Seit mehr als 20 Jahren verdient Roland Aulitzky seine Brötchen bei der Stiftung Warentest. Aktien und Fonds, Zertifikate und Bundesanleihen - all das sind seine täglichen Gefährten. Eine trockene Materie. Nur bei einem Thema, da erntet Aulitzky stets wütende E-Mail-Attacken: "Wenn ich über Gold rede, gehen die Angriffe ins Persönliche." Mehr noch: "Da ist manchmal Hass im Spiel." Es liegt daran, dass Aulitzky nichts hält von dem Spuk ums gelbe Metall.
"Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles", reimte Goethe im Faust. Wohl wahr: Seit die Finanzkrise die Welt in Atem hält, sehnen sich viele Menschen nach Sicherheit – und reißen sich um das glänzende Edelmetall. "Meine Lieferanten kommen mit der Produktion nicht nach", klagt Martin Siegel vom Händler Westgold im niedersächsischen Lindhorst.
Goldhändler machen kräftigen Reibach
Kein Einzelfall: "Seit August ist der Andrang so stark wie noch nie", sagt Robert Hartmann, Geschäftsführer des Goldhändlers Pro Aurum. Vier Läden betreibt das Unternehmen: in München und Berlin, in Wien und Zürich. "Die Leute sind nicht panisch", sagt Hartmann trocken. "Sie reagieren auf die Nachrichten und wollen einen Teil ihres Geldes in Gold stecken."
Den Fachmann freut’s: Jede Münze, die über die Ladentische geht, befeuert den Umsatz. Kein Wunder, dass Hartmann für seine Ware trommelt. Und zwar mit einem perfekten Dreisatz. Erstens, sagt Hartmann: "Gold hat über Jahrtausende seine Kaufkraft behalten." Zweitens: "Es ist eine Versicherung gegen Verluste mit anderen Wertpapieren." Drittens: "Wer Gold besitzt, beugt vor gegen eine Katastrophe." Punkt.
Roland Aulitzky kennt die Argumente. Gold als Krisenwährung, als Schutz gegen die Inflation: Da kann der Fachmann nur mit dem Kopf schütteln. "Das ist höchst zweifelhaft", sagt er. Die Nachteile hingegen seien gewiss: "Gold liefert keine Zinsen, und der Preis kann kräftig schwanken." Zu riskant für den privaten Kleinanleger, glaubt Aulitzky. "Gold ist nur für Reiche ein sinnvoller Zusatz für das Depot."
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