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Russland
Rubel unter Druck von Spekulanten
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Länge: 2:41 min
Ö1 Mittagsjournal - Georg Dox
Der Verfall des Rubels hat den russischen Zentralbankchef Sergej Ignatiew in eine schwierige Lage gebracht. Um den weiteren Verfall der Währung zu verhindern, muss er mit Milliardensummen gegensteuern. Russland hat bereits ein Drittel seiner Währungsreserven aufgewandt, um die Abwertung des Rubels zu bremsen.
Spekulanten testen Zentralbank
Die Ankündigung der Zentralbank, den Rubel nicht unter einen bestimmen Wert fallen zu lassen, hat nichts zur Stabilität beigetragen. Im Gegenteil, es hat Devisenspekulanten auf den Plan gerufen, die nun die Prinzipienfestigkeit der Zentralbank testen.
Talfahrt mit ungewissem Ende
Gewarnt durch die Finanzkrise 1998 hat die Zentralbank lange Zeit schrittweise die Währung abgewertet. Seit dem August des Vorjahres hat der Rubel so kontinuierlich ein Drittel seines Wertes verloren. Wie dieser Versuch, den Rubel-Verfall zu stoppen, letztlich ausgeht, ist offen. Die Talsohle, da sind sich die Experten einig, ist jedenfalls noch nicht erreicht.
Noch große Reserven
Der große Unterschied zur Situation vor zehn Jahren gilt aber immer noch: Russland verfügt nach wie vor über einen Finanzpolster von mehreren 100 Milliarden Dollar. Allerdings hätte ihn die Regierung lieber anders eingesetzt, als zur Stützung der Währung.
Scharfe Rezession droht
Der rasante Verfall des Ölpreises und der Rückzug der Investoren belastet die russische Wirtschaft. Finanzminister Kudrin sprach von einem Nullwachstum. Der Vizepräsident des russischen Unternehmerverbandes Igor Jürgensen prognostizierte im schlimmsten Fall einen Rückgang von zehn Prozent.
Einnahmen schrumpfen
Der erste stellvertretende Ministerpräsident Igor Schuwalow musste offen bekennen: "Können wir die Krise beherrschen, nein, aber wir können die Folgen für die betroffene Bevölkerung zumindest vermindern, wenn wir an unserem Antikrisenprogramm festhalten." Worin das aber nun genau besteht, wird nicht so recht sichtbar. Die Budgeteinnahmen sind auf 60 Prozent des geplanten Wertes geschrumpft. Der Finanzminister will trotzdem erklärtermaßen auf Steuereinnahmen verzichten, um der Realwirtschaft zu helfen. Gleichzeitig soll es keine Einschränkungen bei den Sozialausgaben geben. Wie das alles finanziert werden soll, ist offen.
Krise beherrschbar?
Nachdem Wladimir Putin in den letzten neun Jahren alles getan hat, um eine Opposition auszuschalten, ist jetzt auch niemand da, der eine Alternative hat. KP-Chef Gennadi Sjuganow sprach von Revolution, Wladimir Schirinowski sieht Russland an vorderster Front eines Wirtschaftskrieges mit den USA. 300 verärgerte Autofahrer, die am Sonntag in Moskau gegen die hohen Importzölle bei ausländischen Neuwagen protestierten, sind keine Massenbewegung. Dafür wurde die Putin-Jugend auf die Straße geschickt, die der Führung für ihre Politik dankte. Ob sich allerdings mit starker Polizeipräsenz, einer restriktiven Informationspolitik und öffentlicher Schönfärberei die Krise beherrschen lässt, ist durchaus noch offen.
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