Aus der FTD vom 27.8.2004
Portfolio: Hoffen auf einen schwachen Rand
Von Horst Fugger
Für die südafrikanischen Goldminen ist der Metallpreis nur der zweitwichtigste Faktor. Sie schauen vor allem auf die Währung.
Für europäische und amerikanische Anleger haben Investitionen in Südafrika an Bedeutung gewonnen. Vor allem die Staatsanleihen aus der Kaprepublik erfreuten sich in den vergangenen Monaten zunehmender Beliebtheit. Kein Wunder, waren die dort zu erzielenden Renditen doch deutlich höher als im Euro- oder im Dollar-Raum. Die stark angestiegene Nachfrage nach Südafrika-Investitionen führte zu einer massiven Aufwertung der Landeswährung - vor allem gegenüber dem auch im Vergleich zu anderen Währungen schwächelnden US-Dollar.
Was die Anleihenbesitzer freute, hat den südafrikanischen Exporteuren die Bilanzen verhagelt. Vor allem gilt dies für die Goldproduzenten: Während die Förder- und Personalkosten im starken Rand anfallen, werden die Erlöse in Dollar erzielt, denn der Weltmarktpreis des Edelmetalls wird nun einmal in Dollar ermittelt.
Der Währungseffekt war dramatisch: Von Anfang 2002 bis zum vergangenen Juli, als das Wechselkursverhältnis mit 5,85 Rand je Dollar seinen Extremwert erreichte, legte der Rand um 70 Prozent zu. Zwar stieg auch der Goldpreis, aber bei weitem nicht so stark. Unter dem Strich ergaben sich deutlich niedrigere Erlöse für die südafrikanischen Goldproduzenten, zumal die Kosten stiegen: Höhere Löhne und der immer aufwändiger werdende Erzabbau in großen Tiefen trugen das Ihre dazu bei, dass nach Expertenschätzungen heute etwa die Hälfte aller südafrikanischen Goldminen unprofitabel sind. Zwar haben die vier größten Goldförderer der Kaprepublik - Anglogold, Gold Fields, Harmony Gold Mining und Durban Roodepoort Deep - auch Interessen in anderen Ländern, aber der weit überwiegende Anteil ihrer Aktivitäten findet nach wie vor in Südafrika statt. Bei Durban und Harmony sind es etwa 90 Prozent, bei Gold Fields mehr als 60 und bei Anglogold etwa 50 Prozent.
Nicht nur Goldförderer leiden
Natürlich haben nicht nur die Goldförderer unter dem starken Rand zu leiden, sondern beispielsweise auch die weltgrößten Platinproduzenten Anglo American Platinum und Impala Platinum, die gemeinsam einen Weltmarktanteil von etwa 55 Prozent erreichen. In dieser Branche sind die Auswirkungen jedoch weniger dramatisch, weil der Platinpreis (aktuell: 855,50 $ pro Feinunze) nicht allzu weit von seinem historischen Hoch (939,50 $) entfernt ist. Der Goldpreis müsste sich dagegen mehr als verdoppeln, um das Rekordniveau aus dem Jahr 1980 zu erreichen.
Kein Wunder also, dass die Aktienkurse der Goldförderer vom Kap deutlich anzogen, als die südafrikanische Notenbank vor einigen Tagen völlig überraschend die Leitzinsen senkte und der Rand daraufhin spürbar nachgab. Sollte der Rand gegenüber dem Dollar weiter abwerten, könnten die Minenaktien wesentlich höhere Kurse erreichen - vor allem dann, wenn gleichzeitig der Goldpreis steigt. In einem solchen Fall achten die Analysten und Investoren verstärkt darauf, welche Mengen an nachgewiesenen Reserven die einzelnen Unternehmen besitzen, und da schneiden die Südafrikaner im internationalen Vergleich äußerst gut ab: Bei Anglogold schlummern noch etwa 84 Millionen Unzen Gold im Boden, bei Gold Fields sind es 79 Millionen, bei Harmony 62 Millionen und bei Durban knapp 16 Millionen.
Während die beiden erstgenannten Goldtitel als vergleichsweise konservativ gelten, sind die beiden anderen wegen hoher Produktionskosten und der oben erwähnten Währungsabhängigkeit als deutlich spekulativer einzustufen.
© 2004 Financial Times Deutschland , © Illustration: FTD/js; Quelle: Bloomberg