Kanadas Ölsande im Visier europäischer und chinesischer Ölgesellschaften
27.04.2005 fh - GOLDINVEST.de Daily
Italiens größtes Ölunternehmen, Eni SpA, hat einen ersten Schritt in Kanadas aufstrebenden Ölsandsektor unternommen. Eni wird aber dort kein Produzent sein, noch nicht.
Enis Ingenieurtochter Snamprogetti aus Mailand und SNC-Lavelin aus Montreal, Kanada, werden gemeinsam an der Konstruktion einer Raffinerieanlage im Wert von 500 Millionen CAD für das Horizon Ölsandprojekt arbeiten. Dieses Projekt im nordöstlichen Teil der kanadischen Provinz Alberta wird Ende 2008 täglich 110.000 Barrel Öl produzieren.
Der Besitzer und Betreiber von Horizon, Canadian Natural Resources Ltd. aus Calgary, vergab diesen Auftrag an das Joint Venture Mitte April.
Jean Beaudoin, der Senior Vizepräsident von SNC-Lavelins Geschäftsabteilung in Alberta, berichtete, dass in Mailand die Ingenieurarbeiten bereits am Laufen seien und mit der Konstruktion im August begonnen werde. Die Fertigstellung dieser Anlagen wird bis Mai 2008 erwartet.
SNC-Lavelin erhielt bereits früher im Jahr einen Auftrag zum Bau einer Aufbereitungsanlage für das CNRL Ölsandprojekt und Snamprogetti besitzt bereits Erfahrung im Bau von Raffinerieanlagen in anderen Teilen der Welt.
In den letzten Monaten hat sich eine Reihe von internationalen Ölgesellschaften, einschließlich Eni SpA und die französische Total SA sowie die drei großen chinesischen Ölgesellschaften Sinopec, PetroChina und CNOOC Ltd. danach umgesehen, in Kanadas Ölsanden Fuß zu fassen.
Der Ölpreis liegt weiterhin über 50 USD je Barrel. Die Ölsande enthalten gewaltige Mengen Öl und diese Ressource liegt in Kanada, einem Land mit sehr geringem politischen Risiko. Ein Problem ist jedoch, dass die besten bekannten Ölsandvorkommen in der Athabasca Region bereits vergeben sind und dadurch die Zahl neuer Unternehmungen begrenzt ist. Diese Situation erhöht aber die Möglichkeit von Übernahmen.
Die Ölsande in der kanadischen Provinz Alberta enthalten die größten bekannten Ölvorräte der Welt. Nach Schätzungen sind 1,7 bis 2,5 Billionen Barrel Bitumen (1 Barrel = 158,9 Liter) in einem komplexen Gemisch aus Sand, Wasser und Ton gebunden. Der Ölgehalt dieser Ölsande reicht von 1-20%. Die drei wichtigsten Lagerstätten, Athabasca, Cold Lake und Peace River, bedecken zusammen eine Fläche von ungefähr 80.000 km² (zum Vergleich: Österreich 83.850 km²) . Athabasca ist mit 40.000 km² die größte und zugänglichste Lagerstätte. Sie besitzt ebenfalls den höchsten Bitumengehalt und ein Teil der Ölsande in der Nähe der Stadt Fort McMurray liegt nur in geringer Tiefe und kann so im Tagebau gewonnen werden. Die Ölsandindustrie arbeitet jetzt gewinnbringend und ein Drittel der gesamten kanadischen Ölproduktion, ungefähr 1 Million Barrel Öl pro Tag, stammt aus der Aufbereitung der Ölsande.
Eni SpA, Europas viertgrößter Ölproduzent, hat sich öffentlich vor Investoren darüber geäußert, dass das Unternehmen daran interessiert sei, in dieser Gegend ein Produzent zu werden.
Laut einem Bericht der Financial Post bestätigte dies letzte Woche ein Unternehmenssprecher im New Yorker Büro des Unternehmens, mahnte aber zur Vorsicht, dass dieses Joint Venture einer der Tochtergesellschaften Enis nicht als Zeichen für ein bevorstehendes Produktionsabkommen gedeutet werden sollte.
„Snamprogettis Partnerschaft zum Bau einer Aufbereitungsanlage in dieser Gegend ist kein Trojanisches Pferd für Eni. Eni hat sein Interesse an den kanadischen Ölsanden gezeigt, und es ist fair anzunehmen, dass jede große Ölgesellschaft daran interessiert ist, in dieser Gegend ein Produzent zu sein,“ sagte der Unternehmenssprecher.
CNOOC Ltd., Chinas drittgrößter Ölproduzent machte vor zwei Wochen die erste Investition in Albertas Ölsande. Das Unternehmen erwarb für 150 Millionen CAD einen 16,7%-Anteil an MEG Energy Corp.
MEG besitzt 52 Abbaulizenzen mit zwei Milliarden Barrel an gewinnbarem Öl nordöstlich von EnCana Corp.’s Christina Lake Projekt. Die erste kommerzielle Produktion von täglich 25.000 Barrel wird für 2008 erwartet. Die Investitionskosten für dieses Projekt betragen 500 Millionen bis eine Milliarde CAD.
Die Analysten von Credit Suisse First Boston erwarten für Eni in 2005 einen Nettogewinn von 6,9 Milliarden EUR (7,3 Milliarden EUR in 2004) bei Einnahmen von 63,3 Milliarden EUR (59,7 Milliarden EUR in 2004). Das Unternehmen wird im Juni 2005 eine Dividende von 0,90 EUR je Aktie ausschütten und diese wird im Oktober/November 2005 durch eine zweite Ausschüttung von ungefähr 0,40 EUR ergänzt werden. Anfang März gaben sie dem Unternehmen die Bewertung „Outperform“ und erhöhten ihr Preisziel auf 20,80 EUR je Aktie.