Indien: Goldnachfrage steigt um 33 %
*** Gerade lese ich, was das "World Gold Council" für eine Prognose zur Goldnachfrage gibt. Beim Thema "Indien" wird es interessant! Ich zitiere:
"Es wird damit gerechnet, dass wegen der steigenden Einkommen, der guten Ernten und – wir fügen hinzu – einem boomenden Aktienmarkt, der Goldkonsum Indiens 2005 um 33 % auf 850 Tonnen steigen wird."
Eine Nachfragesteigerung um 33 %! Und der Ankauf von Gold hat auch schon begonnen, wenn man sich die folgenden Zahlen ansieht: "Die indische Goldnachfrage – ausgenommen recyceltes Gold – ist in der ersten Hälfte dieses Jahres um 57 % auf 508 Tonnen gestiegen. In der ersten Hälfte 2004 waren es noch 322 Tonnen." Vergleichen Sie das mit den 642 Tonnen, die Indien im gesamten vergangenen Jahr konsumierte.
AlJazeera.com berichtet, dass mehr hinter diesem Goldkauf steckt, als zuerst ins Auge fällt: "Indiens Haushalte sind auf einer riesigen Einkaufstour für Gold, weil die Inflation, die durch den steigenden Ölpreis angetrieben wird, droht, in einer der am stärksten wachsenden Ökonomien die Ersparnisse aus den steigenden Einkommen auszulöschen." Aha – die Leute strömen zum Gold, um der Inflation zu entkommen!
Das Problem, berichtet AlJazeera.com, sei, dass "die Einkommen der indischen Familien der Mittelklasse mit der Wirtschaft um robuste 7 %-8 % stiegen. Doch das Geld zur Bank zu bringen bringt lediglich Zinsen von 4 % – 5 %, was kaum mit der Inflation mithält." Kurz gefasst, man bringt sie um die Kaufkraft ihres Geldes, und als Antwort darauf kaufen sie für ihr Geld Gold, anstatt es bei den Banken zu lassen.
Ganz klar ein Faktor, der für einen weiter anziehenden Goldpreis spricht! Ich bleibe weiter bullish für das gelbe Edelmetall. Ein 1:1 Gold-Zertifikat mit Währungssicherung bzw. ein Edelmetall Bonus-Zertifikat gehört meiner Ansicht nach in jedes strategische Depot.
*** In der "Zeit" habe ich gerade ein interessantes Interview mit William J. McDonough gelesen. Das ist der Chef der amerikanischen "Bilanzpolizei", die ja bekanntlich deutlich härter durchgreift als in Mitteleuropa (völlig zu Recht). Dieses Interview zeigt, dass der Markt eben nicht immer alles von selber optimal regelt (funktioniert ja z.B. im Bereich Umweltschutz auch nicht, wegen der externen Effekte). Es gibt Bereiche, in denen der Staat einspringen muss – McDonough macht dies deutlich:
"Die Skandale der vergangenen Jahre (z.B. Enron) zeigen doch, dass der Markt nicht perfekt funktioniert hat. Hinzu kommt, dass es sich ja nicht um ein paar schwarze Schafe in einer ansonsten weißen Herde gehandelt hat. Diese Ansicht hat zumindest der Kongress vertreten, und ich bin ganz seiner Meinung."
Schade, dass es keinen deutschen McDonough gibt, der kriminelle Manager und Bilanztrickser in Handschellen abführen lässt, wie dies in den USA gang und gäbe ist.
Viele Grüße,
Michael Vaupel
Dieser Beitrag stammt aus Trader´s Daily.