Was den Schwarzmarkt in einer Wirtschaftskrise angeht, sollte man auf diejenigen hören, die so etwas mal an eigenem Leib erfahren haben und nicht auf die vielen Theoretiker die hier plötzlich auftauchen um den Wert von Gold anzuzweifeln.
Zitat aus dem Münzenforum:
"Also: wenn ich dazu etwas sagen darf, dann das Folgende: ich bin ein alter Mann (80 J. - sog. Flakhelfer-Generation). Man muß zu Gold nicht viel sagen, eines aber ist sicher und ich habe das ja selbst erlebt: ich habe persönlich gesehen, daß - als wir alle hungerten und ein Kanten altes Maisbrot eine Delikatesse war - ein Nachbar von Zeit zu Zeit ein 20-Mark-Stück aus der Kaiserzeit hervorholte (er hatte offensichtlich reichlich davon). Er kaufte damit auf dem Schwarzmarkt all´das, was wir nicht hatten. Lebensmittel aller Art, Kleidung, Briketts zum Heizen, Zigaretten etc. Er sagte mir, daß er mit einer einzigen dieser Goldmünzen seine 3-köpige Familie zwei Monate lang ernähren könne. Das ist doch was - oder etwa nicht? - Ob solche Zeiten mal wiederkommen, das weiß man natürlich nicht. Ich habe aber gelernt, daß es ungemein beruhigend ist, etwas von diesem gelben Metall in der Hinterhand zu haben. Wenn´s dann schließlich nicht gebraucht wird - umso besser! Mit einem Krieg wird man in Europa jetzt nicht mehr rechnen müssen. Wenn aber die Amis ihre Handelsbilanz nicht bald in den Griff bekommen (sie brauchen pro Tag drei Milliarden Dollars neues Geld), dann kann man auch als Optimist nicht übersehen, daß es in nicht allzu ferner Zeit zu einer Weltwirtschaftskrise kommen muß!
Merke: nur Gold ist Geld! (Silber natürlich auch).
Grüße an alle Gold-Skeptiker!"
Quelle: http://www.emuenzen.de/forum/g…tanlage-3.html#post507483
Und:
"Heinz Voigtlaender hat vor Jahren in der Münsterschen Numismatischen Zeitung von K. Dombrowski mal einen Artikel über Löhne und Preise im 20. Jahrhundert veröffentlicht.
Darin hat er sich über die Zeit kurz nach dem II. WK wie folgt geäußert:
Die Zeit von 1945 bis 1948
Mit der Beendigung des Kriegszustandes waren keineswegs die Not und das Elend beendet. Für viele wurde es schlimmer und immer hoffnungsloser. Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen strömten in das kleiner gewordene Rest-Deutschland. Die größeren Städte waren durch den Bombenkrieg so zerstört, dass sie fast unbewohnbar waren.
Es gab nun nicht endlich mehr, sondern noch weniger Lebensmittel als vorher. In den Familien fehlten die Väter und Söhne, die in Gefangenschaft geraten waren, in Lazaretten lagen oder gefallen waren. Die letzten Gefangenen kehrten erst zehn Jahre später aus der Sowjetunion zurück. Diese "Heimkehrer" machten einen herzerweichenden Eindruck auf die inzwischen wohlgenährten Bürger des "Wirtschaftswunders. Wer diese Zeit nicht erlebt hat. kann sie sich heute nur noch schlecht vorstellen.
Die Karten- und Markenwirtschaft blieb bestehen. Das, was man mit ihnen beziehen konnte, hatte in etwa die gleichen Preise wie in den letzten Kriegsjahren. Aber zum Sattwerden reichten diese Mengen nicht. So gab es z. B. in Münster im November 1946 pro Einwohner pro Tag "50 Kalorien auf Marken. Das ist eine Menge, die unter dem Existenzminimum liegt. So musste "besorgt", gestohlen und getauscht werden auf dem immer noch bestehenden und noch verstärkten Schwarzen Markt. Dem des Schwarzschlachtens Überführten drohte zwar nicht mehr wie zu Kriegszeiten die Todesstrafe, aber Gefängnis und hohe Geldstrafen waren durchaus üblich.
Auch die Zigarettenwährung galt weiter, das Stück für 6,00 RM. für die praktisch alles zu haben war, wenn man sie richtig einzutauschen verstand, denn bald begannen die gut verpflegten Besatzungstruppen, ihren Überfluss gegen Dinge einzutauschen, die sie für begehrenswert hielten. So gingen vor allem Kunstgegenstände. Kulturgut und Schmuck ins Ausland, denn diese hatten in einer Zeit, wo es ums Überleben geht, nur noch begrenzten Wert.
In den ersten beiden Nachkriegsjahren, als "Fraternisierungsverbot"' bestand, war das Verhalten der Besatzungstruppen nicht sehr freundlich. Prügel bei Verhören waren keine Seltenheit, Wut und Rache mussten erst einmal befriedigt werden. Erst langsam besserte sich dies.
Es wurde auch neues Geld ausgegeben. Dies war eine schon vor Kriegsende erfolgte Planung der Alliierten, denn auf den Geldscheinen, die in den USA hergestellt worden waren, stand "Serie 1944". Die verhältnismäßig kleinen Scheine waren einfach in der Ausführung, halten eine grün/blaue Farbe und den Aufdruck "Alliierte Militärbehörde - Serie 1944 - In Umlauf gesetzt in Deutschland - [Registriernummer} - Eine Mark". In der Mitte der Rückseite trugen die Scheine ein "M", das von Arabesken eingerahmt war. General Eisenhower hatte diese Geldscheine wohl schon im Sommer 1944 bei der Landung der Alliierten in der Normandie mitgeführt. Nach Kriegsende liefen sie nun in Restdeutschland neben dem Geld aus der Hitlerzeit (und teilweise noch neben dem aus der Weimarer Republik) bis zur Währungsreform um. Die Fälschung dieser Scheine wäre für Scanner kein Problem gewesen, aber für Geld war damals nicht viel zu bekommen, und man kannte genügend andere Wege, die benötigten Dinge zu erhalten.
Wie tief verwurzelt in dieser Zeit der Neid im deutschen Volk sitzen konnte, zeigt eine Begebenheit aus Stade. Im November 1946 richtete sich die neugegründete Kassenärztliche Vereinigung in einigen Baracken ihre Büroräume ein, Um Heizmaterial anzufordern, suchte eine Mitarbeiterin das Wirtschaftsamt auf. um sich die dazu erforderlichen Bezugsscheine ausstellen zu lassen. Sie war Flüchtling aus Ostpreußen und trug ihren einzigen Mantel, einen abgeschabten Fohlenmantel. den sie bereits auf der Flucht getragen hatte. Sie bekam zur Antwort, da sie doch einen Pelzmantel habe und deshalb keine Kohlen brauche. Als sie am nächsten Tag in einem geliehenen fadenscheinigen Wollmantel ihren Antrag erneut vortrug. erhielt sie den Bezugsschein.
Die sowjetische Besatzungzone (SBZ) wurde erst am l. Juli 1945 vervollständigt, weil sich an diesen» Tage die Amerikaner und Briten aus den von ihnen besetzten Teilen Mecklenburgs, Sachsen-Anhalts, Thüringens und Sachsens zurückzogen, um sie den Sowjets zum Tausch gegen die Westsektoren Berlins zu überlassen. Schon am 10. Juli wurde die "Einheitsfront anti-faschistisch-demokratischer Parteien“ gegründet unter starker Einflussnahme der Kommunisten. Ab Januar 1946 begann in ganz Deutschland die ""Entnazifizierung" mit den berühmten Fragebögen, die dann als Reaktion die ebenso berühmten sog. "Persilscheine" nach sich zogen.
Am 21./22. April wurden in Berlin die KPD und die SPD zur "Sozialistischen Einheitspartei" zusammengeschlossen. In der Folgezeit eroberten sich die Kommunisten gegenüber den Sozialdemokraten die Formachtstellung innerhalb der Partei.
Anders als die Sowjetunion waren die USA aus politischen Gründen bereits 1947 bereit, am Aufbau des starkzerstörten Europa mitzuhelfen. Mit Präsident Trumans energischer Unterstützung entstand am 5. Juni 1947 der Marshall-Plan. G.C. Marshall war zuvor General gewesen und kannte die Verhältnisse in Europa.
Als Außenminister war er um die Eindämmung des Kommunismus bemüht und setzte ein gewaltiges Hilfsprogramm - auch für den ehemaligen Feind - in Bewegung. Es wird leider oft vergessen zu erwähnen, dass diese Hilfe auch den Staaten Osteuropas angeboten, von diesen jedoch auf Anordnung der Sowjetunion abgelehnt wurde.
Eine Wirtschaft, in der die Waren kontingentiert und preisgebunden sind und in der alle wichtigen Bedarfsgüter nur gegen Marken und Bezugsscheine zu erhalten sind, während der Bürger weiterhin sein Einkommen aus Friedenszeiten erhält, führt zur preisgestoppten Inflation. Diese herrschte nun seit spätestens 1939 in Deutschland und hielt bis zur Währungsreform 1948 an. Auch dann bedurfte es noch mehrerer Jahre, bis die soziale Marktwirtschaft richtig funktionierte und langsam in die Zeit des sog. "Wirtschaftswunders" übergehen konnte.
Löhne 1946:
Eine Primanerin (Flüchtling) verdiente in Lübeck in einer Gärtnerei einen Stundenlohn zwischen 0.60 und 0,75 RM.
Als Sprechstundenhilfe mit zusätzlicher Hausarbeit bei freier Wohnung und Kost erhielt sie 75.00 RM pro Woche,
Der durchschnittliche Jahresverdienst eines Arbeiters betrug
1945 1.778.00 RM 1947 1,833,00 RM
1946 1.779,00 RM 1948 2,219,00 RM
Ein gelernter Arbeiter in einer Fabrik (Vater von zwei Kindern) verdiente im Monat netto 293,00 RM.(nach der Währungsreform verdiente ein Arbeiter pro Stunde 0,96 DM und in der Woche 54,00 DM).
Mir liegt eine Quartalsabrechnung eines Arztes aus dem Regierungsbezirk Stade aus dem letzten Quartal 1946 vor. Der Arzt hatte in diesem Zeitraum 602 Patienten behandelt und erhielt dafür von den Krankenkassen über die Kassenärztliche Vereinigung 4.626,00 RM ausbezahlt. Er hatte also pro Monat brutto 1.540,70 RM verdient, wovon noch die Steuern, Versicherungen, seine Unkosten, Investitionen, Reparaturen und das Gehalt für das Personal abgingen.
Nach der Flucht aus der Ostzone 1947 war ich ein Jahr Lagerarzt beim Deutschen Roten Kreuz in Schleswig-Holstein, Mein Verdienst als Vater von drei Kindern betrug 300,00 RM im Monat bei freier Wohnung (2 Zimmer, Küche und Toilette in einer beheizten Baracke).
Preise 1946:
Alle Güter, die es auf Karten und Marken gab. behielten also für mehr als drei Jahre ihre Preise bei. Für das. was man ohne Marken "schwarz" erwerben wollte, gab es gleichfalls "feste" Preise (zumeist umgerechnet in Zigaretten):
1 Zigarette 6,00-10,00 RM, 1 Tafel Schokolade 60,00 RM
1 Pfd. Brot 12,50RM, 1 Ztr. Kohlen 60,00 RM
1 Pfd. Butter 240,00-500.00 RM, 1 Flasche Schnaps 500,00 RM
1 Pfd.-dänische Margarine 200.00 RM, 1 l Benzin 40,00 RM
1 Pfd. Zucker 75,00 RM, 1 Paar Schuhe 3.000,00 RM
1 Pfd. Kaffee 500,00-1.000,00 RM, Stoff für einen Damenmantel (mäßige Qualität) 1.000,00 RM
Schwarzmarktpreise in Hamburg 1945/46:
1 Pfd. Butter 250,00 RM, 1 Pfd. Fett 175,00 RM
1 Pfd. Zucker 40,00-50,00 RM, 1 Pfd. Rindertalg 130,00 RM
Im November 1945 wurde offiziell auf Marken ausgegeben: 150 g Fleisch, 200 g Butter, keine Milch, keine Eier). Infolge des "Hungerwinters"1946/47 erreichtet! die Schwarzmarktpreise danach ungeahnte Höhen. Die Care-Pakete aus den USA linderten damals die ärgste Not.
Die Schulspeisung kostete 0,35 RM. Es gib eine Milchsuppe oder Eintopf mit Fleisch,
Eine Bahnfahrt von Lübeck nach Hamburg kostete 5,20 RM.
1946 betrug der Tagessatz im Kreiskrankenhaus Osterhofe (135 Betten)
2. Klasse 10,00 RM 3. Klasse 4,50 RM
Kinder 7,50 RM Kinder 3,50 RM
Medizinstudium in Kiel 1947:
Kolleggelder SS 1948 251.00 RM bei "reichlicher Belegung", Miete auf dem Studentenwohnschiff (Saal mit 24 Personen) 15,00 RM im Monat.(Gebühren für Staatsexamen 1951 120.00 DM; Gehalt im Pflichtassistentenjahr 1952 in Minden 50,00 DM bei freier Verpflegung; nach Ablauf dieser Zeit als "unverheiratete Hilfsassistentin" 150,00 DM.). Blutspende 10.00 RM für 100 cm3 (die gleiche Summe wie vor dem Krieg). Gegen Ende des Jahres 1948 kostete l Pfd. Kaffee je nach Qualität 15.00-17.00 DM. In dieser Zeit blieben auch die Wohnungsmieten unangetastet. Eine Wohnung in Berlin {Westteil) von 72 m= (3 Zimmer, (Küche und Bad) kostete vom 1.3,1934 bis 30.6.1953 unverändert 62.00 RM bzw. DM pro Mona«.
1945/46 durften in den drei Westzonen die ersten Zeitungen erscheinen. Der "Neue Hannoversche Kurier" erschien einmal in der Woche, hatte vier Seiten und kostete 0,20 RM Die "Süddeutsche Zeitung" kostete im Oktober 1945 0.20 RM, Am 2.4.1946 erschien „Die Welt“ und im November "Diese Woche" (Herausgeber Rudolf Augstein), der Vorläufer des "Spiegel", für 1,00 RM. Der "Stern" war mit 16 Seiten ab 1,8.1948 für 0,40 DM zu haben, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung" 1949 für 0,20 DM."
Quelle: http://www.emuenzen.de/forum/g…tanlage-3.html#post507571
Also, wer lieber walahfrids Muscheln sammeln möchte, bitteschön. Dann bleibt mehr Gold für mich und alle diejenigen, die bei Verstand sind.
Gruß
mvd