Habe ein dickes Buch (XXVI + 842 Seiten) von Walther G. Hoffmann: Das Wachstum der deutschen Wirtschaft seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, erschienen 1965. Das Buch ist antiquarisch erhältlich, beim Springer-Verlag auch als Nachdruck oder .pdf-download. In Bibliotheken müsste man es ebenfalls finden. Es ist nach Absicht und Ergebnis eine umfangreiche Materialsammlung ohne viel Theorie. Das Buch beschränkt sich auf Deutschland. Hier wurden um 1850 in den Teilstaaten Statistikämter gegründet. Daher beginnt da die Untersuchung. Davor gibt es wohl nur anekdotische Angaben. Die Daten enden 1959.
Allein das Kapitel über Preise umfasst 73 Seiten (544 - 617). Es sagt gleich zu Beginn, dass nicht Preise allgemein untersucht werden, sondern nur die, die zur Deflationierung anderer Zeitreihen benötigt werden. Die Problematik von Preisvergleichen über lange Zeiträume wird sehr deutlich. Preise für Autos (nur Anschaffung) gibt es z.B. seit 1925. Was der Landarzt vorher für seinen Einspänner aufgewendet hat, ist nicht erfasst. Bierpreise gibt es erst seit 1870 und nur für Bayern; davor "wird ein konstanter Preis unterstellt" (S. 588).
Zu den Preisen für den privaten Verbrauch heißt es (S. 137): "Im Jahre 1950 ist die Lebenshaltung der Haushalte nicht ganz viermal so teuer wie um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, rund doppelt so teuer wie vor dem Ersten Weltkrieg und um rund 70 % teurer als vor dem Zweiten Weltkrieg."
Die einzigen Preisreihen zum ganzen Nettosozialprodukt finden sich auf S. 599, Tabelle 148, Spalten 14 (erst ab 1880) und 15. Ich gebe Euch die Werte aus Spalte 15 von 10 zu 10 Jahren (1913 = 100): 1850: 57,6; 1860: 70,8; 1870: 77,1; 1880: 82,2; 1890: 82,8; 1900: 86,5; 1910: 97,3; 1925: 141,8; 1930: 141,9; 1950: 203,9; 1959: 260,1.
Aus den Angaben zum Nettosozialprodukt zu Marktpreisen in laufenden und in Preisen von 1913 (S. 105, Tabelle 36, Spalten 9 und 10) habe ich mal einen Index des Geldwertes errechnet (1913 = 1). Danach ist der Geldwert von 1,53 (1850/54) auf 0,68 (1925/29) und auf 0,40 (1955/59) gesunken. Das stimmt mit den Angaben oben ganz gut überein. Ungenau bleiben die Angaben trotzdem. Die Größenordnung ist aber glaubhaft.
Gruß! Fritz