Kommt heute auf Frontal 21
Abgewickelt und betrogen
DDR-Betriebe und die Treuhand
von Ulrich Stoll
Rückblick: Im Sommer 1990 bekommen 16 Millionen DDR-Bürger neues Geld: Der Freude über die harte D-Mark folgt schnell Ernüchterung. Denn die Volkseigenen Betriebe müssen nun ihre Belegschaft in D-Mark bezahlen und sich über Nacht dem Weltmarkt stellen. Privatisieren oder dichtmachen - das ist die Aufgabe der Treuhandanstalt, der größten Staatsholding der Welt. Der Ausverkauf der DDR-Wirtschaft beginnt. 8000 Betriebe sollen marktfähig gemacht werden oder untergehen.
Die Mitarbeiter des Wärmeanlagenbaus Berlin (WBB) glauben, dass sie den Sprung in den Markt schaffen können. WBB, größter DDR-Hersteller für Fernwärmetrassen, besitzt ein Millionenvermögen. Offizieller Substanzwert: 160 Millionen D-Mark. Doch die Treuhand rechnet den Betrieb klein und verkauft ihn für ganze zwei Millionen D-Mark an den westdeutschen Geschäftsmann Michael Rottmann. Der entlässt die meisten Beschäftigten, verkauft die WBB-Immobilien für knapp 150 Millionen und transferiert das Betriebsvermögen ins Ausland.
2,5 Millionen Arbeitsplätze abgewickelt
1200 Menschen verlieren ihre Arbeit. Rottmann flieht ins Ausland. Erst 14 Jahre nach dem Firmenzusammenbruch wird der Geschäftsmann gefasst und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Fast 200 Millionen Mark Firmengelder bleiben verschwunden. Wie WBB geht es tausenden von Firmen.
[Blockierte Grafik: http://frontal21.zdf.de/ZDFde/s_img/96/0,6992,7174368-render-A8-,00.jpg]
ZDF
Birgit Breuel, Treuhand-Präsidentin 1991-1994
Als die Treuhand im Dezember 1994 ihre Arbeit beendet, sind 2,5 Millionen Arbeitsplätze in der ehemaligen DDR vernichtet. Was bleibt, ist ein Schuldenberg von 250 Milliarden D-Mark. Bis heute belasten die Milliarden, die die Abwicklung der DDR-Wirtschaft gekostet hat, den Bundeshaushalt - von den sozialen Folgen ganz zu schweigen.
Vernichtende Bilanz
Werner Schulz, damals grüner Bundestagsabgeordneter, durchleuchtete in einem Untersuchungsausschuss die Geschäfte der Treuhandanstalt. Seine Bilanz ist vernichtend: "Im Grunde genommen ist es das größte Betrugskapitel in der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands."
Infobox
Programmhinweis:
Am 14.09.2010, 21.00 Uhr sendet das ZDF die Frontal21-Dokumentation "Beutezug Ost - DieTreuhandanstalt und die Abwicklung der DDR" von Herbert Klar und Ulrich Stoll.