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OK, und danach? Dann bleibt es ewig auf dem hohen Niveau?
Natürlich nicht, denn wie ich ja geschrieben habe, wird diese Spirale irgendwann in Hysterie und Übertreibung enden. (Auf Übertreibung folgt eine Korrektur) Das dauert jedoch einige Zeit und wird nicht innerhalb von Tagen passieren.
Dehalb steigen zumindest in diesem Zeitraum die Lebenshaltungskosten (wenn einfach "alles" gekauft wird, wird auch einfach "alles" immer teurer, angebot/nachfrage eben). Berücksichtigen wir jetzt noch, dass wir bisher sagen wir mal ein, zwei Jahre Deflation mit ordentlicher Depression gehabt haben - d.h. Güterproduktion auf Minimum, keine freien Kapazitäten, Sparmaßnahmen ohne Ende im Betrieb - ist die Angebotsseite sehr knapp bemessen. Sobald nun nur ein geringfüger Anstieg der Nachfrageseite entsteht (für "alles", wegen spontaner Geldflucht) steigt auch der Preis ziemlich schnell an. (Außer der Verkäufer ist so solidarisch und lässt sich den Reibach entgehen.)
Minos hats in seinem letzten Posting schon auf den Punkt gebracht - Vertrauen.
Nehmen wir mal das fiktive Beispiel Glühbirnen, aber unter der Annahme das es kein angekündigtes Verbot gibt sondern unter der Bevölkerung nur Gerüchte (fehlendes Vertrauen) verbreitet werden: "ab 1.Sept sind die Teile verboten".
Du bist Inhaber eines Leuchtmittelgeschäfts. Du stellst fest, dass im August zunehmend immer mehr Leute Glühbirnen in großen Mengen einkaufen und sich deine Lager schneller leeren als sonst. Was tust du? Weiterhin die dinger so billig verkaufen oder doch lieber den Preis hochsetzen? Was denkst du? Vielleicht "wow die Glühbirnen gehen aber weg wie warme Semmeln, den anderen Glühbirnenläden gehts sicher genauso und die werden auch die Preise anheben, also schnell mitziehen".
Wenn das in allen Brachen nahezu gleichzeitig stattfindet (Geldflucht weil vertrauen schwindet, auch wenn nicht aus monetärer Sicht begründbar), dann werden alle Verkäufer genauso wie der Glühbirnenhändler handeln und die Preise anheben. Da auch Ladeninhaber irgendwie Ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen und genauso wie Arbeitnehmer stark nachgefragte Produkte wie Kleidung, Lebensmittel, usw. benötigen, entsteht die wohlbekannte Lohn-Preis-Spirale.
Nehmen wir noch an, dass durch die lange Depression die Volksstimmung sowieso schon ziemlich am Brodeln ist, wird es entweder zu Ausschreitungen kommen oder der Staat ist gezwungen das Volk mit mehr Schuldgeld ruhigzustellen (erhöhung Harz4 z.b.).
Fazit:
Allein durch den subjektiven Eindruck der Masse, dass die Preise steigen (obwohl sie dies durch ihre Geldflucht selbst verursacht hat) entsteht das Gefühl von Inflation (wir wissen ja: für die Massen ist das das gleiche wie "alles wird teurer").
Wenn die Massen das ganze jetzt in Zusammenhang mit den billionenschweren Rettungspaketen und sonstigen augenscheinlichen "Gelddruckaktionen" des Staates bringt (auch wenn es in Wirklichkeit eigentlich Schuldenaufnahme/Geldleihe des Staates ist) folgt daraus das Subjektive Gefühl "ich habe kein Vertrauen mehr darin, dass ich morgen noch genausoviel Waren wie heute für mein Geld bekomme". Wir haben also eine selbsterfüllende Prophezeiung geschaffen.
Wie gesagt das hat nix mit den tatsächlichen monetären Gegebenheiten zu tun, sondern mit reiner Massenpsychologie und Herdentrieb der Geldausgeber. Ist doch das gleiche wie an der Börse, da kann eine unbegründete Massenpanik (z.B. durch eine unerwartete heftige Kursbewegung) auch schonmal die Ruinierung einer AG zur Folge haben, obwohl diese gut aufgestellt war. Genauso kann die unbegründete Massenpanik "Geldausgeben koste es was es wolle" die Währung ruinieren, selbst wenn aus monetärer Sicht kein Grund dafür bestehen würde.
Das ist alles nur meine Ansicht, wie sich das ganze entwickeln könnte. Wie schon geschrieben, ich bin von Defla aktuell/bevorstehend überzeugt, aber schon nach der BTW kann es durch irgendeinen ungeschickten Patzer der Regierung zu einer Veränderung der Massenpsychologie kommen.