Noch ein Wort zur heiligen Kuh "Spotpreis"
In der momentanen Euphorie lesen viele das Kleingedruckte nicht und erst recht nicht auf Websites. Zu dem hier im Forum täglich mindestens 10 mal angefügten Chart von Kitco muß man nämlich wissen, worauf er sich bezieht. Und das steht auch ganz unten auf Kitcos Startseite:
"The quotes on this page are relevant for trading precious metals in their pure, standard, exchange-approved, bar form."
Ist da irgendwo von kleinen Münzen mit dem Gewicht von 1 Unze die Rede? Nein, natürlich nicht, es geht um ganz normale Standardbarren mit einem Gewicht von 12,5kg.
Von allein werden daraus keine Münzen. Ein metallverarbeitendes Unternehmen kauft so einen Barren, walzt ihn zu dünnen Blechen aus und stanzt dann die Rohlinge für die Münzen aus. Der Rest wir wieder eingeschmolzen und neu ausgewalzt. Für Münzen die nicht aus reinem Gold bestehen, wird der Barren sofort eingeschmolzen und mit dem Zusatzmetall (meist Kupfer) legiert. Die Rohlinge werden dann von den Prägeanstalten gekauft, das heißt schon jetzt ist die zukünftige Münze teurer als der Spotpreis.
Der Stempel will nun auch noch gefertigt werden und eine zumindest rudimentäre Verpackung muß auch gekauft werden. Aus diesem Grund wird in allen mir bekannten Münzkatalogen der Wert einer neuen 1oz Handelsgoldmünze mit dem Spotpreis +5% angegeben und daran orientieren sich auch die Banken und die Händler.
Als Sammler orientiere ich mich ausschließlich an diesem Preis und erwarte dafür bei jedem Händler und jeder Bank ausschließlich Neue und einwandfreie Münzen. Allerdings zahle ich diesen Preis auch für ältere Münzen in neuwertigem Zustand, also unberührte und verkapselte Ware, für seltene Jahrgänge lege ich auch gern noch etwas drauf.
Münzen in schlechterer Erhaltung sind nun aber grundsätzlich weniger Wert als Neuwertige, das ist wohl keinem ein Geheimnis. Und das soll für Handelsgoldmünzen plötzlich nicht mehr gelten? Nur weil seit 2 oder 3 Jahren ein paar völlig ahnungslose "Anleger" wie verrückt alles kaufen wo Gold draufsteht, heißt das nicht, daß dieses auch in Zukunft so bleibt. Und dann wandern alle Schrottmünzen wieder dorthin wo sie hingehören, nämlich in die Scheideanstalt.
Dort wird dann daraus wieder die "standard, exchange-approved, bar form". Der Haken daran ist, daß dies teurer ist als die Herstellung der Münzen. Zunächst wird das gesamte Bruchgold, daß ein Kunde anliefert zu einem einzigen Barren gegossen. Dieser wird gewogen und dann angebohrt und anhand der Bohrspäne wird im Labor der Edelmetallgehalt des Barrens analysiert. Dann wird der Barren zusammen mit vielen anderen erneut eingeschmolzen und durch ein Sieb zu Pellets verarbeitet. In verschiedenen Säurebädern werden dann die einzelnen Edelmetalle extrahiert und getrennt, anschließend wieder eingeschmolzen und zuletzt dann zu Standardbarren gegossen. All das ist aufwendig und teuer und erst jetzt erzielt das Metall am Weltmarkt wieder den Spotpreis.
Der von ageka genannte Spotpreis -20% für Schrottmünzen ist deshalb keine Erfindung von spinnerten Münzsammlern, sondern weltweit gelebte Realität.
Gruß
mvd