Weg gebracht worden, nachdem mit dem System von Bretton Woods die letzten Überbleibsel eines Pseudo-Goldstandards beseitigt wurden. Seit-dem ist das Weltgeldsystem auf einem uneinlösbaren Papiergeldstandard auf-gebaut. Das ist währungshistorisch ein einmaliger Fall.
Aber ist der Euro nicht von dem Warenkorb gedeckt, an den der Ver-braucherpreisindex gebunden ist, der pro Jahr um weniger als zwei Prozent steigen soll?
Der Euro ist nicht gedecktes Geld, er ist eine nicht-einlösbare Papierwährung, die durch Kreditgewährung in Umlauf gebracht wird.
Sie sprachen ethische Defizite des Fiat-Gelds an …
Der Staat hat die Geldproduktion mo-nopolisiert. Es wird guten Anbietern verwehrt, in das Geldgeschäft einzu-steigen und gutes Geld anzubieten. Das Papiergeld wird ex nihilo - aus dem Nichts - in Umlauf gebracht, über Ban-kenkreditvergabe. In diesem monopoli-sierten System gibt es Begünstigte und Benachteiligte.
Die Gewinner sind die, die nah am Geldangebotsprozess sind. Das sind be-sonders die Banken und natürlich der Staat. Das sind alle die, die das neu ge-schaffene Geld als Erste in die Hand be-kommen. Sie können noch zu relativ unveränderten Preisen kaufen. Dann wird das Geld von Hand zu Hand ge-reicht und diejenigen, die gar nichts von der neu geschaffenen Geldmenge ab-bekommen, sind die Geprellten. Inso-fern ist ein Papiergeldsystem immer mit einer Umverteilung verbunden, die nicht marktkonform ist.
Bei einer mit Gold gedeckten Wäh-rung wäre die Gerechtigkeit größer?
Ich plädiere für ein Geld, dass in einem freien Angebots- und Nachfrageprozess zustande kommt, dessen Produktion also den Anforderungen genügt, die
üblicherweise an jede marktkonforme Güterproduktion gestellt werden: die Achtung der Eigentumsrechte aller Be-teiligten. Ein Geld des freien Marktes weist die ethischen Defizite nicht auf, wie das beim staatlichen Geldmonopol der Fall ist.
Aber der kleine Mann, Menschen wie Sie und ich, lebt der mit der so-zialen Umverteilung, die Papiergeld ermöglicht, nicht besser?
Es gibt natürlich einige Gruppen, die extrem stark davon profitieren, dass es das Fiat-Geld gibt. Fiat-Geld erlaubt ja auch eine Zwangsumverteilung des lau-fenden Einkommens. Menschen neh-men ihre Ersparnisse und investieren sie in Staatsanleihen, die nur deshalb gut platziert werden können, weil die Zent-ralbank die Geldmenge ausweitet und die Zinsen absenkt.
Das so aufgenommene Geld wird nicht Investitionszwecken zugeführt, sondern es wird konsumiert, um Wahlgeschenke zu finanzieren. Das sind Kosten, die nicht unmittelbar in Erscheinung treten. Aber man sieht in Ländern wie Grie-chenland oder Spanien, dass sich deren Staatsanleihen, die Horte der Lebenser-sparnisse sein sollen, nun als Sparillusi-onen entpuppen – um nur mal eine Kostengröße zu nennen.
Und derartige Phänomene wären bei einer mit Gold gedeckten Wäh-rung nicht zu befürchten?
Die Goldwährung ist nicht manipulier-bar, sie ist nicht den ständig wechseln-den parteipolitischen Interessen unter-worfen. Sie hat noch nie ihren Wert derart eingebüßt, wie das bei Papier-währungen chronisch der Fall ist. Der Euro hat seit 1999, wenn man den offi-ziellen Preisstatistiken glaubt, bereits 25 Prozent seiner Kaufkraft eingebüßt. Dieses Papiergeld hat keine Wertauf-bewahrungsfunktion, wie sie die Zent-ralbank den Bürgern verspricht.
Die D-Mark hatte einen noch höhe-ren Wertverfall …
Auch die D-Mark war eine Papierwäh-rung. Und auch unter der D-Mark hat sich eine gewaltige Staatsverschuldung aufgebaut. Und auch der Bankenappa-rat war absurd groß geworden. Früher oder später hätte man auch mit der D-Mark die gleichen Probleme zu bewälti-gen gehabt wie jetzt.
Was würde mit dem Goldstandard aus unserer schönen Frankfurter Bankenindustrie?
Aus dem Bankensystem würde ein Trennbankensystem mit Geldverwah-rungshäusern auf der einen Seite. Diese Verwahrstellen würden wie „Clear-stream" funktionieren, sie machen die Zahlungsabwicklung. Als Kunde können sie weiter Internetbanking machen, sie können mit Überweisungen und Schecks zahlen. Und auf der anderen Seite haben sie ein Kredit- und Invest-mentbanking-Geschäft. Die können weiterhin Kredite vergeben und Finanz-transaktionsinstrumente einsetzen.
Wo wäre der Unterschied zu den heutigen Verhältnissen?
Die Banken könnten sich nicht mehr refinanzieren, indem sie selbst ex nihilo Kredite schöpfen. Sie müssten sich durch Ausgabe von Schuldverschrei-bungen refinanzieren.
Und wer leiht diesen Banken das Geld, wenn ich mein Geld zur Ver-wahrungsstelle bringe?
Wenn sich der Marktprozess darauf ge-einigt hat, dass Gold das ultimative Zah-lungsmittel ist, dann bringe ich mein Gold zur Einlagebank, dafür kriege ich einen Zettel oder eine Giro-Gutschrift. Wenn ich weiß, dass ich diesen Barren nicht unmittelbar ausgeben will, dann könnte mir eine Bank eine Schuldver-schreibung über fünf Jahre zu 4,5 Pro-zent anbieten. Da gehe ich ein Kreditri-siko ein und erhalte dafür eine Zinsver-gütung. Die Verfügung über den Geld-bestand geht auf die Bank über.
Falls der Euro scheitert, könnte, soll-te Deutschland dann - vielleicht zu-sammen mit geeigneten Partner - Währungswettbewerb zulassen?
Auf jeden Fall. Ich glaube, das ist auch gar nicht mehr aufzuhalten. Man sieht ja jetzt schon weltweit, dass die Nach-frage nach Gold und Silber oder nach anderen Edelmetallen steigt. Die Wer-taufbewahrungsfunktion des Geldes wird zusehends in diese Medien verla-gert. Der Prozess ist bereits im Gange, und wenn man noch größeres Unheil verhindern will, fängt man möglichst früh an, den Menschen diese Möglich-keit zu eröffnen und ihnen das auch anzubieten. Beraubt sich die Wirtschaftspolitik, wenn sie auf Fiat-Geld verzichtet, nicht eines wichtigen Instruments, um zum Beispiel auf Krisen zu reagieren oder das Wirtschafts-wachstum anzukurbeln?
Ich kenne keine große Wirtschaftskrise, wo nicht staatliches Handeln im Vorfeld die Missstände erst ausgelöst hat. Auch der Hinweis auf die Große Depression 1929 bis 1933: da ist häufig in der Lite-ratur zu finden, der Goldstandard habe versagt. Dazu muss man sagen: Einen echten Goldstandard hat es noch nie gegeben. Das, was man heute als Gold-standard bezeichnet, das waren alle-samt Pseudo-Goldstandards.
Das zeigte sich darin, dass es Banken vom Staat erlaubt wurde, mit einem Teilreservesystem zu operieren. Sie durf-ten mehr Zettel ausgeben, als durch Gold gedeckt waren. Und das führte immer wieder zu Bankzusammenbrü-chen. Bei einem Goldstandard in Rein-form wären jeder Zettel, jedes Giro-Guthaben zu 100 Prozent mit Gold ge-deckt. Das war bisher nie der Fall, auch in Deutschland nicht.