In der ausländischen Finanzpresse wird das mögliche Zusammengehen der beiden Banken schon seit letzten Herbst/Winter viel intensiver diskutiert und seit ein paar Wochen schwappte hierzu immer mal wieder etwas in die deutsche Presselandschaft. Ich denke, man musste jetzt medial in die Offensive gehen. (Auch gab es diesbezüglich schon vor Wochen Anfragen aus Bundestagsfraktionen an die Regierung.) Interessant ist auch das ständige Einwirken von Cerberus, die bei der DB einen Anteil von 3% und bei der CB von 5% halten.
Die Sache ist doch die, die DB ist etwas mehr als zweimal so groß wie die CB, und selbst zusammen sind sie grad mal halb so große wie die anderen großen Banken in Europa und der Welt. Von der Größe her sind sie beide eindeutige Übernahmekandidaten. Jetzt, wo beide einigermaßen ihren Stall aufgeräumt haben, könnten so langsam Interessenten anklopfen – und das ist seitens der Politik nicht gewollt. Also werden die beiden Ställe zusammen geschmissen und schon wird die aufkeimende Attraktivität erstmal wieder zu Nichte gemacht.
Hinzu kommt, die DB braucht wohl dringend eine Finanzspritze. Wird die DB zum Staat rennen oder kann die Politik ohne Aufschrei einfach so etwas dazu schießen? Wohl kaum. Ich denke, nur im Rahmen einer Fusion kann der Staat eine finanzielle Mitgift ans Revers stecken und sagen „Seht her, wir stehen zu unseren nationalen Champion und damit der Laden ein wenig unter unserer Kontrolle bleibt und nicht irgendwann der Steuerzahler einspringen muss, haben wir uns beteiligt.“ (Der derzeitige 15% Anteil an der CB wird wohl auf knapp unter 5% am Gesamtinstitut fallen.)
Auch bestünde dann die ersehnte Möglichkeit die DB in eine tragfähige Holdingstruktur zu überführen.
Ganz grob:
Privatkunden: PK der DB, der CB und der Postbank (evtl. auch mBank)
Firmenkunden: FK der DB und der CB
Investmentbanking: Bereiche der DB mit den Resten der CB
Auch ist wohl die Allianz sehr daran interessiert, die Anteile der DB an der DWS zu übernehmen und sich einzuverleiben. Den Asset Management Arm hatte sie sich ja damals auch von der Dresdner Bank einverleibt (dit, dbi, RCM) und von der Commerzbank (cominvest).
Zum Zeitplan tippe ich persönlich auf eine Verlautbarung der Fusion zwischen den beiden Hauptversammlungen 22.05./23.05. und der Europawahl 23.05.-26.05 – also am 24.05. nach Börsenschluss oder am 25.05.
Und zum "dramatischen" Stellenabbau:
Erstens: Die Fusion wird eine Umsetzungsdauer von mind. 3-5 Jahren haben – und das muss ja auch einer machen. Externe sind zu teuer, kennen sich zu wenig in den Systemen aus und durch das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz für einen solchen Zeitraum nicht zu gebrauchen. Also sind die Stellen ja nicht von heute auf morgen weg.
Zweitens: Ja nach Quelle und Zählweise hätten beide zusammen ca. 130.000 bis 150.000 Mitarbeiter. Bei einer Fluktuation von 4-5% im Bankgewerbe und gleichzeitigem Einstellungsstopp bauen sich alleine hierdurch zwischen 15.600 (130T/3J/4%) und 37.500 (150T/5J/5%) Stellen ab.