Meine Fragen an dich:
Welche Marktteilnehmer können sich hohe CO2-Emissionen und die damit verbundenen Kosten (Steuern, Zertifikate, etc.) leisten und dank ihrer Marktstellung problemlos an den Abnehmer weitergeben?
Welche Marktteilnehmer können sich kostenintensive Klimaschutzmaßnahmen leisten, etwa CO2-Filter, alternative (aber ineffiziente) Energieträger oder komplette Umstellungen des Produktionsprotesses?
Welche Marktteilnehmer können bei Verstößen evtl. fällige Strafen locker wegstecken oder dank ihrer Beziehungen abmildern?
Welche Marktteilnehmer werden bei dieser "Klimarevolution" wohl untergehen und welche bleiben bestehen?
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Hallo Dark-End und alle,
um die Fragen zu beantworten, muss ich etwas ausholen, um zu klären, was geschehen müsste.
Seit Beginn der Industrialisierung hat die Menschheit ungeheure Mengen Kohlenstoff aus der Erde geholt und zu CO2 gemacht, mit zunehmender Tendenz, das meiste in den letzten Jahrzehnten. Das ist hoffentlich unstreitig.
Der natürliche Kohlenstoffkreislauf war im Gleichgewicht, die menschengemachten Mengen treten hinzu. Ein Teil davon verschwindet in natürlichen Senken, hauptsächlich im Meer (das dadurch saurer wird und bei zunehmender Temperatur weniger aufnimmt) und in der Vegetation. CO2 hat eine Düngewirkung, die Vegetation nimmt dadurch zu, bis sie an andere Grenzen (Wasser, Bodennährstoffe) stößt. Übrigens liegt es im Begriff der Senke, dass sie sich allmählich füllt.
Der andere Teil, heute etwa die Hälfte, findet sich in der Luft. (Vor rund 20 Jahren hörte ich Ernst-Ulrich von Weizsäcker noch sagen: etwa ein Drittel). Gegenüber der vorindustriellen Zeit ist der CO2-Gehalt der Luft um etwa die Hälfte gestiegen, von 275 - 285 ppm (parts per million) auf über 415 ppm. Jeder kann das mit den nötigen Geräten nachmessen. Fast zwei Drittel des Zuwachses entfallen auf die letzten 50 Jahre, mit steigender Tendenz.
CO2 lässt Strahlung im sichtbaren Bereich durch, absorbiert aber Infrarotstrahlung. Es lässt also, wie das Glasdach eines Gewächshauses, Strahlung herein, aber (teilweise) nicht wieder hinaus. Daher kommt der Begriff Treibhauseffekt. Mit einer reflektierenden Schicht hat das nichts zu tun. Natürlich gibt das CO2 die Energie sofort an die anderen Luftgase weiter. Da es mit diesen innig vermischt ist, also der Effekt bei gleicher Einstrahlung überall gleich ist, führt das nicht zu Konvektion (die es aber aus anderen Gründen gibt).
Aus einer unstreitigen (Erzeugung von CO2 durch den Menschen), einer messbaren (CO2-Anteil in der Luft) und einer physikalisch gesicherten Tatsache (Absorption von Infrarotstrahlung durch CO2) ergibt sich also zwingend, dass es mit zusätzlichem CO2 in der Atmosphäre wärmer ist als ohne dieses. Es ist nur wenig CO2 in der Atmosphäre, der Effekt ist daher nicht stark, er dürfte bis jetzt etwa ein Grad betragen. Sich hier um zehntel Grad zu streiten, halte ich für müssig. Es geht ja um die künftige Entwicklung. - Als Treibhausgase wirken auch Wasserdampf (vom Menschen kaum zu beeinflussen, mit steigender Temperatur zunehmend) und Methan (durch menschliche Tätigkeit zunehmend).
Die Erwärmung kann man nicht nur messen, sondern auch beobachten. Eisflächen schmelzen ab, an den Gletschern kann das jeder sehen, für die Arktis schön dargestellt von Smithm in post 11549, 1550 und 1558 (S.78) und von woernie in post 2454 (S.123); Nordwest- und Nordostpassage sollen befahrbar werden. Verbreitungsgebiete von Pflanzen und Tieren verschieben sich nach Norden (wir kriegen Malaria). Übrigens leugnen ja die meisten "Klimaleugner" weder den CO2-Anstieg noch die Erwärmung, sondern nur den ursächlichen Zusammenhang dazwischen. Die Ursache sehe ich darin, dass das Absorptionsverhalten von CO2 nicht bekannt oder nicht verstanden ist - wenn es nicht einfach die Weigerung ist, sich einer unbequemen Tatsache zu stellen.
Fatal sind die Selbstverstärkungseffekte. Das Verschwinden von Eisflächen senkt die albedo, es wird weniger Strahlung reflektiert und mehr absorbiert. Permafrostboden taut auf und entlässt weitere Treibhausgase. Mehr Wasserdampf in der Atmosphäre, und das Meer nimmt weniger CO2 auf. Grönland taut ab, danach die Antarktis. Wenn schließlich die Methanhydrate anfangen auszugasen, dann ist wirklich Matthäi am letzten. Das zwei-Grad-Ziel wurde nicht gewählt, weil da die Komfortzone aufhört, sondern weil darüber die Selbstverstärkungseffekte überwältigend werden.
Bis hierhin habe ich stichwortartig wiederholt, was ich schon früher gesagt habe, damit Ihr nicht die alten Beiträge raussuchen und nachlesen müsst (was kaum einer gemacht hätte). Meinen Studierenden schrieb ich in solchen Fällen dazu: Diesen Text kannten Sie schon. Er bleibt richtig.
Aber was ist nun die Konsequenz? Was muss geschehen?
Kohle, Oel und Gas (in dieser Reihenfolge) müssen im Boden bleiben.
Wenn man das denkt, erschrickt man erst einmal. Ohne Treibstoff fliegt kein Flugzeug, fährt kein Auto und kein Schiff. Auch Stahl z.B. kann ohne Kohle nur wenig hergestellt werden (Elektrostahl). Wie sollen wir nach Thailand kommen, wie in die USA? Wie soll der Pendler seinen Arbeitsplatz erreichen, wie die Waren aus China herkommen? Wie im Winter heizen?
Der mainstream will uns einreden, dass das Klima sich ohne Konsumeinbuße retten lasse. Aber das halte ich für illusionär, um nicht zu sagen verlogen.
Flugzeuge lassen sich mit synthetischen oder Biotreibstoffen fliegen. Die gibt es, aber bei weitem nicht in den heute verflogenen Mengen. Batteriefahrzeuge kann man bauen, aber um die Stückzahlen der Verbrenner zu ersetzen, gibt es weder die Rohstoffe noch die Energie. Wasserstoff plus Brennstoffzelle ist auch eine technisch mögliche Lösung, aber wegen der hohen Umwandlungsverluste nicht massentauglich; auch soll der Wasserstoff ja mit Überschussstrom hergestellt werden, den gibt es nur zeitweise, die Anlagen stehen also die meiste Zeit still, das ist unwirtschaftlich. Das Autozeitalter geht unwiderruflich zu Ende, so oder so.
Strom aus Sonne, Wind und Wasserkraft muss die fossilen Energieträger ersetzen. Dazu muss die Erzeugung gewaltig ausgebaut werden. Sonne und Wind gibt es genug, aber alles andere ist aufwendig und zeitraubend. Vor allem braucht es aber Speichersysteme. Jeder weiß, dass die Sonne nachts nicht scheint, und dass der Wind weht, wann er will und nicht wenn wir Strom brauchen. Dass sie das all die Jahrzehnte lang fast völlig vernachlässigt haben, ist der beste Beleg für den Schwachsinn der Pseudogrünen. Kürzlich wurde eine Hohlkugel aus Beton im Bodensee versenkt, da wo er am tiefsten ist. Die wird mit Überschussstrom leergepumpt, bei Bedarf erzeugt das unter hohem Druck einströmende Wasser wieder Strom. Das ist aber erst ein Versuch. Den hätte man schon vor 40 Jahren machen können, Hohlkugeln aus Beton konnte man da auch schon.
Insgesamt müssen wir uns auf ein materiell viel bescheideneres Leben einstellen. Und das halte ich nicht für ein Unglück. Der Kern unserer Kolonisierung durch Amerika ist doch, dass sie uns beigebracht haben, das wichtigste im Leben sei Geld und was man dafür kaufen kann. Das ist eben nicht wahr, und wir sollten uns davon freimachen. Das meiste von dem Konsumschrott ist überflüssig wie ein Kropf, die Werbung jubelt es uns mit List und Tüpcke unter; ein Großteil der kreativen Intelligenz des Landes wird dafür vergeudet. Die junge Frau, die sich nicht schön genug findet, kauft massenhaft Kosmetika und Klamotten; weil sie davon nicht schöner wird, muss sie immer weiter kaufen. Der Wegfall vieler Produkte setzt massenhaft Arbeitskräfte frei; man könnte die Arbeitszeit massiv verkürzen, etwa auf die Hälfte. Freizeit ist auch eine Form von Reichtum.
Eine Entwicklung wie die hier skizzierte kann den Mächtigen nicht gefallen; sie wäre das Ende ihrer Macht. Darum haben sie zuerst die Klimaleugnung organisiert. Aber, wie schon gesagt: Auf die Dauer ist die Macht der Tatsachen stärker als die Macht der Mächtigen. Darum beziehen sie jetzt eine zweite Verteidigungslinie nach dem Muster: Wasch mir den Pelz, aber mach ihn nicht nass. Ähnliches hat schon Cicero beschrieben: "Ut aliquid fieri videatur" - damit es so aussieht, als ob etwas geschehe. Die CO2-Steuer ist pille-palle, sie bewirkt wenig und trifft die Falschen. Man könnte die Mehrwertsteuer ersetzen durch eine Ressourcensteuer nach dem Prinzip: Besteuert wird (nur), was nicht nachwächst. Das schüfe massive Sparanreize, per saldo ohne Mehrbelastung. Der Gedanke ist nicht schwierig, jeder könnte drauf kommen. Vorgeschlagen habe ich das schon Anfang 1983, bei Gründung der neuen Partei Liberale Demokraten. Problem nur: Es hat keine Sau interessiert.
Mit meinen Argumenten durchzudringen mache ich mir wenig Hoffnung. Wahrscheinlich wird die Menschheit die Karre an die Wand fahren. Zäh genug zum Überleben wird sie wohl sein. Aber ich habe Euch eine Antwort versprochen, da ist sie.
Gruß! Fritz