Bei der Betrachtung der einzelnen Werte meiner Watchlist konnte ich demnach folgende Gründe für den teils massiven Absturz einiger Titel erkennen:
Politische Risiken und Umweltauflagen
Wer in Minen investiert ist nicht selten in Ländern engagiert, die gewaltige politische Risiken aufweisen. Einer unserer Favoriten, Torex Gold, musste dies anhand erpresserischer Methoden durch die heimische Mafia erfahren. Burkina Faso (Angriff auf die mittlerweile übernommene Semafo Gold - Mitarbeiter mussten hier mit dem Hubschrauber evakuiert werden) oder Mali mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen (Hummingbird Resources), vielfach aber einfach politische Verschiebungen wie zuletzt in Peru brachten dort etwa Aftermath Silver und Bear Creek Mining deutliche Bewertungsabschläge. Was das Thema Umweltauflagen betrifft, kam zuletzt Kore Mining in Kalifornien an seine Grenzen, Northern Dynasty in Alaska. Bei Atac Resources wird wohl niemals die Straße genehmigt, die für den notwenigen Abtransport gebraucht würde.
Verwässerung (Dilution) durch die stetige Ausgabe neuer Aktien
Was mir besonders missfällt ist die Art und Weise, wie innerhalb der Branche mit den Kleinaktionären umgegangen wird. Institutionelle Investoren haben es faktisch überhaupt nicht nötig, an der Börse einzusteigen, weil dies prinzipiell über die Ausgabe neuer Aktien in Form von Kapitalerhöhungen erfolgt. Dies wird uns gerne positiv als "Deal Financing" verkauft, was mir trotz der Sogwirkung einiger Großinvestoren wie etwa Eric Sprott schon immer missfiel. Zum einen erfolgt der Einstieg oftmals zu Kursen, die jenseits von Gut und Böse 30-40 Prozent unter dem aktuellen Marktpreis liegen. Garniert wird das Ganze noch durch Warrants, die mit Laufzeiten von 24 Monaten sämtliche Kursanstiege auch künftig ausbremsen. Denn oftmals werden Aktien am Markt verkauft um einfach zu den günstigeren Optionen den Bestand zu erhalten, was immer für Abverkäufe im Markt, gerade in Schwächephasen, sorgt. In Kanada etwa wird dieser Quereinstieg ja noch steuerlich mit 30% zusätzlich belohnt. Da ich seit Jahren innerhalb meiner Watchlisten alle sechs Monate die Anzahl der ausstehenden Aktien dokumentiere, fällt mir dies besonders auf. Es gibt kaum einen Explorer, bei dem die Anzahl der Aktien nicht um mindestes 50 Prozent erhöht wurde! Wer rechnen kann wird schnell merken, dass dies natürlich bei der Zugrundelegung einer anvisierten realistischen Marktkapitalisierung uns Kleinanleger massiv ausbremst. Hier nur ein paar Beispiele, die etwa auch Favoriten unseres Forums betreffen - alles binnen 18 Monaten:
- Troilus von 62 auf 196 Millionen Aktien
- Dolly Varden von 84 auf 130 Millionen Aktien
- Spanish Mountain Gold von 140 Mio auf 330 Mio Aktien
- Nighthawk Gold von 44 Mio auf 80 Mio Aktien
- Kore Mining von 74 Mio auf 114 Mio Aktien
- AbraSilver von 250 Mio auf 420 Mio Aktien
- Turmalina von 40 auf 67 Mio Aktien
...
Wie gesagt, nur ein kleiner Auszug. Denn es betrifft alle Explorer. Selbst bei Skeena ging die Aktienanzahl von 172 Mio auf 248 Mio hoch, wenn man den Reverse-Split mal herausrechnet. Mir ist bewusst, dass so die Exploration finanziert werden muss und die Projekte danach meist werthaltiger sind. Das WIE ist jedoch das Entscheidende. Ich möchte damit verdeutlichen, dass es dadurch einfach komplett unrealistisch wird, hier weiterhin von X-Baggern auszugehen, da sämtliche Anstiege ausgebremst werden, wenn sich die Aktienanzahl vervielfacht. Es ist eben ein Finanzierungsmodell, dass uns einfach aufgrund fehlender Kreditaufnahmen, die innerhalb des Minensektors oftmals völlig zu recht (das Geld wir bei Bohrungen schlicht vielfach nicht nur sprichwörtlich in den Sand gesetzt) als hochriskant eingestuft und mit zweitstelligen Zinssätzen erfolgen würden, auch Produzenten betreffen. Santacruz Mining hat so den Kauf der Zimapan Mine finanziert - nur bleiben dadurch natürlich erst mal weitere Kursanstiege aus. Wir müssen hier also lernen die Marktkapitalisierungen und nicht das Kursniveau als Vergleichsmaßstab heranziehen - und da sind viele Minen also selbst auf dem aktuell niedrigem Niveau noch deutlich teurer als in den Vorjahren. Innerhalb der Baisse-Jahre erfolgt dann nicht selten der Re-Split. Wem also die Inflationierung innerhalb des Finanzsystems als Betrug aufstößt und gleichzeitig in Explorern sein Geld als Wette gegen die allgemeine Inflation betrachtet, lügt sich in die eigenen Tasche.
Was dringend notwenig ist, wäre ein Umdenken weg vom "Lieber Insti nimm Anteile, egal zu welchem Preis"- hin zu einem "Was bist du bereit zu zahlen, um dabei zu sein"-Denken im Sektor. Diese Art von Marketing beherrschen nur ganz wenige CEOs und CFOs - positive Beispiele sind hier ganz klar Great Bear Resources oder sogar Vizsla Silver, die damals Eric Sprott nach einem Anstieg von 400% noch deutlich über 2 Dollar pro Anteil hatten zahlen lassen und damit als einer von wenigen Explorern die Anzahl der ausstehenden Aktien klein halten konnte und zudem jeweils massive Bohrprogramme bis 2023 finanzieren konnten. Das aktuelle Kursniveau dankt es, bei beiden verhältnismäßig moderate Kursrückgänge, die ich als gesunde Korrektur auf dem weiteren Weg einstufen würde. Dies muss auch eines der entscheidenen Auswahlkriterien bei der Wahl eines guten Explorers sein: Laufende Bohrprogramme, die bereits finanziert sind.
Spin-Outs
Neuerlich kommt in Mode, dass noch so kleine Explorer Teilbereiche ausgliedern. Das mag bei Konzernen sinnvoll sein, bei Explorern halte ich das für äußerst zweifelhaft. Beispiele neben Great Bear Resources: Kore Mining, Vizsla (Copper), Kootenay Silver - ich könnte so weitermachen. Wie gesagt, halte ich bei Briefkastenfirmen, und nicht viel mehr sind das teils, für masslos, wenn am Ende dann ein illiquider Spin-Off von fünf Mio Can$ an der Börse nach gar nur im Depot verbucht wird. Der Wert des ursprünglichen Unternehmens verringert sich natürlich ebenfalls um den Wert des eventuell illiquiden Spin-Offs.
Übernahmen und Delisting
Dieser Abschnitt passt sehr gut auch in den Bereich politische Risiken, da es hier Überschneidungen gibt. Uns muss einfach klar sein, dass wirklich reizvolle Investments wie Highland Gold oder Transsiberian Gold Begehrlichkeiten wecken. Beide wurden mit minimalen Aufschlägen abgefunden, was mich ehrlich gesagt noch heute schmerzt. Zwar kein Verlust, aber entgangene Gewinne.
Probleme innerhalb des Unternehmens
Auch hier muss man ehrlicherweise sagen, dass es branchenbedingt zu Unabwägbarkeiten kommt, die den Unternehmenswert massiv beinträchtigen können und die AISC in der Folge massiv erhöhen. Einstürzende Wände oder der Eintritt von Wasser - Great Panther Mining kann hiervon ein Lied singen. Auch bei Equinox läuft seit der Fusion mit Leagold vieles nicht mehr so rund, was zuvor über Jahre das Management noch auszeichnete. Bei Pure Gold sieht es noch schlechter aus. Auch diese Abschläge sind stand jetzt gerechtfertigt.
Kleine oder unwirtschaftliche Projekte
Bei der Projektauswahl stellt sich für mich immer häufiger heraus, dass bei den immer stärker steigenden AISC Vorkommen von 1-2 Mio Unzen nicht wirtschaftlich abbaubar sind. Besonders, wenn diese mehr als 100 Kilometer vom nächstgrößeren Projekt eines potentiellen Übernehmers entfernt liegen. Einzig das direkte Angrenzen an einen größeren Player kann hier noch genannt werden - Straßen und technisches Equipment von mehreren hundert Millionen Dollar an CAPEX lohnen sich einfach nicht für einen erzielbaren Gesamtumsatz von 1-2 Milliarden Dollar. Daher ist die Bewertung pro Unze von teils 4-5 Dollar durchaus gerechtfertigt, wenn diese nicht abgebaut werden können. Ich befürchte Genesis Resources wird dieses Schicksal ereilen, Atac Resources mit einer Lage im Nirvana sowie weitere Projekte, die jetzt schon mit dem Hubschrauber angeflogen werden, ebenso.
Ich denke anhand der obigen Beispiele wird deutlich, dass die Kursabschläge teils völlig zu recht erfolgten. Dies verdeutlicht eindrucksvoll die Tatsache, dass es trotz der schweren Börsenphase nach wie vor genügend Gewinner gibt, die nicht nur von vorübergehender Euphorie (Neufundland-Spekulationen im Mai 2021) getrieben werden und danach wieder in sich zusammenfallen. Als positive Beispiele, die seit letztem Jahr sogar zulegen konnten und sich gerade höchstens in einem kurzen Verschnaufen vor neuerlichen Anstiegen befinden, sind viele Minenwerte, in die @Nebelparder konsequent in seinem Wikifolio investiert. Auch Kirkland Lake Gold konnte sich nach den Querelen der Übernahme nun wieder auf alte Höhen heranpirschen und wird im nächsten Jahr IMHO darüber ausbrechen. K92 Mining oder Perseus Mining sowieso. Gute Bohrergebnisse werden weiterhin belohnt - Newfoundland Gold, Eskay Mining oder Chalice Gold verdeutlichen dies im Zuge völliger Neubewertungen. Insbesondere Royalities und Schwergewichte wie Zijin Mining, Newmont Mining oder Polyus haben jedes Depot gut durch die aktuelle Phase gelenkt. Klar ist, dass wir uns derzeit in einer Verschnaufpause befinden. Abschläge von 20-30 Prozent vom Hoch sind für mich daher völlig normal und kein Grund zur Sorge. Das blende ich aktuell aus. Bei ausgewählten kleineren Titeln bieten sich hier vielversprechende Kaufgelegenheiten. Für mich gehören hierzu etwa Mandalay Resources, Calibre Mining oder auch Silverlake Resources.
Sollten wir das Glück haben, spätestes im kommenden Jahr in den erneuten Genuss der euphorischen Phasen zu kommen, wird die Flut auch hier alle Boote erneut anheben und uns hohe Kursgewinne bescheren. Das Bewusstsein, diese jedoch zu erkennen, die Wellen zu reiten und auch rechtzeitig auszusteigen, sollte spätestens dann vorhanden sein. Qualität setzt sich am Ende letztlich immer durch und die gilt es, langfristig ausfindig zu machen