Buenos Aires macht Spaß, es ist kein Dreckloch wie Sau Paulo, es besteht nicht aus Schlaglöchern, wenngleich es übertrieben wäre, zu sagen, daß man fortwährend auf Flüsterasphalt fahren würde. Und man kann prima weggehen - hab ich mir sagen lassen, und alles ist übertrieben teuer. Insofern hatte sich nicht viel geändert. Das einzige, was mir so auffiel war, daß es immer schwieriger wurde, mit Dollar zu bezahlen. Das war im letzten November und im Februar noch problemlos möglich, denn Peso und Dollar standen eins zu eins. So auch jetzt, nur wollte unerklärlicherweise niemand mehr Dollar haben. Ich verstehe das zwar in der Provinz, denn ein Bauer, der sein Leben lang in der Pampa verbracht hat, der hat nun mal keine Ahnung von diesem ganzen Zeug, aber in der Stadt sollte eigentlich jeder wissen, daß Dollar besser sind als Pesos. Ich konnte nicht feststellen, woran das lag, zumal die Gerüchte kursierten, daß der Peso in naher Zukunft abgewertet werden sollte und es daher besser ist, Dollar zu besitzen, denn Dollar ist Dollar und bleibt Dollar. Der Peso lag im Sterben und alle wußten es, daher ist das umso unverständlicher. Verbote, Dollar zu nehmen, die gab es schon, allerdings ist ein Verbot immer nur so gut, wie seine Kontrolle, also halten sich Behörden dran, aber doch nicht der Tante-Emma-Laden ums Eck und der Privatmann schon gleich dreimal nicht, doch selbst die wollten keine Dollar haben.
Einmal ging ich auf die Botschaft, um einen Paß zu beantragen. Nach viel Theater bekam ich einen dieser schwulen, handgemalten, grünen Pässe, die nur ein Jahr gültig sind. Der kostete 25 Peso, also exakt 25 US$. Ich hielt der Beamtin also einen 50 US$-Schein hin und sie sagte, es würden keine Dollar akzeptiert. "So ein Blödsinn", dachte ich, und sagte: "Passen's auf, machmer's so: Ich gebe ihnen die 50 Dollar, sie geben mir aus ihrem Geldbeutel dafür 50 Peso und damit zahl ich dann den Paß, OK?" Aber nein, das ginge auch nicht. Das gab mir den Rest, ich begann an meinem Verstand zu zweifeln und mich ernsthaft zu fragen, ob nicht ich bei der ganzen Geschichte der Depp bin. Entweder ich bin bescheuert, oder alle anderen. Mag sein, daß ich falsch liege, aber ich konnte nicht feststellen, wo ich den Fehler eingebaut hatte. Andererseits wäre das Weltpremiere, wenn der Besold einmal richtig liegt und dafür alle anderen falsch.
Allein es ließ sich nicht vermeiden, daß ich mich bald wieder Buenos Aires den Rücken kehren und mich nach Norden begeben mußte.