Hab gerade das E-Paper des Spiegels gelesen und kann dir nur zustimmen. Inhaltlich liefert der Artikel nichts Neues, was hier im Forum nicht bereits lang und breit diskutiert worden wäre. Er ist im Wesentlichen eine Aufzählung gebrochener Versprechen und immer neuer Kreditpakete.
Dann werden zwei Szenarien näher vorgestellt: Umschuldung und Transferunion. Dass Letztere auch mit einer erzwungenen politischen Union (Stichwort gemeinsames Finanzministerium, wie es Trichet vorschlug) nicht funktionieren wird, zeige laut Spiegel-Artikel ein Blick auf die deutsch-deutsche Vereinigung, wo genau das durchgeführt wurde. Ich ergänze: und das unter wesentlich besseren innenpolitischen Voraussetzungen, da man von einem "gemeinsamen Deutschland" schwärmen konnte. Dieser patriotische Verweis dürfte bei Europa nicht zünden ...
Worin der Spiegel-Artikel zu kurz greift, ist der mangelnde Hinweis auf ein drittes Szenario: unkontrollierter Bankrott GR durch den Widerstand der Bevölkerung. Und auf ein viertes Szenario, das m. E. noch viel zu wenig öffentlich diskutiert wird: Austritt Deutschlands aus der Währungsunion und ggf. Bildung einer neuen Währungsgemeinschaft mit wirtschaftlich homogeneren Staaten.
Vorteil: GR könnte den Euro behalten, die Schuldenverpflichtungen lauten dann weiterhin in Euro und vervielfachen sich aufgrund einer Einführung einer nationalen Währung nicht durch Abwertung. Trotzdem könnte GR seine nominalen Schulden einfacher zurückzahlen, da der Euro mit den verbliebenen Weichwährungsstaaten schwächer gegenüber anderen Starkwährungen ausfallen würde.
Löst der Artikel in der nächsten Woche einen Bank-Run aus? Nein, glaub ich nicht. Dazu blendet er die Folgen der beiden besprochenen Szenarien völlig aus. Kein Hinweis auf die schleichende Geldentwertung durch die erzwungene Transferunion. Kein Hinweis auf die Folgen weiterer Bankenzusammenbrüche für den "kleinen Sparer", falls es doch zu einer Umschuldung GR kommen sollte.
Vielleicht kommt es nächste Woche doch zu einem Bankensturm, aber dann sicher nicht aufgrund dieses Artikels ... 