Mich treibt hier um, ob ich’s wirklich übers Herz bringe, gut Bekannte, wohlmöglich noch mit Kindern die bis dato bei uns ein und ausgingen, halbverhungert wieder wegzuschicken. Mein ich ernst…
Nunja, wissen sie Bescheid oder nicht?
Ja: Nächsten Platzregen abwarten und rumjammern, dass der Keller mitsamt Inhalt komplett geflutet wurde und ein paar angerostete alte Konservendosen und mit nassem Kellerputz verschmierte Nudelpackungen anbieten, bevor die noch schlecht werden. Frustriert sein über den Verlust und fluchen über die dumme Idee, so viel Essen für nichts bevorratet zu haben, denn nun ist alles viiiieeel zu teuer, um nochmal von vorne anzufangen. Du hast dein Hobby aufgegeben und widmest dich nun der Sammlung von Steinen, denen macht es nichts aus, überflutet zu werden.
Nein: Sie kommen im Fall der Fälle und du lässt sie rein, da sie deine Wohnung ja schon kennen, werden sie erschreckt darüber sein, wie sehr sich der Zustand verschlechtert hat. Natürlich sind sie verständnisvoll, denn es herrscht ja gerade eine Ausnahmesituation. Du lädst sie in deine Küche ein, deren Arbeitsplatte vollgestellt ist mit dreckigen Plaste-Eimern, in denen frisch gepflückte Wildkräuter der aktuellen Saison auf deren Weiterverarbeitung warten. Dann öffnest du den spärlich gefüllten Kühlschrank, der eh mangels Strom nicht mehr läuft und einfach nur ein paar Sardinendosen, alte Medikamente und ein paar Tuben Tomatenmark enthält und bietest ihnen davon etwas an. Fragst, ob sie gerne einen Brennessel-Salat dazu haben möchten und wo sie ihre weitere Reise hinzieht.
Die ganzen Ängste und Szenarien kommen daher, weil man meint durch seine zur Schau getragene Situation entsprechende Begehrlichkeiten zu wecken. Was man aber zur Schau stellt, kann man selbst gestalten... und wenn es einen nicht tangiert, was andere darüber denken, hat man die volle Narrenfreiheit diesbezüglich.