Klingt gut. Einfach mal das Auto stehen lassen und ausschlafen, dann den Tag über spazieren gehen und rumliegenden Müll einsammeln, das spart jede Menge CO2 und ist auch noch gut für die Umwelt!
Wenn das jeder für ein paar Wochen ab einem festgelegtem Zeitpunkt macht, wäre das System demaskiert.
Da bin ich fast ganz bei Dir. Weniger unnötiges Zeug produzieren und verbrauchen, anstatt dass man sich einreden lässt, das sei Wohlstand. Meine Studierenden hätte ich aber deshalb nicht versetzen mögen.
Im zweiten Teil Deiner Ausführungen, das mit dem 'Ende der Mobilitäts-Gesellschaft' und dem 'einfachen Leben', meine ich so etwas wie eine 'schwärmerische Hinwendung' zur 'guten alten Zeit' zu erkennen.
Da verstehst Du mich ganz falsch. Wäre ich für eine autoritäre Welt, hätte ich weder einen Kinderladen noch eine Wohngemeinschaft mit gegründet. Beides war nicht einfach, aber beide gibt es heute noch. Und wäre ich für 60 Wochenstunden Arbeit, wie in der alten Zeit, so hätte ich nicht für Arbeitszeitverkürzung geschrieben. Freilich gibt es Fehlentwicklungen; z.B. wünsche ich mir, dass die Leute wieder mehr zu Fuß gehen, nicht wie früher mangels Alternative, sondern aus eigener Einsicht und Entscheidung. Wohnung und Arbeitsplatz sollten wieder in fußläufiger Entfernung von einander gewählt werden, die Gesellschaft sollte das möglich machen. Was Ernest Callenbach schon 1975 in "Ökotopia" beschrieben hat, kommt am ehesten meinen Vorstellungen nahe, wenn ich auch viele Details nicht unterschreibe.
Fritz hat da einen schönen langen Text geschrieben, aber keine meiner Fragen beantwortet.
Dark-End, hier fällt mir die Antwort am schwersten, denn Du hast großteils recht. Nachts um halb vier war ich aber einfach am Ende.
Ja, es wird oft so sein, dass die gegenwärtige halb- nein viertelherzige Politik zu Lasten der jeweils Schwächeren geht. Vielleicht kommen auch Kunden zu Tante Emma (wo es sie noch gibt) zurück, weil das Autofahren teurer (Treibstoffpreis) und schwieriger (Pförtnerampeln) wird; oder Tante Emma, bzw. ihre Tochter, ist flexibel genug, eine andere Nische zu finden (Shishabar, Nagelstudio..). Ja, die Marktmacht der großen Konzerne ermöglicht ihnen eher als Kleinen, die Belastungen aufzufangen oder abzuwälzen, nicht zuletzt durch ihren Einfluss auf die Politik. Das gilt aber auch ohne Klimapolitik. Die Tendenz zur Konzentration und Vermachtung hat schon Marx erkannt und beschrieben. Ich bin kein Marxist, aber wo er recht hat, hat er recht.
Was ich für ausgeschlossen halte: Dass die Mächtigen den Klimaschutz erfunden haben, um Kleine zu ruinieren. Hätten sie das gewollt, so hätten sie sich mit dem Club of Rome verbündet; dann wären die letzten vierzig Jahre nicht fast völlig vergeudet worden. Bleiben Kohle, Oel und Gas wirklich im Boden, dann sind Esso und Shell, General Motors und viele andere Geschichte, und mit ihnen die Macht der Mächtigen. Das können sie nicht wollen.
An alle: Vielleicht bin ich doch zu pessimistisch. Hier ein schöner Artikel von Robert Rethfeld:
https://www.wellenreiter-inves…n/kohlekraftwerke-squeeze
"...In Südaustralien ist ein von Tesla gelieferter Stromspeicher mit einer Kapazität von 129 MWh und einer Leistung von 100 MW in Betrieb. Einer Investition von 60 Mio. US-Dollar stehen bereits im ersten Jahr des
Betriebs Kosteneinsparungen in Höhe von 20 bis 30 Mio. Dollar gegenüber. Die Einsparung wurde durch vermiedene Stromausfälle und durch die Reduktion so genannter Redispatches erzielt. Redispatches sind Eingriffe zur Anpassung der Leistungseinspeisung von Kraftwerken, um Leitungsabschnitte vor einer Überlastung zu schützen.
In Kalifornien (Moss Landing) baut Tesla eine Batterie mit einer Kapazität von 730 MWh und einer Leistung von 182,5 MW. Die Anlage soll Ende 2020 in Betrieb gehen. Allerdings wird die vorerst größte Anlage eine Solar-plus-Speicher-Anlage in Florida sein. Das „FPL Manatee Energy Storage Center“ soll Ende 2021 mit 409 MW Leistung ans Netz gehen (Speicherkapazität von 900 MWh). Die Anlage wird nicht von Tesla geliefert, es gibt viele andere Anbieter. Die Kraftwerk-Speicher-Kombination wird zwei alte Gaskraftwerke ersetzen. 409 MW liegen im Bereich einer durchschnittlichen, konventionellen Kraftwerksleistung. Eine ganze Reihe weiterer Solar-/Wind-plus-Speicher sind in den USA in Planung.
Interessant ist auch die Geschichte in Oxnard (Kalifornien), wo die Bürger gegen die Errichtung eines Gaskraftwerks protestierten, das an einem beliebten Standabschnitt entstehen sollte. Das Projekt wurde verhindert. Stattdessen wird nahe dem Ort jetzt ein 195 MW-Stromspeicher platziert, der mit einem Solarpark gekoppelt ist. Generell ist in den USA die Tendenz erkennbar, alte Gaskraftwerke durch neue Solar-plus-Speicher-Kraftwerke zu ersetzen.
Exkurs: Auch unsere eigene Haus-PV-Anlage ist ja ein (Kleinst-) Solar-plus-Speicher-Kraftwerk (Speicherkapazität 13,5 kWh, Leistung 5 kW). Es funktioniert tadellos.
In Deutschland kosten Redispatch-Maßnahmen die Kraftwerks-/Netzbetreiber mehr als eine Milliarde Euro jährlich. Dieser Betrag sollte durch die geplanten Nord-Süd-Stromautobahnen gesenkt werden. Der Aufbau einer relevanten Speicherkapazität kann den Betrag weiter reduzieren beziehungsweise dazu beitragen, dass er im Zuge des Ausbaus der erneuerbaren Energien trotz Stromautobahnen nicht wieder ansteigt.
Der Zeitpunkt ist nicht mehr fern, an dem an einzelnen Tagen die Leistung der erneuerbaren Energien ausreicht, um den gesamten Strombedarf Deutschlands zu decken (höchster Anteil bisher: 77% am 22. April 2019). Je höher deren Anteil, desto stärker sind ausgleichende Speicherkapazitäten gefragt. Kraftwerksbetreiber schauen im Zuge der Planung neuer Wind-, Solar-, und Gaskraftwerke eine bis zwei Dekaden nach vorn. Daher wird es nicht mehr lange dauern, bis auch deutsche Versorger in Speicherlösungen investieren, ob Lithium-Ionen- oder Wasserstoffspeicher. Der „Business Case“ rechnet sich allein schon über vermiedene Redispatch-Kosten.
Hinzu kommt der Umstand, dass sich Braun- und Steinkohlekraftwerke schon jetzt nicht mehr rechnen und die Atomkraftwerke in Kürze abgeschaltet werden. Der Business Case kann demnach nur aus modernen GuD-Kraftwerken oder aus den Erneuerbaren Energien plus Speicher kommen. Aber selbst die bisher solide wirtschaftliche Grundlage für GuD-Kraftwerke ist nicht mehr sicher, wie das Beispiel USA zeigt.
Mittelfristig werden weitere Solar- und Windkapazitäten und auf den Markt kommen, sowohl im Onshore- als auch und besonders im Offshore-Wind-Bereich. Die erneuerbaren Energien werden - einem CO2-Zertifikatepreis auf dem aktuellen Niveau vorausgesetzt – in Verbindung mit dem Ausbau von Speicherkapazitäten (Lithium-Ionen, Wasserstoff) ein Team bilden, das einen Kohleausstieg Deutschlands weit vor 2038 nicht nur ermöglichen, sondern marktwirtschaftlich geradezu erzwingen wird."
Stammt aus einer Gratismail, daher bestehen wohl keine urheberrechtlichen Bedenken gegen das lange Zitat. Der Urheber will den Text ja verbreiten.
Gruß! Fritz