Auszug aus: Estermann, Thomas Schuldenfreies Tauschgeld Talent
Geldschöpfung und Geldherstellung
Definition: Geldschöpfung ist ein Vorgang, bei dem aus dem Nichts Geld geschaffen wird.
Geldherstellung nennen wir jenen Vorgang, bei welchem ein kostbares Gut (meist Gold oder Silber) zu Geld verarbeitet wird.
Es ist wichtig, genau zwischen Geldschöpfung und Geldherstellung zu unterscheiden. Warengeld, ob Naturalgeld oder Münzgeld, wird hergestellt. Die kostbare Substanz muss vorher schon vorhanden sein, bevor sie zu Geld verarbeitet werden kann. Während Tausenden von Jahren wurde Geld ausschliesslich hergestellt. Erst durch das Aufkommen des Zeichengeldes in Form ungedeckter Wechsel wurde es möglich, Geld aus dem Nichts zu schöpfen. .....
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Das Geldmonopol
Beim modernen Buchgeld hat sich somit eine zweifache Ablösung vollzogen. In einem ersten Schritt hat sich die Geldfunktion vom Gold auf die Banknoten übertragen, um in einem zweiten Schritt von den Banknoten auf das Buchgeld überzugehen. Der zweite Schritt ist noch nicht ganz vollzogen. Noch bilden die Notenbankgelder die monetäre Basis des Giralgeldes. Dieser Rest von Verbindung zwischen Giral- und Notengeld sichert den Notenbanken einen Rest von Einfluss auf das Geldwesen. Wegen der schon sehr weit fortgeschrittenen Ablösung der Geldfunktion vom Nationalbankgeld hat sich allerdings das staatliche Geldmonopol schon beängstigend stark aufgelöst. Die mit dem Monopol verbundene Macht geht in zunehmendem Maß auf die Geschäftsbanken über. Der eben beschriebene Vorgang ist ein Beispiel dafür, wie kaum beachtete banktechische Veränderungen die Machtverhältnisse in einem Staat maßgeblich zu beeinflussen vermögen.
Das Kreditgeld
Definition: Kreditgeld ist Geld, das im Akt einer Kreditvergabe einer Bank an einen Kreditempfänger entsteht.
Die Entstehung des Kreditgeldes ist an die Existenz eines funktionierenden Bankwesens geknüpft. Diese Bedingung war erst im Übergang vom Spätmittelalter zur Neuzeit erfüllt. Zudem ist seine Entstehung - wie der Name sagt - an die Vergabe von Krediten gebunden. ...
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Halten wir fest: Kreditgeld entsteht aufgrund einer Kreditvereinbarung. Dies ist der Grund für die strenge Parallelität von Kreditgeld und Geldschuld. Kredite sind in der heutigen Geldordnung verzinslich. Damit entsteht gleichzeitig mit dem Geld auch eine Zinsforderung. Das ist beim Waren- oder Naturalgeld nicht der Fall.
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Wechselspiel von Kreditgeldschöpfung und Kreditgeldvernichtung?
Spiegelbildlich zur Kreditgeldschöpfung wird das Kredigeld 'vernichtet', wenn ein Kredit zurückbezahlt wird. Kreditgelder sind ja nichts anderes als ungetilgte Kredite. Um das zu verstehen, müssen wir uns lediglich in Erinnerung rufen, dass Kreditgeld dem Wesen nach nichts anderes ist als ein ungedeckter mittelalterlicher Wechsel. ....
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Unterschiede beim Entstehen von Kreditgeld und Warengeld
Wir haben gesehen: Das Kreditgeld kommt durch 'Leihen', das Warengeld durch 'Gebrauchen' (im Sinne von etwas dafür kaufen) in Umlauf.
Wir können auch sagen, das Kreditgeld wird aus dem Nichts geschöpft ['Fiat-Money' G. M.], das Warengeld wird hergestellt (siehe oben). Über das Kreditgeld haben wir ausführlich gesprochen, wenden wir uns also der Beschreibung der Verhältnisse beim Warengeld zu.
Warengeld war die ausschließliche Geldform der Frühgeschichte der Menschheit bis zum Hochmittelalter. Zum Warengeld zählen die Naturalgelder, die Kurantmünzen (vollwertige Gold- und Silbermünzen) und nach unserem Verständnis auch die Scheidemünzen (ohne Schlagsatzanteil), sowie die zu hundert Prozent durch Gold gedeckten Banknoten und Wechsel (Siehe Tabelle 1).
Betrachten wir zum Beispiel die Emission einer vollwertigen Goldmünze durch die Regierung eines Stadtstaates im alten Griechenland. Bei einer vollwertigen Goldmünze übersteigt der Nennwert den Warenwert nur geringfügig. Die Differenz heisst Schlagsatz. Den weitaus größeren Teil des neugeprägten Geldes musste die Regierung somit als Preis für das Rohmaterial gleich wieder hergeben. Dem Staat selbst blieb nur gerade der Schlagsatz. Die Verantwortlichen konnten natürlich auch selbst eine Goldmine erschließen; dann mussten sie aber Löhne für die Förderung und den Transport des Goldes bezahlen. Sie konnten es auch rauben; waren in diesem Falle jedoch gezwungen, ein Heer zusammenzustellen und einen Feldzug zu unternehmen. Das war womöglich noch teurer, zumindest aber gefährlicher und beschwerlicher [fand aber doch recht häufig statt G. M.]. Jedenfalls hatten sie eine Vorleistung zu erbringen. Wie immer wir es drehen: Sie mussten das Gold erst erwerben, bevor sie Münzen ausprägen konnten.
[Die Römer waren etwas schlauer und machten anfänglich Münzen aus der recht billigen Bronze und wurden daher auch weniger ausgeraubt! G. M.]
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....Das Warengeld ist bei seiner Entstehung - anders als das Kreditgeld - zins- und schuldenfreies Geld. Größer könnte der Unterschied zwischen Waren- und Kreditgeld kaum sein.