Teil 3
Hier sind die drei Gründe, warum Neptun Deep das von Ihnen beschriebene "Horror-Szenario" (Speicher leer, Preisexplosion) für das Jahr 2026 nicht retten würde:
1. Die Zeitfalle (Das Gas kommt zu spät)
Sie schreiben selbst: Start ab 2027. Ihr Szenario betrifft aber die Befüllung im Sommer 2026 für den Winter 26/27.
- Das Problem: Um im Winter warm zu bleiben, müssen die Speicher vorher voll sein (bis Oktober/November 2026).
- Wenn Neptun Deep erst 2027 (selbst wenn es der 1. Januar wäre) ans Netz geht, hilft dieses Gas nicht beim Befüllen der Speicher im Jahr 2026.
- Im Sommer 2026, wenn Deutschland bei 0 % startet und verzweifelt Gas sucht, fließt aus dem Schwarzen Meer noch kein einziger Kubikmeter.
2. Das Mengen-Problem (Ein Tropfen, kein Ozean)
Selbst wenn das Gas schon fließen würde, überschätzen Sie vermutlich die Menge im Verhältnis zum EU-Bedarf.
- Kapazität Neptun Deep: Das Feld soll auf dem Höhepunkt ca. 8 Mrd. Kubikmeter (bcm) pro Jahr liefern (ca. 80 TWh).
- Verbrauch Deutschland: Allein Deutschland verbraucht ca. 80-90 bcm pro Jahr.
- Verbrauch EU: Ca. 350 bcm.
Das bedeutet: Neptun Deep deckt gerade einmal den Eigenbedarf von Rumänien und hilft den südöstlichen Nachbarn. Das ist großartig für die regionale Sicherheit, aber es sind nur ca. 2 % des EU-Gasbedarfs. Es ist unmöglich, mit einer Menge von 8 bcm (Neptun) eine Lücke zu füllen, die entsteht, wenn die deutschen Speicher (24 bcm Kapazität) leer sind und die EU-Speicher (100 bcm Kapazität) fast leer sind.
3. Das Risiko der "60%-Strategie"
Ihr Vorschlag: "Man wird einfach z.B. 60% füllen und sich auf das neue Gas verlassen."
Das wäre energiepolitisches Russisch Roulette. Kein Wirtschaftsminister würde das wagen, und zwar aus folgenden Gründen:
- Der kalte Winter: Ein Speicherstand von 60 % zu Beginn des Winters (November) reicht in einem harten Winter nur bis Januar. Wenn es im Februar minus 10 Grad hat, sind die Speicher leer.
- Projektverzögerungen: Offshore-Projekte wie Neptun Deep verzögern sich fast immer. Wenn man sich darauf verlässt, dass das Gas im Januar 2027 fließt, und es gibt ein technisches Problem (Verzögerung auf März), friert Europa.
- Marktreaktion: Wenn die Händler sehen, dass Deutschland nur mit 60 % in den Winter geht, preisen sie das Risiko eines Mangels sofort ein. Der Preis würde schon im Herbst explodieren, bevor der erste Schnee fällt, weil der Markt Angst vor der Knappheit hat.
Fazit
Das Neptun Deep-Projekt ist ein wichtiger Baustein für die Zukunft (ab 2027/28), um russisches Gas in Südosteuropa zu ersetzen.
Aber für Ihr spezifisches Szenario (Befüllung im Jahr 2026 nach einem Leerstand) ist es irrelevant.
- Es kommt zu spät für die Einspeisesaison 2026.
- Die Menge ist zu klein, um einen leeren deutschen Speicher zu kompensieren.
Wenn wir 2026 wirklich bei 0 % (DE) bzw. 22 % (EU) starten, bleibt es dabei: Der Preis würde explodieren, weil wir das Gas physisch im Sommer 2026 auf dem Weltmarkt kaufen müssten, und da hilft uns das noch im Bau befindliche Feld in Rumänien nicht.